Niederösterreich

Das Doppelleben von Alois H.

19.09.2013

Alois H. lebte ein irres Doppelleben. Und plante schon vor Jahren seinen Tod im Bunker.

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Stück für Stück graben sich die Ermittler jetzt durch das Waffenarsenal von Alois H. Versuchen die 250 Gewehre zu sichten, überprüfen Seriennummern, vergleichen. „Es wird Wochen dauern“, so Johann Baumschlager von der Polizei. Doch der Killer von Großpriel hat hier mehr gehortet, als nur Waffen und Trophäen. Dieser Bunker spiegelt ein irres Doppelleben. Ein Leben, das ihm Macht verlieh und jenes Selbstbewusstsein gab, das ihm seit dem Krebs-Tod seiner Frau so sehr fehlte.

Leben 1: Der Witwer trauert um Ehefrau

Tägliche Gebete. Alles beginnt, als seine Ehefrau vor 18 Jahren qualvoll an Krebs verstirbt. Huber fühlt sich ohnmächtig - auch gegenüber dem Gesundheitssystem. So sehr, dass selbst die tödlichen Schüsse auf das Rettungsauto eine Folge gewesen sein könnte. Er will den Tod seiner Frau betrauern, baut eine Kapelle, in der er täglich betet. „Er wollte sie noch bei sich haben, sogar ihr Schmuck lag immer griffbereit da“, erzählt eine Nachbarin. Sie habe das berührend gefunden, diesen trauernden Witwer.

Leben 2: Er hilft als Unternehmer

Doch aus seiner Trauer entsteht ein teuflischer Plan. Er will wieder Herr über das Leben sein und seine Jäger-Leidenschaft eröffnet ihm dabei Möglichkeiten, die er clever nutzen kann. Er stiehlt Pkw-Kennzeichen - so narrt er jahrelang die Polizei, er wildert wie ein Profi, hinterlässt keine Spuren, hortet Trophäen und Gewehre in seinem geheimen Bunker. Offiziell ist er ein guter Jagdkollege, hilft auch als Transportunternehmer gerne aus. Die Folge: sein Selbstbewusstsein wächst. Und parallel dazu seine Beute im Bunker, der immer voller wird und zu seinem Zentrum.

Leben 3: Das Wildern verleiht ihm Macht

„Dieser Bunker ist mein Platz zum Sterben“, soll er vor Jahren gesagt haben. Das war sein Plan und er setzte ihn um. Dass er davor noch vier Menschen töten musste, war ihm wohl egal.

Polizisten hatten keine Chance

Nun wird klar, wie der Einsatz lief. Fazit: Der Killer überraschte die Polizei, nicht umgekehrt. Vier Menschen starben bei dem Einsatz in der Nacht auf Dienstag. Doch nun wird langsam klar, dass die Polizei gegen den Killer wenig Chance hatte. „Zwei der Kollegen wurden extrem hinterhältig von dem Täter erschossen“, schildert Oberst Franz Polzer (LKA-NÖ). Und sogar die Spezialeinheit Cobra wurde von dem Wilderer überrascht. „Sie waren zu viert im Auto, als der Mann, der mit seinem Auto heranfuhr, wirklich unvermutet das Feuer eröffnete. Die Reaktion der Männer: Sie sprangen aus dem Auto und haben Dauerfeuer geschossen“, so ein Ermittlungs-Insider. Der Täter schoss mit seinem Maschinengewehr aus dem Auto weiter, ein Beamter wurde tödlich am Körper getroffen. Er trug keine Schutzweste

Polzer: "Er hat Polizisten wie Tiere abgeschossen"

ÖSTERREICH: Herr Polzer, was ist in der Tatnacht genau passiert?
Franz Polzer: Das wird jetzt rekonstruiert. Vier Menschen mussten sterben und wir konzentrieren uns jetzt auf die Aufklärung.

ÖSTERREICH: Wie wird rekonstruiert?
Polzer: Wir sichten die Beschädigungen an den Fahrzeugen, wir wissen, dass er mindestens zwei Waffen und Munitionen verwendet hat. Er ist mit so viel Munition ausgerückt, man muss annehmen, dass er den Tag einer Polizei-Kontrolle kalkuliert hat.

ÖSTERREICH: Warum hatte man ihn erst jetzt im Visier?
Polzer: Wir hatten ihn schon jahrelang im Visier, aber wir wussten nicht, wer er war – er hatte ja immer gestohlene Kennzeichen. Jetzt, in der Hirschbrunftzeit, haben wir wieder Beobachtungen gemacht und waren auf der Suche nach einem dunklen Pick-Up. Bei der Kontrolle wollten wir die Fahrzeugdaten eruieren, doch als der Mann die Polizei sah, schoss er los.

ÖSTERREICH: Wurden beim Einsatz Fehler gemacht?
Polzer: Nein, es wurden keine Fehler gemacht, es war ein professioneller Einsatz. Dieser Mann wollte Polizisten abschießen wie Tiere. Das hat er gemacht.

Schönborn hält Messe für Opfer

„Alle in der Gemeinde sind betroffen. Er war ein Polizist, wie man sich es vorstellt: Pflichtbewusst und menschlich. Wir sind fassungslos“, so Randeggs Bürgermeisterin Claudia Fuchsluger über Johann Ecker (51). Der Streifenpolizist starb wie seine Kollegen Manfred Daurer (44) und Roman Baumgartner (38) sowie Sanitäter Johann Dorfwirth (70) im Kugelhagel von Alois H.. Schwarze Flaggen dominieren jetzt das Ortsbild in ihren Heimatgemeinde Randegg, Gaming, Gresten und Scheibbs. Vier Familien sind plötzlich zerschlagen, sechs Kinder ohne Väter. Gottesdienst für Opfer. Heute wird in Annaberg, wo das Massaker passierte, der vier Toten gedacht.

Die Messe ist ausschließlich für die Angehörigen. Nächste Woche werden die Opfer jeweils in ihrem Heimatgemeinden begraben. Am 1. Oktober hält Kardinal Christoph Schörnborn auf Initiative von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) einen Trauergottesdienst im Stephansdom. Die Staatsspitze und alle Blaulichtorganisationen sollen anwesend sein. Die Hilfe für die Hinterbliebenen läuft auf Hochtouren: Psychologen kümmern sich um sie, die Hinterbliebenen der Beamten erhalten je 109.000 Euro Entschädigung. Parallel dazu sammelt die Polizei für die Familien. „Geld kann nie ersetzen, was sie verloren haben. Wir lassen sie nicht im Stich“, heißt es von der Polizei.



 
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