Wenn der Körper spricht
Die Basics der Körpersprache
Körpersprache ist universell, direkt, allgegenwärtig und irgendwie bedrohlich – sie verleiht Worten Bedeutung. Noch bevor wir rational denken, spricht der Körper. Jeder versteht sie und kann sie deuten. Der Experte Stefan Verra erklärt, was hinter dem Phänomen steckt.
Der Experte erklärt, wie das Werkzeug Körper funktioniert
Sie kennen sie, diese Binsenweisheit: Denken, bevor man den Mund aufmacht! Klingt vernünftig, ist aber leider so gut wie nicht möglich. Denn ehe wir beginnen, Reize und Signale von außen wahrzunehmen, diese im Gehirn zu sortieren und dann vielleicht auch noch darüber nachzudenken oder gar zu entscheiden, wie wir darauf reagieren, hat uns einer längst verraten: unser Körper. Das ist Körpersprache und die ist nun mal allgegenwärtig. „Denken passiert im bewussten Verstand, dem Neocortex. Beginnt man, sich über Körpersprache Gedanken zu machen, ist das Meiste schon passiert“, erklärt Körpersprache-Experte, Autor und Coach Stefan Verra. Doch wie funktioniert es, dass unser Körper spricht? Vornweg: Wer sich an dieser Stelle Life-Hacks erwartet, die einen Erfolg beim Flirten garantieren, Lügner sofort entlarven lassen und helfen, Menschen zu manipulieren, der ist hier falsch. Denn Körpersprache ist weit mehr. Was dahintersteckt, verrät der Experte.
Sinne als Schnittstelle zur Außenwelt
Unser Gehirn ist in ständiger Bereitschaft. Erhält es einen Reiz, reagiert unser Körper innerhalb kürzester Zeit – in 250 Millisekunden (!) – auf dieses Signal, noch bevor Sie rational darüber nachdenken können. „Denn Körpersprache passiert im Stamm- und Mittelhirn – sprich, viel früher als das rationale Denken (Vernunftdenken). Für ‚vernünftige‘ Überlegungen bleibt da keine Zeit!“ Doch woher bezieht das Gehirn die Infos aus der Außenwelt? Die „Schnittstellen“ bilden fünf Sinneskanäle: Haut, Nase, Ohren, Mund, allem voran die Augen. „Nein, auch Frau hat keinen sechsten Sinn, auch wenn sie Mann regelmäßig beim Schwindeln erwischt. Einfach erklärt: Sie ist beim Wahrnehmen über ihre Sinne geschickter als er beim Kontrollieren seiner Körpersprache“, räumt Verra den Irrglauben aus dem Weg.
Die Körpersprache als Reaktion
Ist das äußere Signal erst mal über die Sinne (meist visuell) bis ins Gehirn fortgeschritten, wird Wahrgenommenes verarbeitet und in „Gut, will mehr davon“ oder „Weg damit, Gefahr“ klassifiziert. Achtung: Hier beginnt Körpersprache – denn wie gesagt, unser Körper ist der Vernunft meilenweit voraus. So viel zu „Der Mensch ist ein Vernunftwesen“. „Quasi unmöglich, denn unser Gehirn wäre mit der Fülle an Möglichkeiten schlicht überfordert, wenn wir jede Entscheidung rational treffen würden“, weiß der Experte. Hätten wir alles durchdacht und rational zergrübelt/begründet, hätte sich der Mensch nie durchgesetzt – innerhalb einer Viertelsekunde reagiert der Körper auf ein Signal von außen. Evolutionstechnisch von großer Relevanz: „Im Neandertal war auch keine Zeit für die Überlegung: ‚Säbelzahntiger! Streicheln oder laufen?‘“ Doch woran erkenne ich, ob mein Gegenüber nun mehr von mir will, ein Themenwechsel klüger wäre oder ich besser gleich Reißaus nehme? Klar: an der Aufmerksamkeit!
Erkennen Sie, ob er/sie flirtet: Unterschiede bei Mann & Frau
Flirt-Regeln gibt es keine! „Ein Mensch verliebt sich immer in einen ganzen Menschen. Drei magische Signale herauszufiltern, mit denen alle auf einen fliegen, widerspricht jeder Form von Menschlichkeit. Was es schon gibt, sind geschlechtsspezifische Unterschiede, die bereits in der Evolution von Nutzen waren – im Neandertal hat eine Frau mit Mann mehr Kinder durchgebracht, als eine ohne.“ Die Unterschiede:
„Die Körpersprache verleiht Worten ihre Bedeutung. Zudem ist sie viel ehrlicher als Worte und wird so auch seltener missverstanden.“
Stefan Verra, Körpersprache-Experte