Christoph Wiederkehr will seinen Bildungsplan auch gegen allerlei Widerstände durchzusetzen - wichtig ist ihm, dass Zuwandererkinder gut Deutsch lernen.
Wiederkehr hat vergangene Woche seinen "Plan Z" veröffentlicht - im oe24-Talk mit Sabrina Fröhlich erklärt, wie er Dinge wie die sechsjährige Volksschule gegen Widerstände vor allem der ÖVP durchsetzen will.
Das ist das Interview mit Minister Wiederkehr
oe24: Sie haben sich vorgenommen, die Schule zu modernisieren, zu entrümpeln, vielleicht manches besser zu machen, mit neuen Ideen aufzuwarten. Was sind die wichtigsten Punkte Ihres "Plans Z"?
Christoph Wiederkehr: Es ist einerseits Vision, wo sich unser Bildungssystem hin entwickeln soll, und auch ein klarer Umsetzungspfad mit einem klaren Ziel, dass die Schule, die nächste Generation, die Kinder und Jugendlichen gut auf das Leben vorbereitet, weil es darum geht, ein selbstbestimmtes, ein glückliches Leben führen zu können. Und dafür muss die Schule die Kompetenzen mitgeben.
oe24: Warum konkret planen Sie eine sechsjährige Volksschule?
Wiederkehr: Wir sehen in vielen Ländern Europas, dass das ein übliches Modell ist, wo die Kinder auch länger gemeinsam lernen können. Das hat viele Vorteile, insbesondere, dass die Drucksituation in der 4. Klasse weg wäre. Jetzt ist das so: Geht man in die Mittelschule oder ins Gymnasium, alle sind im Ausnahmezustand, Eltern, Lehrer, die Kinder auch schon. Wir wissen, dass es für die Entwicklung der Kinder in dem Alter gut wäre, noch länger im gleichen Klassenverband zu sein. Wenn man zwei Jahre längere Volksschule macht, ist natürlich klar, dass dann schon Inhalte auch des Gymnasiums oder der Mittelschule in diesen zwei Jahren vermittelt werden, um so die Kinder wirklich gut zu begleiten und die Lernerfolge zu verbessern.
oe24: blicken wir ein bisschen mehr auf die Mittelschulen. Es geht um die mittlere Reife. Sie greifen diese Idee auf, warum?
Wiederkehr: Wir haben aktuell zu viele Jugendliche, die die Schule verlassen nach neun Jahren - die aber beispielsweise nicht sinnerfassend lesen können. Das ist eine Katastrophe. Du bekommst keinen Job. Du wirst nur schwer in der Gesellschaft teilhaben können. Wir müssen garantieren, dass alle Jugendlichen, die die Schule verlassen, die Grundkompetenzen beherrschen, also Lesen, Schreiben und Rechnen. Eine mittlere Reife stellt das sicher mit einem zentralen Test, bevor man die Schulpflicht absolviert hat. Ansonsten muss man länger zur Schule gehen, bis man diese Mindeststandards erreicht.
oe24: Es gibt in den Schulen immer mehr Integrationsprobleme, es kommen neue Kulturen in die Klassenzimmer, Kinder kippen plötzlich während des Ramadans unterzuckert um. Was also tun?
Wiederkehr: Meine Erwartung und auch die Erwartung der Gesellschaft ist, dass Menschen, die zu uns kommen, sich auch an die gemeinsamen Werte anpassen und diese gemeinsamen Werte leben. Wir erleben allerdings in der Schule, dass kulturelle Konflikte in den letzten Jahren zugenommen haben. Das ist inakzeptabel. Und auch, dass es mehr Kinder gibt, die die deutsche Sprache nicht können. Deutsch ist aber für mich nicht optional, sondern Deutsch ist Pflicht. Alle Kinder müssen in der Schule gut die Sprache lernen, denn ohne Deutsch kann man an der Gesellschaft nicht gut teilnehmen. In dem einen Jahr, in dem ich verantwortlich bin, haben wir die Sprachförderung professionalisiert, die Elternarbeit verstärkt, nämlich, dass auch Eltern verpflichtet sind, einen Beitrag zu leisten.
oe24: Wie sieht das aus?
Wiederkehr: Ohne Eltern geht es nicht. Und wenn die Eltern sich nicht beteiligen, werden sie in Zukunft eine Verwaltungsstrafe bekommen, weil wir damit zeigen als Gesellschaft, Eltern haben eine Verantwortung im Bildungserfolg der Kinder. Und sie müssen mit den Lehrkräften reden, wenn es Probleme gibt. Denn Probleme kann man nur gemeinsam lösen.