Grosz gesagt: Der kritische Blick
Jung, intrigant, machtversessen
Liebe User und Seher von oe24
Willkommen bei Grosz gesagt, dem überaus kritischen Blick auf die aktuellen Geschehnisse unserer Zeit. Kritisch, direkt, unabhängig und scharf wie Messer. Versprochen!
Messerscharf entging der beste Bundeskanzler aller Zeiten seinem kompletten politischen Ende. Die Welt hat sich einmal mehr gegen ihn, den türkisen Märtyrer, den Befreier Österreichs vom „alten Stil“, verschworen. Um ein Haar hätte er in der Ahnengalerie der politischen Galeerensträflinge wie Strache, Strasser, Grasser und Co Platz genommen. Denn wenn es nach den Landeshauptleuten der alten Volkspartei gegangen wäre, wäre der Obmann der neuen Volkspartei längst Geschichte, dem Schicksal der Scharfrichter im Talar endgültig ausgeliefert.
So rettete er sich mit Müh und Not ins parlamentarische Ausgedinge, in den Nationalrat, wo er in Zukunft mit Sigi „Stinkefinger“ Maurer und Ungust Wöginger das Klubobleute-Trio der „lustigen Regierungskutscher“ anführt. Vorangegangen war dem elenden Schicksal des Heiligen Sebastian das sogenannte Chat-Verhängnis, also die justizielle Dokumentation der gymnastischen Wurst-Fingerfertigkeit von Kurz selbst, seinem Beidl-Prätorianer Schmid, seinen Presseknechten Fleisch- und Frischmann sowie einigen Damen aus dem Umfragepantscher-Gewerbe. Man habe sich Umfragen frisiert, na bumm. Wer tut‘s nicht. Denn wie heißt es so schön: Veröffentliche nie eine Umfrage, die du nicht selbst gefälscht hast. Man habe sich abfällig über Dead-like-a-Dodo-Mitterlehner, parteiintern auch nur als „Arsch“ bezeichnet, unterhalten.
Na bumm, welches Parteimitglied hat sich noch nie über die ungeliebte, weil erfolglose, Obrigkeit im Gossenjargon unterhalten? Man habe die Landeshauptleute als „alte Deppen“ bezeichnet. Na bumm, welchem Bürger dieses Landes ist angesichts der föderalen Schnapsnasen noch nie eine treffendere Bezeichnung für die Fürsten der Finsternis eingefallen? Man habe die Rechnungen für gefälschte Umfragen frisiert und als Studien über den Steuertopf des Finanzministeriums abgerechneten.
Na bumm, das geht nicht. Denn das bedeutet Untreue und gilt – auch wenn der Bürger alle Politiker pauschal als Schweine bezeichnen – tatsächlich als unentschuldbare und strafrechtlich mit 10 Jahren Kerkerhaft zu beurteilende Sauerei. Und dass offenbar der schönste und erfolgreichste Kanzler aller Zeiten selbst Regierungsvorhaben für die Bürger unseres Landes torpedierte, weil er sich selbst an den Futtertrog des Kanzleramtes bequemen wollte, werden ihm zumindest die Wählerinnen und Wähler noch Jahre übelnehmen.
So richtig übel ist es aber, dass der edle Retter Kurz, der den neuen Stil uns versprach, zum Weltmeister des alten Weges mutierte, also schlimmer agierte, als es sich der Bürger unseres Landes vorstellen konnte. Der grüne Koalitionspartner sprach ihm, dem Unbesiegbaren, darauf die Amtsfähigkeit ab, paktierte mit dem Gott-sei-bei-uns Kickl, der roten Rendi-Wagner und drohte der ÖVP nach gefühlt 1000 Jahren Regierungsbeteiligung das definitive Ende in den Regierungsämtern. Eine Regierung ohne die ÖVP, unvorstellbar für die Technokraten der Macht, sprich die Landeshauptleute. Und so räumte man Kurz zur Seite. Der Rest ist wie bekannt Geschichte, der neue Kanzler heißt Alexander Schallenberg. Spross eines Jahrhunderte alten Adelsgeschlechts, versierter Diplomat.
Und groß waren die Erwartungshaltungen an den eleganten Herren aus dem Außenministerium. Und ebenso groß ist die Enttäuschung, dass sich Schallenberg in den ersten drei Wortmeldungen seiner Amtszeit als plumpe Marionette des Kurzen entpuppte. Er werde das „System Kurz“ fortführen, er werde sich mit dem größten Altkanzler aller Zeiten, nicht mehr GRÖBAZ sondern nur kurz GAKAZ genannt, natürlich über jeden Schritt abstimmen. Und so wandelt der ehemals elegante und integre Graf aus dem alten Adelsgeschlecht auf den Spuren von Kurz. Irgendwie könnte er einem ja leidtun, wenn er nicht genau wüsste, was er tut. Die Nibelungentreue zum gefallenen Engel wird ihm jedenfalls zum Verhängnis werden.
Zum Verhängnis wurde der wochenendliche Flirt zwischen Herbert Kickl und Pamela Joy Rendi Wagner zumindest Letzterer. Sie wird gescholten, denn für den KanzlerInnensessel hätte sie selbst die alte Vranitzky-Doktrin, wonach kein Roter mit den Blauen darf, beerdigt. Auch die GrünInnen haben ihre Jungfräulichkeit verloren, denn auch Werner Kogler suchte die Nähe zu Kickl. Und so ist es nicht verwunderlich, dass ausgerechnet Herbert Kickl, der größte Feind von Kurz, der große Sieger dieses Regierungsdebakels wurde. Apropos Debakel: Österreich hat nun zumindest eine neue, alte Regierung, mit einem neuen Kanzler, der auf alten Wegen geht. Und so wurde diese Woche das Budget dem Nationalrat vorgelegt.
Dem Wunderknaben Gernot Blümel, alias Danilo Kunhar, alias der treue Gernot, alias der Laptop blieb es vorbehalten, die größte Steuerreform und den größten Wirtschaftsaufschwung aller Zeiten zu verkünden. Vorsicht ist geboten, war es doch Blümel höchstselbst, der noch voriges Jahr die Nullen in seinem finanzpolitischen Machwerk vergaß. Es kann daher durchaus passieren, dass am Ende des epochalen Meilensteins Steuerreform für die Österreicher eine große rote, nicht schwarze, Null steht. Warten wir es ab und bleiben Sie geduldig, wenn es nächste Woche wieder heißt: Grosz gesagt!