Die Mission lautet, "eine neue Supermenschheit zu schaffen"
Die Ansage von den Organisatoren der Enhanced Games diese Woche in Las Vegas lässt keine Zweifel an den Zielen. "Das menschliche Potenzial in Übermenschlichkeit verwandeln", heißt es. Leistungssteigerung ohne Limit und vor allem ohne Doping-Verbote. Sonst untersagte Substanzen sind erwünscht. Österreichs Sportministerium und die Nationale Anti Doping Agentur warnen vor den gesundheitlichen, gesellschaftlichen und sportethischen Folgen eines solchen Formats.
Es handle sich bei den "Enhanced Games" um ein fragwürdiges Spektakel, bei dem "Rekorde", Reichweite und wirtschaftliche Interessen über die Gesundheit von Athletinnen und Athleten gestellt werden, teilten Sportministerium und NADA Austria in einer Aussendung mit. "Sport lebt von Fairness, Respekt und gleichen Regeln für alle. Die Idee, Doping nicht nur zu tolerieren, sondern aktiv zu fördern und zu vermarkten, ist ein völlig falsches Signal, besonders an junge Menschen", sagte Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt. Wer den Einsatz leistungssteigernder Substanzen als Unterhaltung inszeniert, gefährde Athletinnen und Athleten.
"Die Inszenierung erinnert an Gladiatorenspiele: Der menschliche Körper wird zur Showfläche, gesundheitliche Risiken werden bewusst in Kauf genommen. Die Enhanced Games sind ein Geschäftsmodell auf dem Rücken von Menschen, das zentrale Werte des Sports infrage stellt", erklärte NADA Austria Geschäftsführer Michael Cepic. "Anti-Doping-Regeln sind kein Selbstzweck, sondern dienen dem Schutz der Athlet:innen."
Mission, "eine neue Supermenschheit zu schaffen"
Nach aktuellem Stand wollen 42 Athletinnen und Athleten - Österreich ist nicht vertreten - Rekorde unterbieten und in neue Sphären der Leistungsfähigkeit vordringen. Gelockt wurden die Aktiven, unter denen auch der wegen Verstößen gegen die Anti-Doping-Meldepflicht gesperrte ehemalige Sprint-Weltmeister Fred Kerley ist, mit Prämien von bis zu einer Million US-Dollar. Eigens für das Event am kommenden Wochenende wird in der Resorts World von Las Vegas ein Komplex errichtet. 2.500 Gäste sind geladen.
Gründer der Spiele ist Aron D'Souza. Er sieht sich auf einer Mission, "eine neue Supermenschheit zu schaffen". Der Australier machte seinen Abschluss in Rechtswissenschaften in Oxford. Er ist auch Gründer eines KI-Tribunals, das Behauptungen in Medien überprüfen soll. Der Kampf gegen Doping ist für D'Souza heuchlerisch, 99 Prozent der Sportler würden ohnehin zu Doping greifen, meinte er. Geschäftsführer der Spiele ist der gebürtige Münchner Maximilian Martin. Ein ehemaliger Investmentbanker, der in Deutschland und den USA studierte. Martin investierte viel in das neue Projekt. "Ich habe schnell bemerkt, dass Enhanced für mich die aufregendste Firma ist, die ich je gesehen habe", sagte er in einem "Forbes"-Bericht,
Er und Christian Angermayer, der als Vorstandsvorsitzender und Mitbegründer geführt wird, waren D'Souza 2023 begegnet. Angermayer ist Milliardär, Filmproduzent und unter anderem auch Mitgründer eines Biopharma-Unternehmens. Er stammt aus der Oberpfalz und investierte schon in Kryptowährungen, Psychedelika, Gehirnimplantate und Longevity (Langlebigkeit). Zu begeisterten Investoren der Enhanced Games gehören auch der Paypal-Gründer Peter Thiel oder US-Präsidentensohn Donald Trump Jr.
Vorbereitung und Doping in Abu Dhabi
Der Blick in den Online-Shop der Enhanced Games wirkt absurd: Testosteron oder Sermorelin, ein Wachstumshormon, für sechs Monate jeweils im Topangebot. Einfach klicken und bestellen. Immerhin: nur für Erwachsene ab 18 Jahren. Der Verkauf und die Entwicklung von Medikamenten gehört auch zum Konzept: Deshalb seien sie auch nicht auf Medienrechte oder Ticketverkäufe angewiesen wie das Internationale Olympische Komitee (IOC), erklärte D'Souza dem Schweizer "Tagesanzeiger".
Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Enhanced Games werden bestimmte Testosteron-Präparate, anabole Steroide, Erythropoetin, Meldonium, Adderall und Modafinil verabreicht, wie die Veranstalter dem "Deutschen Ärzteblatt" mitteilten. Alles unter medizinischer Aufsicht. Geleitet wird die Studie Berichten zufolge vom Sheikh Shakhbout Medical Center in Abu Dhabi. Im Königreich in den Vereinigten Arabischen Emiraten bereiteten sich die Teilnehmer auch vor.
Schwimmen, Leichtathletik und Gewichtheben
Drei Sportarten haben die Macher vorgesehen: Schwimmen, Leichtathletik, Gewichtheben - hier gibt es auch noch die Kategorie Strongman. Über 50 und 100 Meter wird geschwommen, jeweils Kraul und Delfin. In der Leichtathletik geht es über 100 m sowie 100 und 110 m Hürden, im Gewichtheben sollen in drei Kategorien bisher nicht erreichte Lasten bewältigt werden.
Die Veranstalter werben damit, dass eine Gesamtprämie von 25 Millionen US-Dollar ausgeschüttet wird. Für den ersten Platz gibt es 250.000 US-Dollar. Wer unter den Weltrekorden über die 100 m in der Leichtathletik oder den 50 m Kraul im Schwimmen bleibt, kassiert eine Million US-Dollar.
"Schwimmen war mein Leben für viele Jahre", erklärte Marius Kusch, einer der beiden deutschen Starter: "Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe, aber die Wahrheit ist, dass mir der Sport nie die finanzielle Stabilität gegeben hat, um mir eine Zukunft aufzubauen. Die Wirklichkeit war immer eine Herausforderung." Er wolle sich jetzt um seine Familie kümmern und ihr alles zurückgeben, was sie ihm gegeben habe. Der Ex-Europameister ist 33 Jahre und macht wie auch andere keinen Hehl über den Hauptantrieb für eine Teilnahme an den Enhanced Games: das Geld.
WADA: "Gefährlich und unverantwortlich"
Als "gefährliches und unverantwortliches" Konzept verurteilte auch die Welt Anti Doping Agentur die Spiele. "Die Macher der Enhanced Games wollen vielleicht schnelles Geld verdienen, aber dieser Gewinn geht auf Kosten von Kindern auf der ganzen Welt, die glauben, dass sie Dopingmittel nehmen müssen, um ihre Träume zu verwirklichen", erklärte der Chef der amerikanischen Anti-Doping-Agentur, Travis Tygart.