Ein politisches Prestigeprojekt gegen Jugendkriminalität tritt weiter auf der Stelle. Die geplante "Auszeit-WG" für straffällige Kinder im Alter von 11 bis 13 Jahren kann auch im Mai den Betrieb nicht aufnehmen.
Eigentlich sollten in einem adaptierten Haus in Simmering bereits im April die ersten straffällig gewordenen Kinder untergebracht werden. Doch das Projekt "Auszeit-WG" verzögert sich nun schon wieder. Auch der angepeilte Starttermin im Mai kann nicht gehalten werden.
Brandschutz bremst den Einzug
In der neuen Wohngemeinschaft sollen künftig Kinder im Alter von elf bis 13 Jahren betreut werden, die wiederholt schwere Delikte wie Raub oder Einbrüche begangen haben. Bis zu zwölf Wochen dauert ein Aufenthalt in dem Gebäude. Doch vor dem Einzug gibt es sprichwörtlich Sand im Getriebe.
"Derzeit laufen noch letzte Adaptierungsarbeiten sowie Umbauten im Bereich der Fluchtwegtüren, um sämtliche brandschutzrechtlichen Anforderungen zu erfüllen", erklärt ein Sprecher der Magistratsabteilung 11 gegenüber "Wien heute".
Danach muss erst das offizielle Bewilligungsverfahren abgeschlossen werden. Nach der nötigen Ortsaugenscheinsverhandlung soll die Betriebsbewilligung erteilt werden. Die Verantwortlichen rechnen damit für Mitte Juni. Unmittelbar danach soll der Betrieb endlich starten.
Umstrittenes Projekt
Das Projekt kostet jährlich rund 800.000 Euro und ist politisch heiß umstritten. Jugendstadträtin Bettina Emmerling (NEOS) sieht die Einrichtung als notwendigen Schritt. Einige Jugendliche wüssten ganz genau, dass sie vor dem 14. Geburtstag keine Konsequenzen spüren. Dieses Denken müsse aufgebrochen werden. Ob ein Kind tatsächlich einzieht, entscheidet eine Kommission aus Fachleuten und Polizei. Zudem muss ein Gericht die Maßnahme überprüfen.
Gegenwind kommt von den Grünen, der FPÖ und dem Vertretungsnetz. Auch Volksanwalt Bernhard Achitz äußert Bedenken. Er fordert, zuerst alle pädagogischen Maßnahmen zu verschärfen, bevor man zu einem Freiheitsentzug greift.