Prozess in Wien
Nach Nazi-Auszucker mit Jagdmesser zugestochen
21.05.2026Der Angeklagte soll das jüdische Opfer antisemitisch beleidigt, Hitler verherrlicht haben und dann mit einem Jagdmesser auf seinen Widersacher eingestochen haben. Neben einer Haftstrafe wird die Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum gefordert.
Wien. Der zweite Prozesstag am Landesgericht um eine Messerattacke in einer betreuten Wohneinrichtung für Suchtkranke im November 2025 hat am Donnerstag eine überraschende Wende mit sich gebracht. Seit Verfahrensbeginn im März ist ein psychiatrisches Gutachten über den 42-jährigen Angeklagten eingeholt worden. Das Ergebnis: Er sei zwar zurechnungsfähig, habe aber eine "kombinierte Persönlichkeitsstörung". Von ihm gehe Gefahr für schwere bis tödliche Gewalt aus. Damit ist Voraussetzungen für eine Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum erfüllt, erläuterte die Staatsanwältin. Diese beantrage sie auch im Falle eines Schuldspruchs.
- Nach Streit mit Mutter: Sohn (44) drohte mit Maschinenpistole
- 9-Jähriger stürzte aus Küchenfenster vier Stockwerke in die Tiefe
- Sekretärin erschossen - Killer über Facebook kennengelernt
Demnach war ein gemeinsamer Umtrunk der beiden Männer in einen Streit ausgeartet. Der Beschuldigte soll sodann zum 13,4 Zentimeter langen Messer gegriffen und dem Opfer einen heftigen Stich in den Bauch versetzt haben. Die Wucht des Stiches stieß den Mitbewohner zu Boden. Der Angeklagte soll sich danach über diesen gebeugt haben und das - noch im Bauch steckende - Messer nochmals tiefer in den Körper des Mitbewohners gestoßen haben. Das Opfer überlebte knapp. Dem Angeklagten drohen bei einem Schuldspruch wegen versuchten Mordes zehn bis zwanzig Jahre oder lebenslange Haft.
Für eine zweite - noch größere - Überraschung sorgte die Befragung des Opfers. Die rückte die Auseinandersetzung bzw. den Grund dafpür der beiden in den Fokus. Der 54-Jährige erzählte, dass der Angeklagte in dem Gespräch Adolf Hitler verherrlicht habe. Ins Treffen geführt wurden demnach altgediente rechtsextreme Mythen wie der angepriesene Autobahnbau des Diktators. Die Aussagen sollen aber bis zur Holocaustverharmlosung gereicht haben. Als der 54-Jährige dem Mitbewohner offenbarte, dass er Jude sei und acht Menschen in Auschwitz verloren habe, soll der Angeklagte ihn als "schwule Judensau" beleidigt haben.
Das spätere Opfer wollte sich daraufhin zurückziehen, warf dem ebenfalls Angetrunkenen aber noch an den Kopf, dass er "eine depperter blöde Nazi" sei. Direkt im Anschluss soll der Mann das neben Kokain und Speed bereits am Tisch liegende Messer genommen und ihm in den Bauch gerammt haben. "Oida, das tut weh", habe er sich gedacht. Als das Messer wieder herausgezogen wurde, sei Blut aus ihm herausgespritzt. "Ruf die Rettung, sonst kriegst 21 Jahre", will er dem Täter ausgerichtet haben. Schlussendlich rettete ihn aber ein Polizist: Er kniete sich auf den starkblutenden Oberkörper des Mannes, um die Wunden abzudrücken. Die Verletzungen waren glücklicherweise nicht lebensgefährlich.
Der 42-Jährige bekannte sich schon zu Prozessbeginn tatsachengeständig. Töten habe er aber seinen Mitbewohner nicht wollen: "Ich zieh's wieder raus, schau mir das Messer an und denke mir: 'Scheiße'", schilderte er heute. Seine Version: Man habe sich über "nichts Weltbewegendes" unterhalten, bei dem Streit sei es um Musikvorlieben gegangen. Dann habe er den Mitbewohner mehrmals gebeten, sein Zimmer zu verlassen, ihn sogar mitsamt seines Sessels aus dem Raum geschoben....