Saison 2026/27
23 Premieren! Burgtheater liefert "großen, bunten Querschnitt"
27.04.2026Stefan Bachmann steht in seiner dritten Saison vor Herausforderungen eines noch ungewissen Sparkurses - Frank Castorf auf der "Strudlhofstiege", das Kyoto-Protokoll auf der Burg-Bühne
"Es sieht sehr gut aus." So beurteilt Burgtheaterdirektor Stefan Bachmann die laufende Saison, bei der man voraussichtlich die "magische Grenze" von 400.000 Zuschauern überschreiten wird. In der nächsten Saison werde man in der Lage sein, mit 23 Premieren "einen sehr großen Fächer aufzuspannen", freute er sich bei der Spielplanpräsentation am Montag. Deutlich düsterer blickt man in der Burg jedoch auf die laufenden Budgetverhandlungen und damit auf die Aussichten ab 2027/28.
- Wiener MQ schickt Kult-Möbel auf Österreich-Tour
- Grimme-Preis für "Wetten, dass..."-Erfinder Elstner
- Vienna Spanish Film Festival startet mit "Haus des Geldes"-Star Enrique Arce in Wien
- Wiederkehr: "Kultur-Kampf in der Schule ist inakzeptabel"
"Was zu hören ist, ist alles andere als beruhigend", sprach Bachmann gleich selbst den "Elefanten im Raum" an, nämlich die drohenden Einsparungen. Das Burgtheater sei angewiesen worden, "Szenarien zu rechnen, die eine starke Veränderung des Burgtheaters bedeuten würden. Ich habe aber noch keine konkrete Aussage darüber, wie es für uns weitergehen wird." Dass darunter auch mögliche Schließungen der Spielstätten Kasino und Vestibül (wo in Bachmanns dritter Saison vier bzw. drei Premieren angeboten werden) sind, konnte man sich ausrechnen, nachdem Bachmann und sein Chefdramaturg Thomas Jonigk mehrfach die Wichtigkeit dieser kleinen Räume für die Nachwuchsförderung betonten. Mehrfach können Regie-Assistierende hier in der kommenden Spielzeit ihre "Abschlussinszenierung" machen und sich damit am Markt bewerben.
"Wir haben definitiv wohl keine Erhöhung der Basisabgeltung zu erwarten."
"Wir haben unsere Hausaufgaben hervorragend gemacht. Wir arbeiten hier unglaublich effizient. Hier gibt es keinen Leerlauf. Das Controlling ist stark ausgeprägt. Mit der alten Burg, die ich als Regisseur ja auch noch kenne, hat sie nichts mehr zu tun", betonte der Direktor. Für tiefer gehende Einschnitte brauche es eine Änderung des gesetzlichen Auftrages. "Ich nehme meinen Auftrag ernst, der darin besteht, dieses Haus optimal zu planen. Meinen Auftrag werde ich so lange ausführen, bis man mir das Werkzeug aus der Hand nimmt." Auch Robert Beutler, der kaufmännische Geschäftsführer, betonte: "Die Politik wird zu entscheiden haben, welche Schritte sie setzt." Gleichzeitig wagte er zumindest eine Prognose: "Wir haben definitiv wohl keine Erhöhung der Basisabgeltung zu erwarten."
Die kommende Spielzeit kann durch Reserven finanziert werden. Das Burgtheater hat in seiner aktuellen Bilanz 15,8 Mio. Euro an Rücklagen ausgewiesen, innerhalb der Bundestheater würde durch kommunizierende Gefäße ein gewisser Ausgleich geschaffen, sagte Beutler, der aber auch darauf hinwies, dass alleine durch die jährlichen Gehaltsabschlüsse die Personalkosten weiter stiegen. Nach Staatsoper und Volksoper wurde also auch im Burgtheater deutlich, dass die Saison 2027/28 entweder frisches Geld oder gravierende Änderungen im Spielbetrieb bringen wird.
Je acht Premieren an Burg- und Akademietheater
Die Spielzeit 2026/27 bringt dagegen je acht Premieren an Burg- und Akademietheater und "einen großen, bunten Querschnitt durch die Theaterliteratur und das, was Theater im Moment zu leisten imstande ist", wie es Bachmann ausdrückte. Bachmann selbst inszeniert im großen Haus eine Kompilation aller drei "König Ubu"-Stücke von Alfred Jarry mit Joachim Meyerhoff und Stefanie Reinsperger als Kleinbürger-Paar, das ganz hoch emporkommt. "Am Ende wollen alle Sklaven sein. Wir sehen, wie sich Demokratie aus sich selbst zerlegen kann", sagte Bachmann. "Hoffentlich wird es trotzdem komisch."
Zu den Attraktionen im Burgtheater, das am 4. September mit der Wien-Premiere der bei den Salzburger Festspielen uraufgeführten Koproduktion "Unter Tieren" von Elfriede Jelinek die Saison eröffnet (mit der nun in Salzburg verantwortlichen Ex-Burgtheater-Chefin Karin Bergmann gibt es laut Bachmann noch keine Gespräche), zählen eine neue Zusammenarbeit der Musicbanda Franui mit Nicholas Ofczarek, die sich diesmal mit Operettenmelodien ins "Hotel Savoy" von Joseph Roth begeben, und eine Neusicht von Ersan Mondtag auf Dürrenmatts Klassiker "Die Physiker" mit einem neuen Epilog von Wilke Weermann. Fritzi Wartenberg inszeniert eine Antiken-Fortschreibung über weibliche Rache ("Furien" von Martina Clavadetscher) mit einem von Anna Manzano erarbeiteten Frauenchor mit Community-Spielerinnen.
Philipp Stölzl bringt die Deutschsprachige Erstaufführung eines Wellmade-Play über das Kyoto-Protokoll als Beitrag zur Klimadebatte - "für ein riesiges Ensemble, das wir ja zum Glück haben", so Bachmann, der neben Abgängen auch Neuzugänge (Sebastian Wendelin, Azaria Dowuona-Hammond, Lisbet Hampe und Enes Sahin) vermeldete. Als letzte Burg-Premiere begibt sich Frank Castorf am 13. Mai 2027 schließlich auf Doderers "Strudlhofstiege".
Theater als " Symbol für eine funktionierende Demokratie"
Im Akademietheater startet man am 5. September mit Antú Romero Nunes' Neuinszenierung von Tankred Dorsts "Merlin oder Das wüste Land" in die Saison, die hier u.a. Therese Willstedts Inszenierung von Ilse Aichingers Roman "Die größere Hoffnung" und Jan Bosses Sicht auf Stefan Zweigs "Ungeduld des Herzens" bringt. Um Rassismus und Klassismus geht es in "A good House" der südafrikanischen Autorin Amy Jephta (Regie: Thomas Jonigk), um eine Revolte von Frauen gegen fortdauernde Erniedrigung und Vergewaltigung in der Dramatisierung des Romans "Die Aussprache" von Miriam Toews.
"Ich glaube, dass das Theater mehr denn je eine gesellschaftsstärkende und konstituierende Wirkung hat, es ist ein Symbol für eine funktionierende Demokratie", hob Stefan Bachmann hervor. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass man die Institution Burgtheater nachhaltig beschädigen wird."