Wien. Dass Roland Weißmann, der Vizefinanzchef des ORF, vor der ORF-Chef-Wahl am 10. August der Favorit ist, ist bekannt. Er dürfte es aber deutlicher sein als angenommen. Immerhin genießt er die Unterstützung der ÖVP. Der ÖVP-„Freundeskreis“ im ORF-Stiftungsrat rechnet offenbar nach mehreren Gesprächen mit mindestens 20 Stimmen für Weißmann. Neben den türkisen Stiftungsräten aus Bund und Ländern kämen auch die VP-nahen Betriebsräte und „Unabhängige“ dazu, und das würde 20 ergeben. Damit hätte Weißmann im 35-köpfigen Stiftungsrat eine komfortable Mehrheit gegen ORF-Chef Alexander Wrabetz.
Stimmen auch FPÖ und Grüne für Weißmann?
Die Türkisen und Weißmann führen zudem auch Gespräche mit Grün und Blau. Während die Stiftungsräte Norbert Steger (FPÖ) und Lothar Lockl (Grün) laut ORF-Insidern „dazu neigen, Weißmann zu unterstützen“, dürfte das bei ihren Parteien noch keine so ausgemachte Sache sein.
In der FPÖ soll etwa Parteichef Herbert Kickl nicht angetan sein, „den Lieblingskandidaten von Sebastian Kurz zu unterstützen. Immerhin will er ja Kurz wegkriegen“, sagt ein Blauer. Andere in der FPÖ wollen sich lieber mit der ÖVP arrangieren und so Posten herausschlagen. Aus dem ÖVP-Stiftungsratskreis heißt es inoffiziell: „Wir verlassen uns vor allem auf uns selbst.“ Man hätte die Mehrheit auch so.
Kickl will Votum gegen Weißmann durchsetzen
FPÖ-Kenner gehen davon aus, dass Kickl ein FP-Votum gegen Weißmann durchsetzen will. In die Richtung geht auch sein Vorstoß für eine „geheime Wahl“ am 10. August. Das Kalkül: Dann könnten türkise Stiftungsräte doch ORF-1-Managerin Lisa Totzauer wählen. Aus der VP heißt es dazu nur lapidar, dass eine geheime Wahl „gesetzeswidrig“ sei. Die SPÖ-Stiftungsräte dürften jedenfalls für Wrabetz stimmen, der seit 2007 ORF-Chef ist.