Fehldiagnose
Patient wurde Teil der Lunge entfernt: Hatte gar keinen Krebs
15.03.2026Ein medizinischer Vorfall im Universitätsklinikum Krems sorgt für Aufsehen. Einem 52-jährigen Patienten aus Mattersburg wurde wegen Krebsverdachts ein Teil der Lunge entfernt – völlig umsonst.
Der Burgenländer Edin R. blickt auf eine belastende Krankengeschichte zurück. Nach einer Hodenkrebserkrankung im Jahr 2018 deutete bei einer Kontrolluntersuchung im August 2022 ein Schatten in der Lunge auf Metastasen hin. Die Ärzte im Klinikum Krems entschieden sich daraufhin für einen operativen Eingriff. Der ORF berichtet über die Hintergründe einer Fehldiagnose.
- Schnee bis in Tallagen – hier wird's jetzt weiß
- Zug auf Österreichs wichtigster Bahn-Strecke evakuiert
- Nach Frühlingsgefühlen: Wo es jetzt in Österreich schneit
Schockanruf nach der Entlassung
Erst nach der Operation erhielt der Patient die überraschende Nachricht per Telefon. Der Chirurg erklärte ihm: „Ich habe eine gute Nachricht für Sie. Sie haben keinen Krebs und sie haben ihn auch nie gehabt. Sie hatten eine Lungenentzündung und sowohl die Computertomografien als auch der Schnellschnitt haben uns in die Irre geführt.“
Patientenanwaltschaft leitet Prüfung ein
Edin R. fühlt sich unzureichend aufgeklärt und wandte sich an die Patientenanwaltschaft. Patientenanwalt Michael Prunbauer bestätigt: „Es werden verschiedene Aspekte geprüft. Das heißt: Es muss einen medizinischen Grund gegeben haben für die Behandlung.“ Auch die Wirksamkeit der Zustimmung und die technische Durchführung werden nun genau unter die Lupe genommen.
Klinik weist Vorwürfe zurück
Die niederösterreichische Landesgesundheitsagentur (LGA) sieht kein Fehlverhalten. Laut LGA wurde der Patient vorab umfassend aufgeklärt und habe in die Operation eingewilligt. Gewebsuntersuchungen während des Eingriffs hätten den Verdacht zudem erhärtet, weshalb die Entfernung des Gewebes notwendig gewesen sei.
Seltenes Phänomen in Medizin
Experten wie der Thoraxchirurg Stefan Watzka betonen, dass solche Fälle extrem selten sind. In seiner 25-jährigen Karriere könne er sich kaum an ähnliche Vorfälle erinnern. Edin R. betont trotz der Erfahrung: „Ich habe volles Vertrauen ins österreichische Gesundheitssystem – nach wie vor“.