Heftige Kritik

„Die Show sollte uns brechen“: Das dunkle Geheimnis hinter den Topmodel-Formaten

08.03.2026

Eine neue Netflix-Dokumentation über die Urform aller Model-Castings offenbart zwei Jahrzehnte nach dem Start von „America’s Next Top Model“ ein System aus psychischer Gewalt und kalkulierter Demütigung, das nun auch ein kritisches Licht auf Heidi Klums deutsches Erfolgsformat wirft. 

Zur Vollversion des Artikels
© Getty Images
Zur Vollversion des Artikels

Was heute als globales Imperium der Unterhaltungsindustrie gilt, nahm seinen Ursprung im Jahr 2003 mit Tyra Banks’ „America’s Next Top Model“ – jenem Format, das auch für Heidi Klums langlebige Erfolgsshow als Blaupause diente. Doch während die Glitzerwelt der Laufstege nach außen hin strahlt, wirft eine neue Netflix-Dokumentation nun ein erschütterndes Schlaglicht auf die Praktiken hinter den Kulissen einer Sendung, die offenbar weniger Karrieren fördern als vielmehr Persönlichkeiten brechen wollte.

Mehr lesen: 

Systematische Demütigung für die Quote

In der Dokumentation „Reality Check: Inside America’s Next Top Model“ kommen ehemalige Teilnehmerinnen zu Wort, deren Traumata auch zwei Jahrzehnte später noch tief sitzen. Die Vorwürfe wiegen schwer: Von einer oftmals bösartigen Jury gezielt herbeigeführte emotionale Zusammenbrüche gehörten ebenso zum Repertoire wie öffentliche Bloßstellungen. „Die Show sollte uns nicht helfen, sie sollte uns brechen“, bilanziert eine Betroffene die Atmosphäre des psychischen Drucks, der unter der Ägide von Tyra Banks zur Inszenierung von Einschaltquoten instrumentalisiert wurde.

Besonders schockierend sind Berichte über physische Grenzüberschreitungen und unterlassene Hilfeleistung. So wird ein blutiger medizinischer Eingriff an einer Kandidatin ebenso thematisiert wie der rücksichtslose Umgang mit sexuellen Übergriffen: Als die Finalistin Shandi Sullivan in einem Zustand verminderter Bewusstseinsfähigkeit im Bett überwältigt wurde, liefen die Kameras ungeniert weiter, ohne dass die Produktion einschritt.

Ein dunkler Schatten über dem deutschen Ableger

Die Enthüllungen aus den USA lassen sich nicht ohne Weiteres von der deutschen Ausgabe „Germany’s Next Topmodel“ (GNTM) trennen. Auch in Deutschland sieht sich Heidi Klum seit Jahren mit massiver Kritik konfrontiert. Ex-Kandidatinnen wie Nathalie Volk fanden drastische Worte und bezeichneten das Format gar als „Mobbing und Körperverletzung an jungen Frauen“.

Obwohl man sich beleidigende Kommentare über das Körpergewicht im Laufe der Zeit weitgehend abgewöhnt hat, bleiben umstrittene Elemente wie Nacktshootings, rücksichtslose Umstylings und das strikte Verbot von Beschwerden fester Bestandteil der Show-Dramaturgie. Wer jammert, hat bei Klum traditionell keine Zukunft.

Parallelen in der Unbeirrbarkeit

Trotz der nun dokumentierten Abgründe scheint bei den Verantwortlichen wenig Reflexion einzukehren. In einer bemerkenswerten Parallele zur Uneinsichtigkeit von Tyra Banks hält auch Heidi Klum an ihrem Konzept fest. Ihr bereits vor Jahren getätigtes Diktum gegenüber Kritikern behält wohl auch heute seine Gültigkeit: „Ich muss Sie leider enttäuschen: Wir machen genauso weiter wie bisher!“