Jungbrunnen

Spermidin: Was ist dran am Hype?

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Der Stoff Spermidin wurde von der Langlebigkeitsforschung als natürliches „Gegenmittel“ gegen den schleichenden Alterungsprozess entdeckt. Denn er wirkt nachweislich zellverjüngend und somit erhaltend. Wo er drinsteckt:
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Verjüngung und umfassende Vorteile für die allgemeine Gesundheit – diese Urkraft wird der Autophagie zugeschrieben. Der Prozess, der in den vergangenen Jahren zunehmend in den Fokus der wissenschaftlichen Forschung gerückt ist, vermag also sehr vieles. Doch wie funktioniert er?

Schlüssel Autophagie
Die Autophagie beschreibt einen Zustand, in dem die Körperzelle imstande ist, sich selbst zu verjüngen. Dies gelingt ihr, indem sie eigenständig zellulären Abfall verwertet und beschädigtes Zellmaterial so repariert. Damit dieser Effekt in Kraft treten kann, braucht es jedoch autophagiefördernde Maßnahmen: allem voran das Fasten. Durch Perioden ohne Nahrungszufuhr wird der Körper dazu gebracht, zugeführte Energie und durch den Stoffwechsel entstandene Abfallprodukte restlos zu verarbeiten – mit höchst positivem Effekt. Die Wissenschaft geht davon aus, dass dieses Zellverjüngungsprogramm vor einer ganzen Reihe von Erkrankungen schützen kann. Studien zufolge stärkt es die Herzfunktion, Knochen und Knorpel, Muskelfunktion sowie Immunabwehr und wirkt neurodegenerativen Erkrankungen, wie Demenz, entgegen. Damit kann die Autophagie unser Leben um Jahre verlängern. Zudem kann sich der „Fasten-Effekt“ äußerst positiv auf das Gewichtsmanagement auswirken und Übergewicht, das für eine Reihe schwerwiegender Zivilisationskrankheiten (Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, metabolisches Syndrom) verantwortlich ist, entgegenwirken: Wird die zugeführte Energie restlos verbraucht und schädlicher zellulärer „Müll“ verwertet, so läuft auch der Stoffwechsel rund.

Spermidin als Fasten-Alternative
Doch regelmäßiges Fasten ist nicht für alle Menschen praktikabel und die Durchführbarkeit stark von den Lebensumständen abhänging. Dazu kommt, dass Fastenperioden nicht für alle uneingeschränkt empfohlen sind: Zu Personengruppen, denen aus medizinischer Sicht vom Fasten abgeraten wird, zählen etwa jene im fortgeschrittenen Alter, Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen, Schwangere und Personen mit Untergewicht. Der individuelle Gesundheitszustand muss stets mitbedacht werden. Die gute Nachricht: Nicht nur das Fasten alleine kann die Autophagie samt ihrer zahlreichen Vorteile ankurbeln. Bestimmte Lebensmittel – und zwar solche, die den Stoff Spermidin enthalten – sind in der Lage, den Fasten-Effekt auszulösen. Das Polyamin vermag es ähnlich wie das Fasten, die Schranken auf Autophagie zu stellen und damit der Zellalterung entgegenzuwirken – und das trotz Kalorienzufuhr. Spermidin wird vom Körper selbst produziert und ist Bestandteil jeder Zelle. Die Produktion nimmt mit zunehmendem Lebensalter jedoch ab, was in der Folge auch die Fähigkeit zur Zellregeneration schwächt. Das Zuführen von Spermidin über die Nahrung oder Nahrungsergänzung kann diese Lücke schließen. Spermidin kommt in unterschiedlicher Konzentration in Nahrungsmitteln wie etwa Weizenkeimen, fermentierten Sojabohnen, Pilzen, Nüssen, aber auch Käse vor (s. Liste re.), wobei der tatsächliche Gehalt je nach Produkt, Verarbeitung und Lagerung stark schwankt. Wie viel Spermidin notwendig ist, um die Autophagie auszulösen, hängt von vielen Faktoren ab, etwa von Alter, Gesundheitszustand und Ernährungsgewohnheiten. Experten empfehlen: Je mehr, desto besser, und regelmäßig. Im Fokus sollte eine ausgewogene, mikronährstoffreiche und natürliche (unverarbeitete) Ernährung stehen, die im besten Fall einen hohen Spermidingehalt aufweist. Als Zusatz zur Ernährung gibt es mittlerweile auch Nahrungsergänzungsmittel aus Weizenkeimextrakt mit hohem Spermidingehalt.

Intervallfasten erklärt
Als besonders vorteilhaft gilt eine Kombination aus spermidinreicher Ernährung und Intervallfasten – die beiden Jungbrunnen können synergetisch wirken. Das in den vergangenen Jahren populär gewordene Prinzip des Intervallfastens legt den Fokus auf regelmäßige Essenspausen. Zumindest zwölf Stunden (besser 16) des Fastens braucht es, um die schützenden Prozesse der Autophagie in Gang zu bringen. Dies gelingt, indem festgesetzte Essensperioden eingehalten werden. Wie genau diese aussehen, kann entsprechend des eigenen Lebensstils moduliert werden: Wer nach dem Prinzip „16:8“ oder „20:4“ fastet, hält täglich eine Fastenperiode von 16 bzw. 20 Stunden ein. Andere wiederum präferieren das Prinzip „6:1“: Sechs Tage die Woche wird normal gegessen und an einem Tag wird streng gefastet. So ergibt sich eine regelmäßige, autophagieankurbelnde Pause. Meist wird so auch ein kalorisches Defizit herbeiführt, das den Gewichtsverlust bei Übergewicht bzw. ein gesundes Gewichtsmanagement fördert. Diese Rechnung funktioniert aber nur dann, wenn die Essensperioden nicht allzu üppig ausfallen. Wer zwar 16 Stunden oder mehr fastet, aber über die verbleibenden Stunden zu ungesunden und hochkalorischen Nahrungsmitteln greift, wird wenig profitieren. In Essphasen sollte auf möglichst vollwertige Ernährung geachtet werden. Reichlich Ballaststoffe und Nährstoffe aus Gemüse, Obst und komplexen Kohlenhydraten sowie hochwertiges Protein und moderate Mengen Fett sind empfehlenswert, dazu spermidinreiche Lebensmittel, um die Autophagie zu unterstützen.