Vorstoß von Dörfler

Dachverband für Kärntner Slowenen

© TZ ÖSTERREICH / Singer
Landeshauptmann Dörfler sieht zu Aussagen Dobernigs alles ausgeräumt.
Zur Vollversion des Artikels

Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) wünscht sich einen Dachverband, der alle Vertretungen der Kärntner Slowenen umfasst. Bei der Präsentation des offiziellen Buchs zur Ortstafellösung am Dienstag gemeinsam mit Volksgruppenvertretern sah er zu den umstrittenen Aussagen seines Landesrates und Parteifreundes Harald Dobernig alles ausgeräumt: "Ich habe klare Worte gesprochen, dem ist nichts hinzuzufügen."

Dachverband
Dörfler kann sich durchaus vorstellen, dass sich bis 2016 alle drei Slowenenorganisationen unter einem Dach zusammenfinden, der Vorsitz könnte nach einem Rotationsprinzip gewechselt werden. Die Zeit dafür sei jedenfalls "reif". Das sahen auch die anwesenden Marjan Sturm vom Zentralverband und Bernard Sadovnik von der Gemeinschaft der Kärntner Slowenen so und verwiesen auf einen dahin gehenden gemeinsamen Beschluss beider Organisationen. Kritik gab es diesbezüglich am dritten großen Spieler, dem Rat der Kärntner Slowenen: "Es kann nicht sein, dass eine Organisation alle anderen vereinnahmen möchte", so Sadovnik.

Dobernig in der Kritik
Zu den heftig kritisierten Aussagen Dobernigs verwies Dörfler auf einige "blöde Witze", die er zu Beginn seiner Laufbahn erzählt hatte: "Wenn Sie politische Funktionen an Aussagen messen, wäre ich wahrscheinlich nicht mehr Landeshauptmann." Dobernig sei aber auch missinterpretiert worden, es handle sich um "eine Meinung, die nichts mit der Lösung der Ortstafelfrage zu tun hat". Allerdings gebe es auf beiden Seiten durchaus Stimmen, die mit der Einigung nicht einverstanden seien.

Verhältnismäßig milde äußerten sich die Slowenenvertreter zu Dobernig, obwohl man sich nach wie vor getroffen fühle: "Es kann nicht sein, dass eine Meinung, woher sie auch kommt, ein Bild von Kärnten schafft, das es so nicht gibt", meinte etwa Sadovnik. Sturm sieht in den Äußerungen den Auftrag, noch mehr Geschichtsaufarbeitung zu betreiben und hofft, der FPK-Landesrat werde sich "bessern". Denn: "Dobernig heißt auf Slowenisch 'gut", an und für sich ist er ein Gutmensch."

Für Dörfler ist die Ortstafellösung das persönlich "wichtigste Ziel" seit Beginn seiner Amtszeit als Landeshauptmann gewesen, erzählte er. Lediglich "aus taktischen Gründen" habe er am Anfang das Gegenteil behauptet - "weil mir das niemand zugetraut hätte". Nun gebe es eine "neue Qualität der Beziehungen". Einige Slowenenvertreter sowie Staatssekretär Josef Ostermayer (S) seien mittlerweile "gute Freunde" geworden.

Auch die Volksgruppenvertreter zeigten sich zufrieden. Auf beiden Seiten habe ein Paradigmenwechsel stattgefunden, resümierte Sturm. Nun gelte es, die Beziehungen weiter zu verbessern. Sadovnik ortet derzeit einen "Wettbewerb" in diversen Gemeinden in Richtung Offenheit und Zweisprachigkeit. Und der ehemalige österreichische Botschafter in Slowenien, Erwin Kubesch, sieht die einzige "Wolke", welche die bilateralen Beziehungen überschattet hatte, endlich beseitigt.

Das neu erschienene offizielle Buch zur Ortstafelfrage, "Ein Kärnten. Die Lösung" (Verlag Johannes Heyn) erzählt die Geschichte des Konflikts. Historiker wie Journalisten befassen sich darin mit den unterschiedlichen Zeitspannen, auch Interviews mit Dörfler, Ostermayer und Slowenenvertretern wurden dafür geführt.