Stornolawine in der Gastro
2G-Bilanz: Bis zu 70% weniger Umsatz
Krisenstimmung. Die 2G-Regel hat bei den körpernahen Dienstleistern und in der Gastronomie eine wahre Absagen-Lawine ausgelöst. Dass (PCR-)Testen nicht mehr möglich ist, wird zum Problem. Extremes Beispiel: In einem Gasthaus in Petzenkirchen (NÖ) hat ein Wirt binnen 2 Tagen 650 Gäste-Stornierungen gezählt.
Gastronomie: Storno-Flut nach Verkündung von 2G
➔ Martinigansl abgesagt: Betroffen sind Buchungen rund um das Martinigansl-Essen, Tauffeiern oder Weihnachtsfeiern. Sogar Stammtische bleiben leer. Familien gehen nicht mehr essen, wenn ein Mitglied nicht geimpft oder genesen ist. „Wir tragen unseren Teil bei, aber es kann nicht sein, dass alles ohne Hilfsmittel auf unseren Schultern ausgetragen wird“, sagt Peter Dobcak, Gastro-Obmann in der Wirtschaftskammer Wien. Mit Sorge blicke man jetzt auch auf die Ballsaison. Von 22 Großbällen, die jedes Jahr allein in der Hofburg stattfinden, seien 17 bereits abgesagt. Ob die übrigen fünf stattfinden, sei in Schwebe. Gastronomen verzeichnen laut WKO Rückgänge von bis zu 70 %. Die neue Regel sorgt auch für Verwirrung: „Viele Kunden sind unsicher, ob sie eine Filiale überhaupt betreten dürfen, wenn sie nur Essen zum Mitnehmen bestellen wollen, weil in der Verordnung von einem ‚Zutritt‘ die Rede ist. Das dürfen sie“, sagt McDonald’s-Sprecher Wilhelm Baldia.
Friseur: Vor allem Frauen sagen ihre Termine ab
➔ Um 30 % weniger Kunden: Christian Sturmayr hat Friseur-Studios in fünf Bundesländern. Zu ÖSTERREICH sagt er: „Etwa 30 Prozent der Kundinnen fallen jetzt aus. Trotzdem müssen wir zufrieden sein. Die meisten unserer Kundinnen sind genesen oder geimpft. Dennoch ist der wirtschaftliche Schaden enorm.“ Sturmayr spricht sich für eine Steuersenkung aus. Josef Winkler, Star-Coiffeur und Friseur von Ex-Kanzler Kurz in Wien: „Die Regel wirkt sich negativ aus. Wir haben Absagen, vor allem von Frauen um etwa 10 bis 15 Prozent.“
Fitnesscenter: Betreiber können mit Regel leben
➔ Besucherzahl stabil: Ernst Minar, Gründer der John- Harris-Fitnessstudios, sagt zu ÖSTERREICH: „Bisher gibt es bei uns wenig Auswirkungen. Die meisten unserer KundInnen sind geimpft oder genesen. Schon bisher wurde streng kontrolliert, praktisch alle Mitglieder haben ihren Impfnachweis hinterlegt.“ Und: „Sollte die Regelung so bleiben, wie sie jetzt gilt, kann unsere Branche damit recht gut leben. Es muss alles getan werden, damit ein neuerlicher Lockdown verhindert wird.“
Rotlicht: Bordell-Betten bleiben vorerst leer
➔ Abgetaucht: Im größten Bordell Österreichs, dem Funpalast, bleiben viele Betten leer. „Wir hatten am Montag einen Umsatzrückgang von 70 %. Die Anzahl der Damen, die bei uns legal arbeiten, hat sich halbiert. Viele sind in die Illegalität abgetaucht“, sagt Sprecher Peter Laskaris.