Interview

Melissa Naschenweng im Interview: "Als Frau ist es schwerer"

04.04.2026

In ihrer ersten Film-Hauptrolle zeigt sich Melissa Naschenweng von ihrer anderen Seite – in der Latzhose auf der Alm. Der Talk über die TV-Romanze und ihre eigenen Zweifel.

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© ORF/JewelLabs Pictures/ Graf Film/[M] Landsiedl [F] Weilguny
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Die Bühne liebt die junge Schlagersängerin Melanie (Melissa Naschenweng), aber das Drumherum macht ihr zu schaffen und sie zweifelt: Ist das wirklich das Leben, das sie führen will? Als sie auch noch von ihrem Freund Marc (Michael Steinocher) betrogen wird und ihre Oma Hilfe braucht, flieht Melanie nach Kärnten und kümmert sich um die Alm. Langsam findet sie zurück zu sich – und vielleicht auch zu dem feschen Nationalpark-Ranger Ben (Ferdinand Seebacher).

ORF-Premiere am Karsamstag

In „Herzklang – Zurück zu mir“ (4. April, 20.15 Uhr, ORF 1) spielt Schlagerstar Melissa Naschenweng (35) ihre erste Film-Hauptrolle, in die viele ihrer eigenen Erfahrungen eingeflossen sind. In MADONNA spricht sie über Zweifel am Anfang ihrer Karriere, erzählt, wie sie mit Druck umgeht und von ihren Erfahrungen als Frau im Musikgeschäft.

Wie kam der Film zu Ihnen? Wie ist die Idee entstanden?
Melissa Naschenweng:
Ich habe in dem Kinofilm von Pizzera & Jaus schon eine kleine Rolle gespielt. Es kam dann jemand auf mich zu und schlug vor, etwas Eigenes zu machen. Ich dachte mir: „Reden wir mal.“ Meine Geschichte wurde zum Thema – wie das halt so ist, wie Musikerinnen sich entwickeln, wie hart das Geschäft ist. Ehrlich gesagt finde ich, als Frau ist es noch ein bisschen schwerer. Als ich das Drehbuch zum ersten Mal gelesen habe, dachte ich mir: „Wow, und das soll ich jetzt alles spielen?“ Dann kam das Casting für die Rollen und das war ein Wahnsinn. Da stehen ein Ferdinand Seebacher, ein Michael Steinocher vor mir und ich denke mir: „Was habe ich schon wieder für ein Glück?“ Ein perfekter Cast, ein perfektes Jahr letztes Jahr mit ihnen!

Wie konnten Sie sich in das Drehbuch einbringen?
Naschenweng:
Sie haben sich sehr viel Zeit genommen, mit mir zu reden. Was ist mir wichtig? Wie könnte man es machen? Wir haben lange diskutiert, ob meine Figur Melissa oder Melanie heißt. Wir haben uns für Melanie entschieden, weil ein paar Dinge wie die Familiengeschichte nicht stimmen. Mir war wichtig, diesen Spagat, den Kritiker mir oft vorwerfen, zu zeigen: Dass es nicht möglich ist, dass ein Bergbauernmadl daheim Schafe melkt und gleichzeitig als Glitzer-Queen auf der Bühne steht. Warum schließt das eine das andere aus? Der Film war eine Möglichkeit zu zeigen, dass ich so bin. Die natürliche Seite sieht keiner, weil die Leute nicht bei mir daheim sind. Sie sehen mich auf der Bühne.

Sie zeigen die Zweifel einer Künstlerin am Anfang ihrer Karriere. Wie haben Sie das erlebt?
Naschenweng:
Das ist sehr autobiografisch. Diese Freude an der Musik war da, aber auch diese Zweifel: Will ich das überhaupt? Halte ich dem Druck stand? Wie gehe ich mit Kommentaren um? Es wird immer mehr gefordert, man muss mehr liefern. Man ist teilweise abhängig. Melanie ist in dem Film auch abhängig von ihrem Ex-Freund Marc. Es ist schlimm, wenn man sich verbiegen muss. Das war bei mir am Anfang auch so. Mein Papa hat viele Momente mit mir erlebt, in denen ich gesagt habe: „Ziehharmonikakoffer zu, es interessiert mich nicht mehr.“ Die Freude an der Musik ist da, aber das Drumherum muss man erst mal heben.

© ORF/Stadtmarketing Villach/Marta Gillner

Es ist sicher fordernd, das Leben in diesen beiden Welten zu verarbeiten und einzuordnen...
Naschenweng:
Ich bin auf der Alm aufgewachsen. Im Lesachtal, 33 Einwohner. Auf einmal steht man auf der Bühne und wird nicht nur bewundert, sondern auch kritisiert. Man denkt sich: „Hey, ich wollte den Leuten mit meiner Musik nur eine Freude machen.“ Plötzlich arten Diskussionen aus und das wird nicht weniger. Am Anfang nimmt dich fast keiner wahr und du wirst belächelt, nach dem Motto: „Jetzt kommt wieder so ein Sternchen daher.“ Das ist bei einer Frau anders als bei einem Mann. Eine Frau wird nicht auf die Musik reduziert, das Aussehen spielt immer eine Rolle. Es ist ein anderer Weg als der eines Mannes. Aber es ist trotzdem ein schöner Weg, vor allem wenn er sich auszahlt.

Bei einer Frau hat jeder zu allem, was man sagt, tut, anzieht oder nicht anzieht, eine Meinung. Wie gehen Sie damit um?
Naschenweng:
Es muss einem wurscht werden. Man kann gegen das Internet sowieso nicht gewinnen. Es gibt viele Menschen, die sich hinter Profilen verstecken und drauf los kritisieren. Vielleicht sind das auch Frauen, die sich gerne so anziehen würden, sich aber nicht trauen. Man weiß nie, wer da dahintersteckt, welche Seele da drinnen ist. Ich habe das gelernt und es ist mir zu 80 Prozent egal. Man muss sich selber spüren.

Was unterscheidet Melanie von Ihnen?
Naschenweng:
Sie ist ein bisschen unsicherer als ich. Ihr fehlen Erfahrung und meine Erfolgserlebnisse. Sie weiß noch nicht, wie es ist, nicht abhängig zu sein.

Konnten Sie Ihre Erfahrungen als Musikerin einfließen lassen?
Naschenweng:
Ja – dass man eine Sache fertig macht, die man anfängt und man diszipliniert ist, dass man an einem bestimmten Tag funktioniert. Da gibt es keine Ausreden. Es gibt ein Team. Das ist so ähnlich, wie wenn ich mit Band spiele. Da sind auch 20 Leute unterwegs. Wenn ich nicht funktioniere, funktioniert der Laden nicht. Das hätte ich wahrscheinlich vor ein paar Jahren noch nicht erspielt. Wenn du weißt, du musst das machen, du darfst dir nichts erlauben, kriegst du Druck. Wenn man den hat, wird man entweder krank oder man verkrampft.

Wie gehen Sie mit Druck um?
Naschenweng:
Meinen Papa anzurufen ist ganz wichtig! Das Heimfahren und das normale Leben – ich brauche das wie die Luft zum Atmen. Ich bespreche meinen Druck immer wieder mit meinem Papa oder meinem besten Freund Sebastian, der mein Produzent und mein musikalischer Leiter ist. Das Erfolgsgeheimnis – und das haben ganz viele Sportler vorgemacht – ist das Loslassen.

Was konnten Sie durch die Dreharbeiten lernen?

Naschenweng: Das genaue Arbeiten. Ich war schon immer eine Freestylerin. In der Schule habe ich immer irgendwie improvisiert. Das geht aber beim Film nicht. Da muss man genauer sein, detaillierter sein. Ich glaube, dass das auch gut für meine Karriere ist. Ich bin für mein Gefühl zu Freestyle. Schauen wir mal, ob ich mich verändere.  

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