Fassung verloren

Emotionaler Lugner-Prozess: Schrei-Duell zwischen Jacqueline und Simones Anwalt

20.03.2026

Im Gerichtssaal gingen die Wogen hoch. Für ein paar Sekunden verloren Jacqueline Lugner und die Anwälte die Fassung. Die Richterin musste eingreifen.

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© Fuhrich
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Der jüngste Prozesstag im Rechtsstreit zwischen der Lugner Privatstiftung und der Witwe Simone Lugner markiert einen vorläufigen Höhepunkt an zwischenmenschlicher Bitterkeit. Was als sachliche Verhandlung über eine Räumungsklage und ein Wohnrecht begann, entfesselte sich im Wiener Justizpalast zu einem hochemotionalen Schlagabtausch, der tiefe Einblicke in die Risse innerhalb des Lugner-Clans gewährte.

Das Protokoll des Zorns: „Es steht im Vertrag“

Ein Moment der besonderen Intensität ereignete sich, als Simones Rechtsbeistand, Dr. Florian Höllwarth, die Zeugin Jacqueline Lugner direkt mit der Frage nach ihrer eigenen Rolle konfrontierte. Auf den Vorhalt, warum sie sich als Tochter nicht selbst in höherem Maße um das Wohlbefinden ihres Vaters gekümmert habe, wenn die Sorge doch so groß gewesen sei, reagierte Jacqueline mit scharf. „Die Ehefrau hat sich darum zu kümmern, das steht im Vertrag!“, entgegnete sie lautstark im Zeugenstand.

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Dieser Ausbruch führte zu einem kurzen verbalen Intermezzo zwischen dem Anwalt und der Tochter des Verstorbenen, das erst durch das energische Eingreifen der vorsitzenden Richterin beendet werden konnte. Die Richterin mahnte zur Sachlichkeit und wies darauf hin, dass die Frage der persönlichen Pflegeleistung für die rein juristische Klärung des Wohnrechts letztlich irrelevant sei.

Die Anatomie einer „Scheinehe“?

Jacqueline Lugners Aussage blieb jedoch auch abseits dieses Ausbruchs brisant. Sie rückte das Bild einer rein zweckgebundenen Verbindung in das Zentrum ihrer Schilderungen. Laut ihrer Aussage sei die Ehe mit Simone Lugner auf Basis eines klaren „Ehepakts“ geschlossen worden. Richard Lugner habe demnach gezielt nach einer Partnerin gesucht, die ihm im Alter die notwendige Pflege zusichere – ein Kriterium, an dem zuvor zwei andere potenzielle Kandidatinnen gescheitert seien, da diese ihm eben jene Garantien verweigert hätten.

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Die Tochter des „Baulöwen“ sparte nicht mit schweren Vorwürfen: Sie sprach offen von einer Scheinehe. Besonders bemerkenswert war dabei eine detaillierte Behauptung über das Intimleben in der Villa. Jacqueline gab zu Protokoll, dass – im Gegensatz zu allen früheren Ehefrauen ihres Vaters – Simone Lugner niemals das Bett mit Richard geteilt habe.

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Kein Urteil in Sicht

Trotz der emotionalen Entladungen und der dichten Beweisaufnahme endete der heutige Tag ohne eine finale Entscheidung. Das Gericht muss nun die Trümmer dieser familiären Auseinandersetzung sortieren und bewerten, inwieweit die moralischen Vorwürfe der Stiftung die rechtliche Basis für eine Räumung der Villa bieten können.

Eines hat dieser Prozesstag jedoch bereits klargestellt: In diesem Verfahren geht es längst nicht mehr nur um Paragrafen und Wohnrechte, sondern um die Deutungshoheit über das letzte Kapitel im Leben des Richard Lugner.