Glänzender Start
Neujahrskonzert lieferte viel Schwung und Friedensbotschaft
01.01.2026Yannick Nézet-Séguin gab ein glänzendes Debüt als Dirigent des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker - Erstmals mit zwei Komponistinnen - Viel Jubel im Goldenen Saal des Musikvereins
"It's a match!" Dieses Urteil lässt sich nach dem ersten von Yannick Nézet-Séguin dirigierten Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker problemlos fällen. Auch ohne KI-unterstützte Partnerwahl hat das Orchester mit dem 50-jährigen Frankokanadier einen idealen Dirigenten für das wohl berühmteste Konzert der Welt gefunden. Es war ein umjubeltes Ereignis, das aus dem Goldenen Saal des Musikvereins vor allem viel Schwung in alle Welt hinaus transportierte.
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Die Sicherheitsvorkehrungen waren am Neujahrstag des Jahres 2026 so umfassend wie nie zuvor - und auch erfolgreich: Das Konzert wurde von keinerlei Protesten beeinträchtigt. Ob die Friedensbotschaft, die der Dirigent dem Publikum am Ende mitgab, jedoch adäquat mit dem abschließenden Radetzkymarsch unterstrichen wurde, ist zu bezweifeln. Der Marsch ist seit langem wegen seines Namensträgers, der sich auch durch brutale Unterdrückung von Freiheitsbewegungen hervorgetan hat, umstritten. In seiner Ansprache hätte Nézet-Séguin also problemlos auf diese Bedenken hinweisen und auf den Traditionsschluss verzichten können - zumal er das Publikum in der zweiten Zugabe ohnedies in einem vollendet musizierten Donauwalzer, der in der Regierungsloge auch Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) zum Mitwippen brachte, schwelgen ließ. Doch Nézet-Séguin schien gerade beim Radetzkymarsch ganz in seinem Element, dirigierte das rhythmische Klatschen des Publikums von den unterschiedlichsten Stellen des Saales aus und strahlte übers ganze Gesicht.
Der Dirigent als Animator
Kein Zweifel, der Musikdirektor der New Yorker Met ist auch ein Showman, und mehr als einmal ließ er die Wiener Philharmoniker einfach ihre Arbeit tun und beschränkte sich auf eine Mischung aus Aufmunterer, Animator und Gute Laune-Verbreiter. Die kam an diesem ersten Tag eines Jahres, das den meisten Menschen aus vielen unterschiedlichen Gründen die Sorgenfalten auf die Stirn zeichnet, jedenfalls nicht zu kurz. Man konnte auch sagen: Die demonstrative Fröhlichkeit, die schon mit dem ersten Stück, der Ouvertüre zur Strauss-Operette "Indigo und die vierzig Räuber" angeschlagen wurde, schien mitunter überbetont. Immerhin zeigten die Philharmoniker, die gleich mehrmals auch ihre Stimmen einsetzen durften, einmal mehr eindrucksvoll, dass sie Walzer und Polkas so sehr im Blut haben, dass sie völlig problemlos in die "goldenen" Zeiten von einst zurückzaubern können.
Dass diese Zeiten keineswegs so friedlich und fröhlich waren, sondern die Musik auch dazu da war, aus Not und Schrecken eine "fröhliche Apokalypse" zu machen, weiß man nicht erst seit Philipp Thers 2025 erschienener großen Untersuchung "Der Klang der Monarchie". Auch der "Friedenspalmen"-Walzer, mit dem das reguläre Programm schloss, wurde von Josef Strauß unter prekären Bedingungen, nämlich nach dem für Österreich-Ungarn erniedrigenden Frieden mit Preußen nach der Niederlage von Königgrätz 1866, geschrieben. Palmen hatten die Wiener Stadtgärten zwar nicht im Goldenen Saal aufgestellt, doch der Blumenschmuck war wie gewohnt üppig und bezaubernd. Und Yannick Nézet-Séguin betonte in seiner kurzen, dreisprachigen Neujahrsansprache, der auch der Bundespräsident und der Bundeskanzler lauschten, die Notwendigkeit des Friedens - in den Herzen jedes Einzelnen, zwischen den Menschen und zwischen den Ländern: "Musik kann uns alle einen, denn wir leben alle auf demselben Planeten."
Erstmals zwei Komponistinnen im Programm
Das gilt auch für den weiblichen Teil der Bevölkerung. Erstmals wurden bei diesem Klassikevent der Superklasse Werke von zwei Komponistinnen gespielt. Dass beide Werke erst von einem Mann, nämlich von Wolfgang Dörner, für großes Orchester instrumentiert werden mussten, weil von Josephine Weinlichs "Sirenen-Liedern" nur die Klavierfassung erhalten blieb, und der "Rainbow Waltz" der US-Amerikanerin Florence Price, für deren Werk sich Nézet-Séguin eingesetzt hat wie kein anderer, eigentlich nur ein dreiminütiges Klavierstück ist, zeigt, wie viel Arbeit in Zukunft noch zu leisten ist. Dass Yannick Nézet-Séguin daran mitarbeiten wird, daran scheint es nach diesem glänzenden Debüt als Neujahrskonzertdirigent keinen Zweifel zu geben. Am Ende des "Kopenhagener Eisenbahn-Dampf-Galopps" von Hans Christian Lumbye schwang der Dirigent lachend eine rote Signal-Kelle. Von den Philharmonikern dürfte er jedoch eher Grünes Licht für kommende gemeinsame Aufgaben erhalten.
2027 dirigiert dann der Russe Tugan Sokhiev, der 2025 ja schon die Philharmoniker beim Sommernachtskonzert leitete, das Neujahrskonzert.