Energie und Balance
Achtung, Zeitumstellung! So bringen Sie Ihren Körper wieder in Schwung
28.03.2026Vom 28. auf den 29. März werden die Uhren auf Sommerzeit umgestellt. Ein Anlass, um auch einen kritischen Blick auf unsere inneren Zeitmesser zu werfen und diese bei Bedarf neu zu justieren.
Dauererschöpfung trotz ausreichend Schlaf ist für viele Frauen zu einem ständigen Begleiter geworden. Oft wird dieses Gefühl als normale Folge eines vollgepackten Alltags zwischen Beruf, Familie und Haushalt abgetan. Doch hinter der bleiernen Müdigkeit steckt häufig kein Mangel an Disziplin, sondern ein Körper, dessen biologische Rhythmen aus dem Takt geraten sind.
In jedem weiblichen Körper ticken zwei entscheidende hormonelle Uhren, die das Energielevel maßgeblich steuern: der zirkadiane und der infradiane Rhythmus. Wer lernt, diese Taktgeber zu verstehen und den Lebensstil an sie anzupassen, findet den Schlüssel zu nachhaltiger Leistungsfähigkeit.
Unsere inneren Uhren
Zirkadianer Rhythmus
Die erste dieser Uhren ist der zirkadiane Rhythmus, der den klassischen 24-Stunden-Tag bestimmt. Er wird vor allem durch das Zusammenspiel von Cortisol und Melatonin reguliert. Cortisol fungiert als natürlicher Wachmacher und Konzentrationshelfer, dessen Spiegel idealerweise am Morgen am höchsten ist und im Tagesverlauf absinkt. Am Abend übernimmt das Schlafhormon Melatonin das Kommando, um die nächtliche Regeneration einzuleiten.
Ein moderner Lebensstil mit hoher Blaulicht-Exposition durch Bildschirme am späten Abend oder eine Ernährung, die den Blutzucker Achterbahn fahren lässt, stört dieses empfindliche Gefüge. Die Folge ist ein paradoxer Zustand: Man quält sich morgens aus dem Bett und ist abends, wenn der Körper eigentlich ruhen sollte, aufgekratzt und findet nicht in den Schlaf.
Infradianer Rhythmus
Zusätzlich zum Tag-Nacht-Rhythmus unterliegt der weibliche Körper dem infradianen Rhythmus, dem monatlichen Zyklus. Dieser beeinflusst weit mehr als nur die Fruchtbarkeit; er wirkt sich auf den Stoffwechsel, das Immunsystem und die psychische Belastbarkeit aus. Regina Ahrens beschreibt in ihrem Buch „Low Battery, Please Charge“ diesen Rhythmus in vier Phasen, die wie innere Jahreszeiten fungieren. In der Follikelphase und zum Eisprung – dem inneren Frühling und Sommer – ist die Energie meist hoch, die Kreativität sprudelt und die soziale Offenheit nimmt zu.
Mit der Lutealphase, dem inneren Herbst, wird das System sensibler und das Bedürfnis nach Struktur und Rückzug steigt. Die Menstruationsphase stellt schließlich den inneren Winter dar, eine Zeit der Reflexion und Ruhe. Wer versucht, in jeder Phase mit der gleichen linearen Intensität zu funktionieren, arbeitet permanent gegen die eigene Biologie, was langfristig in die Erschöpfung führt.
Raus aus der Energiefalle
Um aus dieser Energiefalle auszubrechen, bietet die „Anti-Burnout-Formel“ gezielte Ansätze. Ein zentraler Baustein ist eine hormonsensible Ernährung, die auf einen stabilen Blutzucker abzielt. Ein typisches „Suppenkoma“ oder der Nachmittagscrash lassen sich oft vermeiden, indem jede Mahlzeit – auch Snacks – eine Kombination aus Proteinen und gesunden Fetten enthält. H
ochwertige Kohlenhydrate aus Vollkorn oder Kartoffeln sollten zwar Teil der Ernährung sein, aber langsamer ins Blut abgehen als isolierter Zucker, um Blutzuckerspitzen zu verhindern. Besonders am Morgen und Mittag hilft eine proteinreiche Kost, den zirkadianen Rhythmus zu stützen und den Fokus zu bewahren.
»Müdigkeit ist kein Versagen, sondern ein Rhythmusproblem.«
Neben der Ernährung spielt die Regulation des Nervensystems eine entscheidende Rolle. Chronischer Stress hält das System in einer Daueraktivierung, die wertvolle Ressourcen verbraucht. Hier helfen „Mikro-Praktiken“, die sich selbst in einen vollen Terminkalender integrieren lassen. Einfache Techniken wie bewusstes Summen für wenige Minuten können den Vagusnerv beruhigen und die Selbstregulation fördern.
Auch kleine Atempausen, wie die 5–5-Atmung, oder das bewusste Spüren der Füße auf dem Boden in Stressmomenten signalisieren dem Körper Sicherheit. Am Abend unterstützt die Reduktion von künstlichem Licht ab 20 Uhr die natürliche Melatonin-Produktion und bereitet den Körper auf einen erholsamen Schlaf vor.
Letztlich geht es darum, die eigene Leistungsfähigkeit nicht als statische Größe, sondern als dynamischen Prozess zu begreifen. Wer kleine, kontinuierliche Anpassungen vornimmt – etwa die Intensität des Sports oder die Art der beruflichen Aufgaben an die jeweilige Zyklusphase anzupassen – schafft eine nachhaltige Basis für Wohlbefinden. Es ist die Summe dieser winzigen Veränderungen in Ernährung und Alltagsharmonie, die es ermöglicht, die inneren Batterien nicht nur kurzfristig aufzuladen, sondern dauerhaft im grünen Bereich zu halten.
BUCHTIPP
Mehr zum Thema In ihrem Buch „Low Battery, Please Charge“ beschreibt Regina Ahrens, dass wahre Energie nicht durch Disziplin, sondern durch den Einklang mit unseren hormonellen Wellen entsteht. Franckh-Kosmos Verlag; 22 Euro