In der ZiB2

Armin Wolf gibt zu: ORF kann sich ESC nicht leisten

11.05.2026

Der 70. Eurovision Song Contest ist auch eine internationale Bühne für den Wirtschaftsstandort Österreich, insbesondere für den heimischen Tourismus. 

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Der Song Contest sorgt in den Wiener Tourismusbetrieben für klingende Kassen, aber auch für eine Verschiebung innerhalb der Kategorien. Von der Ausrichtung des 70. Eurovision Song Contest profitiert die ganze Stadt. Seit dem Wochenende ist Wien im totalen ESC-Ausnahmezustand. Im Vorfeld des Mega-Events ging man beim Tourismusverband davon aus, dass die Auslastung der Stadt bei etwa 70 Prozent liegen werde. Jedoch: Ein Mai-Wochenende mit Feiertag ist laut Branche auch sonst sehr gut gebucht. 

Die internationale Sichtbarkeit wird jedenfalls auch als außergewöhnliche Chance für den Tourismus gewertet. Die Gewinner seien vor allem die günstigeren Unterkünfte. Felix Neutatz, Hotellerie-Obmann der Wiener Wirtschaftskammer, meint, dass vor allem das junge Publikum dafür verantwortlich ist. Die Vier- oder Fünf-Sterne-Häuser, die an einem verlängerten Maiwochenende wohl besonders gut ausgelastet wären, würden hingegen sogar Rückgänge registrieren. "Der Song Contest schreckt auch ab", konstatiert er. 

Auch der Wien Tourismus hat im Vorfeld der Contest-Woche festgehalten, dass die aktuelle Entwicklung Spielraum für kurzfristige Buchungen lasse. "Mit über 42.000 Zimmern in 450 Hotels aller Kategorien findet jede und jeder, die bzw. der Teil der Eurovision-Song-Contest-Erlebnisse in Wien sein möchte, eine passende Unterkunft", zeigte sich Wien-Tourismus-Chef Norbert Kettner überzeugt.

Zehetner erwartet Millionenregen

Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner bezifferte im Vorfeld den "Nachfrageimpuls" mit rund 57 Mio. Euro - 21 Millionen davon entfielen auf direkte Ausgaben von Gästen, etwa für Unterkunft, Gastronomie und Mobilität. Weitere 36 Mio. Euro entstünden durch Investitionen rund um die Veranstaltung. Zudem könnten durch den Song Contest rund 550 Arbeitsplätze (Vollzeitäquivalente) geschaffen werden.

Wien-Tourismus-Chef Norbert Kettner war am Montag zum Start in die ESC-Woche in der ZiB2 bei Armin Wolf zu Gast. Als größte Herausforderung in der Vorbereitung war die erhöhte Sicherheitswarnstufe. Er ist sich sicher: "Wir haben ein gutes Konzept." Auf die Frage, ob man aufgrund der Lage nervös sei, kam er kurz ins Stocken. "Kein Groß-Event auf der ganzen Welt kann ohne dieses Sicherheitslevel über die Bühne gehen." Allerdings sei er nicht nervös deshalb. 

Gute Auslastung

Aufgrund des Antretens von Israel boykottierten mehrere Länder heuer den ESC. Obwohl Spanien und die Niederlande nicht da sind, hält er allerdings fest, dass diese Nationen dennoch derzeit nach Österreich strömen und sogar in den Top-10-Nationen liegen. Er spricht sogar derzeit von einer sehr guten Bettenauslastung in der Stadt. Dennoch hält er fest: "Wir haben immer gewarnt vor einer Goldgräberstimmung". Damit bezieht er sich darauf, dass manche Gastgeber mit überhöhten Preisen versucht haben, abzukassieren.

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Kettners Meinung nach wird Wien von der Austragung des ESC profitieren. Angst, dass Österreich den Vorjahressieg wiederholen könnte, will er allerdings aus Kostengründen nicht ausschließen, dass man dann Innsbruck die Bühne für das Event überlassen könnte. Wolf hingegen gab offen zu: "Der ORF könnte sich eine erneute Ausrichtung derzeit nicht leisten", was zumindest beidseitig für Lacher sorgte.  

Österreich glänzt im "internationalen Schaufenster"

"Österreich ist nicht nur Kulisse, sondern wir wollen es als Erlebnis zeigen", strich ÖW-Chefin Astrid Steharnig-Staudinger hervor. "Wir stellen Österreichs kulturelles Erbe international ins Schaufenster", so die Geschäftsführerin. "Wir haben hier wirklich die Möglichkeit, Österreich international zu positionieren."

"Das wird eine außergewöhnliche Woche - mit dem Ziel, das Maximum herauszuholen", bekräftigte Zehetner unter Verweis auf 2,1 Milliarden Social-Media-Kontakte und weltweit rund 160 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer. "Das wäre unbezahlbar, das ist eine Chance und wir freuen uns darauf." Die größte Musikshow der Welt wird als Visitenkarte für Österreich genutzt. 

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