Wut über Taubenkot

Taubenplage in Wien? Das sagt die Stadt dazu

22.05.2026

Während Hausverwaltungen vor einer Taubenplage warnen, sieht die MA 49 mit Verweis auf aktuelle Daten keinen Grund zur Sorge. Der Bestand sei stabil, punktuelle Hotspots entstehen vor allem durch unkontrollierte Fütterungen. 

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In vielen Wohnhausanlagen wächst der Unmut über gefiederte Untermieter. Zahlreiche Hausverwaltungen schlagen wegen einer Taubenplage Alarm. Sie klagen über verkotete Innenhöfe, Dachterrassen, schmutzige Fassaden und Fensterbänke. Gerade in der Innenstadt sorgt die Situation aktuell für heftigen Ärger. Doch nicht nur im Wohnbau wird die Kritik lauter. Auch auf Straßen und stark frequentierten Plätzen nimmt sie zu. Die zuständige Magistratsabteilung teilt diese Einschätzung allerdings nicht. Sie verweist auf nackte Zahlen.

MA 49 verweist auf stabilen Bestand 

Nach Angaben der Stadt Wien gibt es kein flächendeckendes Problem. "Die jährlichen Taubenzählungen zeigen einen stabilen Bestand“, sagt Florian Hutz von der MA 49 - Forst- und Landwirtschaftsbetrieb. Daher könne man nicht von einem generellen Taubenproblem sprechen. Dass den Bewohnern derzeit gefühlt mehr Vögel auf die Nerven gehen, habe einen einfachen Grund. Stadttauben sind in den warmen Monaten aktiver. Gleichzeitig halten sich mehr Menschen im öffentlichen Raum auf. "Dadurch kann der Eindruck entstehen, dass die Anzahl der Tauben insgesamt zugenommen hat, obwohl dies nicht zwangsläufig der Fall ist", erklärt Hutz.

Für das Jahr 2026 beziffert die Stadt den Bestand konkret auf 50.000 bis 60.000 Tiere. Diese Zahl sei durch die jüngste Zählung frisch validiert worden. Ein massives Problem im gesamten Stadtgebiet gebe es demnach nicht, sondern nur punktuelle Hotspots. Höhere Taubendichten gebe es vor allem dort, wo viele Menschen unterwegs sind und regelmäßig Futter und Nahrung anfällt. Dazu zählen insbesondere Bahnhofsbereiche, Märkte und stark frequentierte öffentliche Plätze.

Kein Schritt ohne Taubendreck 

Wie stark diese Hotspots in der Praxis ausfallen, zeigt ein aktuelles Beispiel aus dem Alsergrund. Ein oe24-Leser berichtet von extrem vielen Vögeln und massivem Taubenkot auf dem erst im Vorjahr neu gestalteten Julius-Tandler-Platz direkt vor dem Franz-Josefs-Bahnhof. "Ich kann keinen Schritt auf sauberem Pflaster machen", ärgert sich der Betroffene über die Zustände.

Nicht viel besser ist die Lage im 15. Bezirk. Am Henriettenplatz spielen Kinder, gleichzeitig sammeln sich dort ebenfalls viele Tauben. Angelockt werden die Tiere von Reis und anderen Futterresten, die in der Umgebung regelmäßig verstreut werden.

Füttern auf öffentlichen Flächen verboten

Probleme entstehen laut Hutz vor allem durch unkontrollierte Fütterung und rasche Vermehrung. Die rechtliche Lage beim Füttern der Vögel ist in Wien jedenfalls geregelt. Auf privatem Grund ist das Füttern mit artgerechter Nahrung erlaubt, sofern die jeweiligen Eigentümer zugestimmt haben. Auf öffentlichen Flächen gilt dagegen das Wiener Reinhaltegesetz. Das heißt: Auf Straßen, Gehsteigen, in Parks oder an Teichen darf absolut kein Futter ausgestreut werden.

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Absage an Tauben-Pille

Auch bei den Methoden zur Eindämmung bleibt die Stadt bei ihrer bekannten Linie. Betroffene fordern immer wieder den Einsatz der sogenannten Tauben-Pille, also eines hormonellen Verhütungsmittels im Futter. Die zuständige Abteilung erteilt dem aber eine klare Absage. "Der verwendete Wirkstoff ist nicht für diese Anwendung zugelassen", betont Hutz. Zudem sei die wissenschaftliche Evidenz zu Wirksamkeit, Nebenwirkungen und Nachhaltigkeit derzeit nicht eindeutig.

Auch die Auswirkungen auf andere Tierarten seien ungeklärt. Bei einer Verabreichung über das Futter lasse sich nicht kontrollieren, welches Tier eine wirksame und unbedenkliche Dosis aufnimmt. "Aus fachlicher Sicht entspricht diese Methode daher nicht den Anforderungen an ein tierschutzethisch vertretbares Stadttaubenmanagement“, erklärt Hutz. Wien setzt stattdessen weiterhin ausschließlich auf betreute Taubenschläge und den kontrollierten Austausch von Eiern.