Graz-Wahl
Grazer KPÖ setzt im Wahlkampf auf rotes Eichkatzerl
22.05.2026Daseinsvorsorge steht für Elke Kahr beim Graz-Wahlkampf heuer im Mittelpunkt. Sie will nicht "jeden Investorenwunsch" erfüllen.
Die Grazer Kommunisten haben am Freitag ihr Wahlprogramm für die Gemeinderatswahl am 28. Juni vorgelegt. Auf 50 Seiten werde laut Bürgermeisterin Elke Kahr gezeigt, dass die Grazer KPÖ nicht mehr nur "Wohnungspartei" sei, sondern Kompetenzen in vielen Bereichen erlangt hätte. Der Titel des Programms lautet "wir alle sind Graz" - getreu diesem Motto fokussiere die KPÖ "das Gemeinwohl aller Grazerinnen und Grazer".
Die KPÖ wolle keine Leuchtturmprojekte präsentieren, sondern die Daseinsvorsorge in den Mittelpunkt rücken. Es gehe um die öffentlichen Leistungen, Bildung, Wohnraum, Straßen- und Kanalausbau, öffentlichen Verkehr, Kinderbetreuung - "von der Wasserversorgung bis zur Müllabfuhr", so Kahr. Im Interesse sei nicht, "jeden Investorenwunsch" zu erfüllen. "Die Stadt soll eine Einrichtung sein, auf die man sich verlassen kann", unterstrich Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer. Die KPÖ wolle eine starke Gemeinschaft bieten und die Stadt "an der Seite der Bevölkerung" weiterentwickeln.
Eine erste Plakatwelle mit Inhalten, die auch schon für die Wahl 2021 affichiert wurden, sei bereits gelaufen. Dabei wurde "Lebensraum statt Investorentraum" plakatiert. Eine zweite Welle sei laut Krotzer vor wenigen Tagen angelaufen. Später im Wahlkampf werde dann auch noch ein drittes Sujet auf den 80 Dreiecksständern und 150 großflächigen Plakatwänden zu sehen sein. Kahr will speziell auch in Graz lebende EU-Bürger ansprechen, die oft nicht wüssten, dass sie ebenfalls wahlberechtigt sind.
Kein Verkauf von Gemeindewohnungen
Als Wahlziel gab Kahr das Halten des Ergebnisses von 2021 aus. Eine Zusammenarbeit kann sich die KPÖ theoretisch mit allen anderen Parteien vorstellen - "bisher haben uns ja immer nur die anderen ausgeschlossen". Es spreche etwa nichts gegen Budgetpartnerschaften: "Es muss ja nicht immer in eine Koalition gehen", so Kahrs Nachsatz. Verbiegen wollen sich die Kommunisten allerdings nicht. Ein Verkauf von Gemeindewohnungen komme beispielsweise nicht in Frage.
Einen prominenten Platz im Wahlkampf hat übrigens ein alter Bekannter: Der Grazer "Stadtpark-Hansi", ein Eichhörnchen, das die KPÖ seit vielen Jahren auf vielen Werbematerialien drucken lässt, ist mehr denn je präsent. "Den hatten wir schon bei meinem ersten Wahlkampf 1988. Klein, aber mit Biss", so Kahr schmunzelnd. "Das Eichkatzerl ist rot, konsequent, schnell - das haben wir uns auch als Partei bewahrt." Die KPÖ hat seit der Wahl 2021 um etwa ein Drittel an Parteimitgliedern dazugewonnen und nun rund 370 Mitglieder und laut eigenen Angaben etwa drei Mal so viele Sympathisanten, die aktiv mithelfen.