Pollensaison beginnt
Pollen-Alarm! Wie Sie den Frühling trotz Allergie genießen können
21.03.2026Der Frühling bringt Sonne und Blüten, aber auch eine hohe Belastung für Allergiker:innen. Warum die Pollensaison heuer besonders intensiv startet und was jetzt wirklich hilft, um endlich wieder durchatmen zu können.
Der Frühling ist für viele Menschen eine Zeit der Freude: Die Tage werden länger, die Sonne wärmer, erste Blüten färben Wiesen und Gärten. Doch für Millionen von Menschen bedeutet der Saisonwechsel vor allem eines: Pollenalarm. Nach den ruhigen Wintermonaten gerät das Immunsystem mancher Menschen unter Druck. Es reagiert auf die feinen Blütenpollen mit einer Abwehrreaktion, die völlig unverhältnismäßig ist. Nase, Augen und Schleimhäute werden gereizt, das alltägliche Wohlbefinden leidet. Allergien sind damit kein Randproblem, sondern ein Phänomen, das viele Österreicherinnen und Österreicher betrifft. Studien zeigen, dass rund 16 Prozent der Bevölkerung regelmäßig unter Allergien leiden, und ein großer Teil davon reagiert auf Pollenflug. Weltweit rechnen Fachleute damit, dass bis zur Hälfte der Menschen bis 2050 von allergischen Erkrankungen betroffen sein könnten, wenn sich die aktuellen Entwicklungen fortsetzen.
Intensiver Start in die Pollensaison
Heuer hat die Pollensaison in Österreich etwas später begonnen – dafür aber besonders abrupt. Mit der schlagartig einsetzenden Blüte von Hasel und Erle startete die Saison vielerorts mit hoher Intensität. Viele Allergiker:innen leiden daher gerade besonders stark unter Beschwerden. Laut dem Österreichischen Polleninformationsdienst dürften die Belastungen durch diese Frühblüher in Niederungen und Tallagen noch bis Ende März anhalten, allerdings bereits in den kommenden Wochen deutlich nachlassen. Fachleute rechnen für 2026 insgesamt mit einem pollenreichen Jahr. Zwischen Mitte und Ende März folgt mit der Blüte der Esche die nächste Belastungsphase, während die Birkenblüte voraussichtlich in der zweiten Märzhälfte beginnt. Da auf ein schwächeres Birkenjahr meist ein stärkeres folgt und das Jahr 2025 unterdurchschnittlich verlief, erwarten Expert:innen heuer eine deutlich höhere Pollenproduktion. Eine hohe Pollenkonzentration bedeutet jedoch nicht automatisch starke Beschwerden. Entscheidend ist auch der Verlauf der Belastung: Steigt die Pollenkonzentration langsam an, kann sich der Körper oft besser anpassen. Luftschadstoffe können die Situation allerdings deutlich verschärfen. Feinstaub oder aktuell auch Saharastaub reizen die Schleimhäute zusätzlich und erleichtern dadurch allergische Reaktionen.
Ein ganzjähriges Phänomen
Häufig denkt man bei Allergien nur an den Frühling, tatsächlich begleiten sie viele Betroffene durch einen großen Teil des Jahres. Im Frühjahr belasten vor allem Baum- und Strauchpollen wie Hasel, Erle und Birke die Betroffenen, während im Sommer Gräserpollen die Beschwerden verlängern. Die Gräserblüte beginnt meist Anfang Mai und gehört zu den häufigsten Allergieauslösern. Im Spätsommer folgen weitere Belastungen: Rund um den Neusiedler See oder in Seenregionen Kärntens kann etwa die Schilfblüte Beschwerden auslösen. Der Beifuß erreicht meist Mitte August seinen Höhepunkt, während das stark allergene Unkraut Ragweed von August bis in den Herbst hinein Pollen freisetzt.
Der Klimawandel verlängert die Allergiesaison
Durch klimatische Veränderungen verschieben sich die Blühzeiten vieler allergieauslösender Pflanzen zunehmend. Sie beginnen früher zu blühen, dauern länger und fallen teilweise intensiver aus. Dadurch schrumpft die pollenfreie Zeit im Jahr immer mehr – in manchen Regionen umfasst sie nur noch wenige Wochen.
Viele Allergiker bleiben (zu) lange unbehandelt
Trotz der großen Verbreitung werden Allergien häufig unterschätzt. Pollen sind die häufigsten Auslöser allergischer Erkrankungen, dennoch halten viele Betroffene ihre Beschwerden lange Zeit nur für lästig, aber harmlos und verzichten auf eine medizinische Abklärung. Expertinnen zufolge sind rund 90 Prozent der Allergiker:innen unzureichend versorgt. Zwischen den ersten Symptomen und dem Beginn einer gezielten Therapie vergehen oft viele Jahre – im Durchschnitt sogar bis zu 15.
Dabei kann eine unbehandelte Allergie langfristige Folgen haben. In manchen Fällen entwickelt sich aus allergischem Schnupfen später Asthma. Hinzu kommen gesellschaftliche und wirtschaftliche Auswirkungen. Allergischer Schnupfen kann Lebensqualität, Konzentration und Leistungsfähigkeit deutlich beeinträchtigen. Arbeitsausfälle und verminderte Produktivität verursachen laut Studien Kosten von mehr als 2.400 Euro pro Patient und Jahr. Allein in Österreich leidet etwa jede fünfte Person an allergischer Rhinitis, also allergischem Schnupfen, der meist durch Blütenpollen ausgelöst wird. Das entspricht rund eineinhalb bis zwei Millionen Menschen. Viele von ihnen könnten von einer gezielten Behandlung profitieren, die auf Allergenvermeidung, Medikamenten und, wenn sinnvoll, einer spezifischen Immuntherapie basiert. Die steigende Belastung durch Pollen und Umweltfaktoren stellt viele Menschen daher vor die Herausforderung, ihren Alltag trotz Allergien möglichst beschwerdefrei zu gestalten. Körperliche Aktivität und Bewegung sind dabei wichtig für Wohlbefinden und Immunsystem – allerdings lohnt es sich, den richtigen Zeitpunkt und die passende Umgebung zu wählen.
Aktiv bleiben trotz Pollenbelastung
Wer unter Allergien leidet, muss dennoch nicht auf Bewegung im Alltag verzichten. Allerdings schwankt die Pollenkonzentration im Laufe des Tages stark: In ländlichen Gegenden ist sie meist morgens am höchsten, in Städten dagegen eher am Abend. Sinnvoll ist daher die Nutzung von Apps oder dem Pollenwarndienst des Österreichischen Polleninformationsdienstes, um den besten Zeitpunkt für das Training zu bestimmen. Besonders nach einem Regenschauer ist die Luft klarer und enthält weniger Pollen. An Tagen mit hoher Belastung empfiehlt es sich, die Sportart anzupassen. Statt joggen im Park kann man auf Indoor-Alternativen wie Yoga, Pilates oder Schwimmen ausweichen. Schwimmen hat den Vorteil, dass die feuchte Luft die Atemwege beruhigt und Pollen fernhält. Online-Workouts, Tanzkurse oder Geräte-Training sind ebenfalls gute Möglichkeiten, um aktiv zu bleiben. Wer dennoch im Freien trainiert, sollte seine Trainingsorte bewusst wählen. Waldwege oder Gebiete in Gewässernähe bieten häufig eine geringere Pollenkonzentration als Wiesen oder Parks mit vielen blühenden Pflanzen. Eine Sonnenbrille schützt zusätzlich die Augen vor Pollen, und nach dem Training empfiehlt es sich, direkt zu duschen, die Haare zu waschen und die Sportkleidung zu wechseln. Durch die Nase zu atmen hilft ebenfalls, einen Großteil der Pollen aus der Atemluft zu filtern. Eine Nasendusche mit Kochsalzlösung kann die Atemwege reinigen und die Schleimhäute beruhigen.
Prävention & medizinische Therapie
Ein besonders wirkungsvolles Instrument ist die allergenspezifische Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt. Sie zielt darauf ab, das Immunsystem langfristig an ein bestimmtes Allergen zu gewöhnen. Dabei wird das Allergen über mehrere Jahre, meist drei bis fünf, in kontrollierter und steigender Dosierung verabreicht. Auf diese Weise kann das Immunsystem langsam eine Toleranz entwickeln, wodurch allergische Reaktionen deutlich schwächer ausfallen oder sogar ganz verschwinden.
Ernährung als Unterstützung
Auch die Ernährung kann einen Einfluss auf allergische Beschwerden haben. Lebensmittel mit entzündungshemmenden Eigenschaften, etwa frisches Obst und Gemüse, Omega-3-reiche Fische oder Nüsse, können die Schleimhäute unterstützen und das Immunsystem stabilisieren. Gleichzeitig sollten stark verarbeitete Lebensmittel und übermäßiger Zucker reduziert werden. Ein weiterer Aspekt sind sogenannte Kreuzallergien. Menschen mit Birkenpollenallergie reagieren beispielsweise häufig auch auf bestimmte rohe Früchte oder Nüsse. Wer seine individuellen Auslöser kennt und die Ernährung entsprechend anpasst, kann Beschwerden oft deutlich reduzieren.