Nach über 30 Jahren ohne große Instandsetzung startet 2028 die dringend nötige Sanierung der Nordbrücke. Das jahrelange Megaprojekt zwingt die Planer dazu, die Routen für Autofahrer und Radler völlig neu zu ordnen.
Große Veränderungen stehen dem Verkehr im Norden Wiens bevor. Weil die viel befahrene Nordbrücke dringend generalsaniert werden muss, kommt es ab dem Jahr 2028 zu weitreichenden Sperren. Der parallel verlaufende Steinitzsteg wird in dieser Zeit für den Autoverkehr benötigt. Radfahrer und Fußgänger müssen deshalb umgeleitet werden. Die Stadt Wien und die Asfinag haben nun eine umfassende Alternative über die Floridsdorfer Brücke präsentiert.
Das wichtige Verkehrsbauwerk wurde bereits Anfang der 1960er-Jahre errichtet und hat viele Jahrzehnte intensiver Belastung hinter sich. Für die Betreiber steht fest, dass an den massiven Baumaßnahmen kein Weg vorbeiführt. "Nach etwa 30 Jahren ist eine umfassende Generalsanierung notwendig, um die Sicherheit und Leistungsfähigkeit dauerhaft zu gewährleisten“, stellt Asfinag-Geschäftsführer Andreas Fromm klar.
Neue Radwege ab 2027
Da die Asfinag ein rechtlich verankertes Nutzungsrecht für den Steinitzsteg besitzt, verliert dieser vorübergehend seine Funktion für den Radverkehr. Als Ersatz werden ab 2027 zwei neue, baulich getrennte Radwege auf der Adalbert-Stifter-Straße im 20. Bezirk und auf der Floridsdorfer Hauptstraße im 21. Bezirk errichtet. Diese neuen Wege bleiben auch nach dem Ende der Sanierungsarbeiten bestehen. "Baustellen sind leider nie angenehm, aber oft notwendig - vor allem, wenn es um die Sicherheit geht. Uns war es ein zentrales Anliegen, eine hochwertige und sichere Alternative für den Radverkehr zur Verfügung zu stellen", betont Mobilitätsstadträtin Ulli Sima (SPÖ).
Warum andere Varianten scheiterten
Im Vorfeld wurden diverse Alternativen geprüft. Ein gänzlicher Neubau einer Brücke würde wegen der zahlreichen Hindernisse wie Gleisen und Autobahnen hochkomplex ausfallen. Die Kosten dafür würden zwischen 70 und 90 Millionen Euro betragen, was angesichts des aktuellen Spardrucks nicht finanzierbar ist. Auch eine Fähre bietet wegen des Schiffsverkehrs keine praktikable Lösung.
Den Steinitzsteg während der Sanierung für den Radverkehr offenzuhalten, ist ebenfalls keine Option. Würde man den Autoverkehr nicht umleiten, käme es zu dramatischen Staus. Das würde in weiterer Folge die Straßenbahnen und Busse massiv ausbremsen. Eine Aufteilung des Steinitzstegs in eine Auto- und eine Radspur scheiterte an Sicherheitsvorgaben, da in diesem Fall keine Rettungsgasse gebildet werden könnte.
Stimmen aus den Bezirken
Die betroffenen Bezirke tragen die gefundene Lösung mit, da sie den Verkehrsfluss in den betroffenen Bezirken sichert. "Mit der vorliegenden Lösung ist es gelungen, die bestmögliche Variante zu finden, um eine funktionierende Ersatzroute für Radfahrer und Radfahrerinnen anzubieten“, betont der Bezirksvorsteher von Floridsdorf Georg Papai (SPÖ). Auch auf der anderen Seite der Donau sieht man die Pläne als Kompromiss. "Ich glaube, die vorgestellte Lösung ermöglicht es allen mit ihrer bevorzugten Art von Mobilität voranzukommen", so die Brigittenauer Bezirksvorsteherin Christine Dubravac-Widholm (SPÖ).
Geringe Verzögerungen für Radler
Die Umleitung bringt für die Radfahrer im Durchschnitt eine zusätzliche Fahrzeit von lediglich 2,5 Minuten mit sich. Je nach konkretem Startpunkt und Ziel bewegt sich der Mehraufwand zwischen null und acht Minuten. Ein Beispiel laut Radroutenplaner zeigt den Unterschied. Auf der Verbindung von der Prager Straße zum Donaukanal benötigt der alte Weg über den Steinitzsteg 16 Minuten. Die neue Strecke über die Floridsdorfer Brücke dauert 17 Minuten. Bei anderen Strecken wie von Nußdorf zur Klinik Floridsdorf bleibt die Fahrzeit mit 30 Minuten sogar komplett identisch.
Zeitplan bis 2031
Die Arbeiten an der Stahlverbundbrücke gelten als hochgradig komplex. Neben der Verstärkung der Tragkonstruktion wird die veraltete Beschichtung abgetragen und erneuert. Während der gesamten Sanierungsphase bleibt die Nordbrücke für den Autoverkehr befahrbar. In der ersten Bauphase von 2028 bis 2029 werden zwei Fahrspuren in Richtung Floridsdorf auf den Steinitzsteg verlegen. In der zweiten Phase ab 2030 wandern die Spuren auf die bereits sanierte Brückenhälfte. Nach dem Abschluss der Arbeiten baut die Asfinag den Steinitzsteg wieder komplett zurück und übergibt ihn als Geh- und Radweg an die Stadt Wien.