Varianten-Wahnsinn

Wie viele Corona-Mutationen kommen noch auf uns zu?

© Getty
Varianten von Sars-CoV-2 treiben in vielen Ländern neue Corona-Wellen an. Weitere Mutationen können auf uns zukommen.
Zur Vollversion des Artikels

Eigentlich verändert sich das Coronavirus viel langsamer, als es für die Mutationen nötig wäre. Ein bis zwei Mutationen pro Monat sammeln sich normalerweise im Erbgut an. Menschen mit geschwächtem Immunsystem werden das Virus in manchen Fällen nicht los und ermöglichen dem Virus damit eine Phase dramatisch beschleunigter Evolution, so das Online-Portal Spektrum.

Fitnesscenter für Virus geöffnet

Gerade bei Personen mit schwachem Immunsystem kann das Virus weiter „trainieren“. Das Immunsystem kämpft zwar gegen das Virus an, ist jedoch zu schwach um es zu beseitigen. Das begünstigt Varianten, an die Antikörper generell schlechter binden - so genannte Fluchtmutationen.

"Ich denke, das ist ein sehr plausibles Szenario", sagt Sébastien Calvignac-Spencer, Experte für Virenevolution am Robert Koch-Institut. "Die Wirkung des Immunsystems ist gering, so dass die Infektion bleibt, aber es übt Druck auf das Virus aus." Bereits bei mehreren Infizierten mit unterdrücktem Immunsystem zeigte sich, dass sich das Virus unter solchen Bedingungen extrem schnell genetisch verändert.

© Youtube/ Too Dope for Microscope

Schnelles Virus

Ein wichtiges Indiz für die Schnelligkeit des Virus ist die Rate an Mutationen. Die am längsten bekannte und am besten untersuchte Variante B.1.1.7, auch englische Mutation genannt, mutiert derzeit ebenso schnell wie die anderen Varianten. Dies ist aber zu langsam, um die hohe Zahl der Mutationen zu erklären. Evolutionssprünge in immunschwachen Patienten bieten eine naheliegende Erklärung, so das Spektrum weiter. „Wenn wir uns anschauen, welche Mutationen uns jetzt Sorgen machen, dann sind das alles Fluchtmutationen“, so Adam Grundhoff vom Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie in Hamburg.

Wie viele Mutationen wird es noch geben?

Wie viele Mutationen noch auf uns zukommen können aktuell nicht einmal die Forscher selbst sicher vorhersagen. Dies liegt nicht nur daran, dass einfach keine Vergleichswerte vorhanden sind, sondern auch daran, dass es hauptsächlich nur lückenhafte Informationen und Aufzeichnungen gibt. Niemand kann vorhersagen, wie viele neue Mutanten es genau gibt und geben wird. Die meisten werden sich aber nicht stark verbreiten und fallen daher nicht besonders auf, so das Spektrum.