Pasta-Mythos
Spaghetti Carbonara wurde nicht in Italien erfunden, sondern in ...
25.02.2026Dachten Sie bisher auch, die Spaghetti Carbonara seien das Urgestein der italienischen Küche? Halten Sie sich fest: Der Klassiker stammt offenbar gar nicht aus Italien, sondern aus Übersee.
Es ist das ultimative Wohlfühlessen: Cremig, würzig und in weniger als 15 Minuten auf dem Tisch. Die echte Carbonara ist eigentlich ein puristisches Meisterwerk. Man braucht nur eine Handvoll Zutaten:
- Speck: Am besten originaler Guanciale aus der Schweinebacke.
- Käse: Frisch geriebener Pecorino Romano oder Parmesan.
- Eier: Bio-Eier für die perfekte Farbe.
- Pfeffer & Pasta: Ein Schluck Nudelwasser für die Bindung – fertig!
Den Speck knusprig braten, die Eier mit dem Käse verquirlen und alles blitzschnell mit den heißen Nudeln vermengen. Doch während wir den ersten Bissen genießen, stellt sich die brisante Frage: Wer hat das Pasta-Gericht eigentlich erfunden?
Carbonara stammt nicht aus Italien
Lange Zeit galt eine Theorie als fast sicher, die italienische Nonnas verzweifeln lässt: Die Carbonara soll ein Produkt des Zweiten Weltkriegs sein. Als US-Soldaten nach Italien kamen, brachten sie ihre Tagesrationen mit – Bacon und Eipulver. Die findigen italienischen Köche kombinierten dies einfach mit Pasta.
Sogar der renommierte Kulturhistoriker Alberto Grandi von der Universität Parma stützt diese These. In seinem Werk "Mythos Nationalgericht" bezeichnet er die Carbonara klipp und klar als amerikanisches Gericht. Er geht sogar so weit zu sagen, es sei nichts anderes als ein US-Frühstück, dem man einfach Nudeln hinzugefügt hat.
Die Beweislast drückt
Das erste schriftliche Rezept tauchte 1952 in einem Stadtführer für Chicago auf (Restaurant Armando’s). Erst zwei Jahre später druckt die italienische Zeitschrift „La Cucina Italiana“ ein Rezept ab – kurioserweise noch mit Schweizer Gruyère-Käse.
Die Rettung kommt aus dem Norden
Gerade als sich die italienische Seele mit US-Pasta abgefunden hatte, tauchte ein Beweisstück auf, mit dem niemand gerechnet hat. Die niederländische Journalistin Janneke Vreugdenhil stieß bei ihren Recherchen auf eine Sensation: In der Zeitung „De Koerier“ vom 23. August 1939 – also kurz vor Kriegsausbruch und lange vor der Ankunft der GIs – fand sie eine Kolumne über das römische Arbeiterviertel Trastevere. Darin wird ein Wirt namens Alfredo erwähnt, der „Spaghetti alla Carbonara“ servierte.
Die Folge: Italien atmet auf! Die renommierte Gourmet-Bibel „Gambero Rosso“ und die Tageszeitung „La Repubblica“ jubelten sofort: „Nein, es waren nicht die Amerikaner!“ Die neue Lesart: Die Italiener hatten während des Krieges schlichtweg andere Sorgen, als Rezepte in Kochbücher zu schreiben.
Der Profi bleibt skeptisch: „Nur ein Name“
Kulturhistoriker Grandi lässt sich davon jedoch nicht so leicht beeindrucken. Gegenüber der dpa betonte er, dass eine einzelne Erwähnung des Namens von 1939 noch nicht beweist, dass das Gericht damals schon so schmeckte wie heute. Das Fehlen in offiziellen Kochbüchern wiegt für ihn schwerer als eine alte Zeitungskolumne.
Die Herkunftsfrage dürfte also noch immer nicht ganz geklärt sein. Doch egal, ob die Carbonara nun ein US-Import aus der Nachkriegszeit ist oder ein gut gehütetes Geheimnis römischer Wirte aus den 30ern: Eines steht für echte Foodies fest – auf die Zubereitung kommt es an. Während Historiker über alte Zeitungsarchive streiten, genießen wir lieber das perfekte Ergebnis auf dem Teller.