Belästigungsvorwurf

Paukenschlag: ORF-Chef tritt zurück

09.03.2026

ORF-Generaldirektor Roland Weißmann ist zurückgetreten. 

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Paukenschlag am Küniglberg: ORF-Generaldirektor Roland Weißmann ist zurückgetreten. Hintergrund des Rücktritts ist der Vorwurf der sexuellen Belästigung, der gegen Weißmann erhoben wird. 

Radiodirektorin Ingrid Thurnher übernimmt die ORF-Führung nun interimistisch. Im August findet dann turnusmäßig die Wahl für den neuen Generaldirektor statt. Weißmann hatte ja bekanntlich Ambitionen, erneut für den Posten zu kandidieren.

Weißmann bestreitet Vorwürfe

Das Fehlverhalten, das Weißmann vorgeworfen wird, soll sich bereits 2022, also zu Beginn seiner Amtszeit, ereignet haben. Eine ORF-Mitarbeiterin hat laut oe24-Informationen den Vorwurf der sexuellen Belästigung geäußert. Weißmann selbst bestreitet die Vorwürfe. 

Stiftungsrat: Rasche und transparente Aufklärung

Via Aussendung bestätigte der Stiftungsrat den Rücktritt Weißmanns. "Der im Raum stehende Vorwurf verlangt dennoch eine rasche und transparente Aufklärung in enger Kooperation mit der ORF-Compliance-Stelle, bei der die Wahrung des Schutzes der betroffenen Person das oberste Ziel sein müsse", heißt es in der Aussendung des Stiftungsrats-Vorsitzenden Heinz Lederer und seinem Stellvertreter Gregor Schütze. Beide bedankten sich bei Weißmann für seine 30-jährige Tätigkeit im ORF. 

Das sagt Weißmann

Der Anwalt von Roland Weißmann, Oliver Scherbaum, erklärte in einer Aussendung: „Mein Mandant wurde vom Stiftungsrat darüber in Kenntnis gesetzt, dass ihm von einer Mitarbeiterin unangemessenes Verhalten zu Beginn seiner Amtszeit als Generaldirektor (2022) vorgeworfen wird. Ihm wurde seitens des Stiftungsrates eine Frist von wenigen Tagen eingeräumt, um seinen Rücktritt zu erklären, obwohl mein Mandant die Vorwürfe bestritten hat und eine inhaltliche Überprüfung der Vorwürfe nicht erfolgte."

Weißmann, so sein Anwalt, liege nach wie vor nicht der genau vorgebrachte Sachverhalt vor. "Dennoch war er, um Schaden vom Unternehmen abzuwenden, zu weitreichenden Zugeständnissen bereit und trat daher am Sonntag 08. März 2026 um 11:45 mit sofortiger Wirkung von seiner Funktion als Generaldirektor zurück." 

In der medialen Verbreitung der "nicht aufgeklärten Vorwürfe" sehe man eine "überschießende Reaktion". Mit der betreffenden Mitarbeiterin sei laut Scherbaum auch bereits eine Einigung gefunden worden. Es sei zudem bezeichnend, dass dieser Vorgang "wenige Monate vor der bevorstehenden Generaldirektorwahl im ORF" stattfinde. Der Weißmann-Anwalt spielt damit auf eine politische Intrige an, die im Zusammenhang mit der ORF-Wahl stehen könnte. 

Rücktritt am Weltfrauentag

Da Weißmann bereits am Sonntag sein Amt offiziell niederlegte, erfolgte sein Rücktritt just am Weltfrauentag. 

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Westenthaler fordert "so rasch wie möglich Neuwahlen" 

Der von der FPÖ entsandte Stiftungsrat Peter Westenthaler forderte im oe24.TV-Interview eine vorgezogene ORF-Wahl. Es braucht "so rasch wie möglich Neuwahlen", sofern das rechtlich möglich sei.