Deutschland könnte Weber für EZB-Vorsitz nominieren

19.01.2010

Die deutsche Regierung hat den Boden für eine Kandidatur von Bundesbank-Chef Axel Weber um das Amt des EZB-Chefpostens bereitet. "Deutschland wäre zweifellos in der Lage, einen exzellenten Präsidenten als Nachfolger von Jean-Claude Trichet vorzuschlagen", sagte Staatsminister Werner Hoyer dem französischen Wirtschaftsblatt "Les Echos".

Zur Vollversion des Artikels
 
Zur Vollversion des Artikels

"Und im Fall einer solchen Kandidatur wäre es nicht unbegründet, dass ein EZB-Ratsmitglied, das so erfahren und erfolgreich wie Herr Weber ist, Nachfolger von Wim Duisenberg und Trichet wird." Die Aussagen Hoyers sind die bisher deutlichste Unterstützung der Bundesregierung für Weber. Der 52-jährige Bundesbanker gilt zusammen mit dem italienischen Zentralbankchef Mario Draghi als Favorit für den EZB-Spitzenposten. Trichets Amtszeit läuft im Oktober 2011 aus.

Nach Deutschland hat nun auch Italien für den 2011 anstehenden Wechsel an der Spitze der EZB den Finger gehoben. Italiens Außenminister Franco Frattini sagte am 19. Jänner im Senat: "Wenn es auf einen Italiener hinausläuft, werden wir ihn natürlich unterstützen." Frattini hatte bereits im September Draghi als geeigneten Nachfolger von Trichet ins Gespräch gebracht. Er dementierte jedoch umgehend Berichte, er habe Draghi auch als Kandidaten vorgeschlagen.

Zwar dürften die Kandidaten für den EZB-Spitzenposten erst Anfang 2011 nominiert werden. Einige Diplomaten gehen aber davon aus, dass die beiden Spitzenpositionen zwischen Ländern im Norden und im Süden der Euro-Zone aufgeteilt werden. Das bedeutet: Sollte Mersch den Vizeposten erhalten, wäre Draghi Favorit für die Nachfolge Trichets. Würde dagegen Constancio die Nummer zwei, wären das Webers Chancen höher.

Noch keine Entscheidung zu EZB-Vizeposten

Die Finanzminister der Euro-Zone haben sich indes einem Diplomaten zufolge noch nicht über die Nachfolge von EZB-Vizepräsident Lucas Papademos geeinigt. Die Entscheidung sei auf das Treffen der Eurogruppe im Februar vertagt worden, um die Rechtslage für eine Abstimmung darüber zu prüfen, sagte ein EU-Diplomat am 18. Jänner in Brüssel.

Im Gespräch sind als Kandidaten der Gouverneur der Luxemburger Notenbank, Yves Mersch, und der portugiesische Zentralbankchef Vitor Constancio. Der Belgier Peter Praet vom Direktorium der belgischen Nationalbank soll EU-Kreisen zufolge aus dem Rennen sein. Die Amtszeit des Griechen Papademos als Vizechef der Europäischen Zentralbank (EZB) endet im Mai. Die EU-Staats- und Regierungschefs sollen den Nachfolger bei ihrem Gipfeltreffen im März ernennen.