Politik-Insider
Böse Intrigen-Spiele um ORF-Top-Job
22.05.2026ORF: DAS sind die Favoriten – das die Ränkespiele. Schmeißt Clemens Pig jetzt noch hin?
Küniglberg. Nur eines ist derzeit fix: Der oder die neue ORF-Chef(in) wird ein 1. Milliarde Euro Budget und rund 3.500 ORF-Mitarbeiter verantworten in äußerst stürmischen Zeiten und wird am 11. Juni gewählt.
- Auch Ex-Puls4-Chef Breitenecker tritt bei ORF-Wahl an
- Ex-Journalisten fordern unabhängige ORF-Spitze
- Favorit für ORF-Chefposten spricht über Haushaltsabgabe
Der Rest – ob der deklarierte Favorit, APA-CEO Clemens Pig tatsächlich neuer ORF-Generaldirektor wird – ist nach gezielten Intrigen und diversen Ränkespielen wieder offen.
Die ÖVP-SPÖ-„Postenschacher“-Show
Eigentlich hätte sich ÖVP-Kanzler Christian Stocker ja vor geraumer Zeit bereits für Pig entschieden und das auch den Seinen und den Roten mitgeteilt. Knapp danach wurde dem Favoriten des streng türkisen Teils der ÖVP, Krone-Hit-Chef Philipp König, laut Insidern signalisiert, dass er sich nicht bewerben solle.
Zeitgleich wurde mittels gezielten Indiskretionen aus der ÖVP und roten Welt lanciert, dass Pig eben der Kandidat von Stocker sei und das Wohlwollen von Wiens SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig genieße. FPÖ-ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler ortet seither „grauslichen Postenschacher“ und auch die Neos warnen vor diesen „Abmachungen“. Wie auch immer.
Lederer will Finanz-Chef besetzen
Der rote ORF-Stiftungsratsvorsitzende Heinz Lederer – zur Regierungsbildung hatten ÖVP und SPÖ vereinbart, dass die SPÖ den Stiftungsratsvorsitzenden nominiere, die ÖVP dafür den ORF-Chef erhalte – habe, so die Erzählung König bekämpft und wolle „das Personalpaket für den ORF wieder aufschnüren und den kaufmännischen Direktor doch für die SPÖ beanspruchen“, so Eingeweihte.
Türkise wiederum lancierten – oder stellten auffallend viele Fragen -, ob Pig „bei den Freimaurern“ sei. Er selbst dementiert das. Der Hintergrund dieser Erzählung: Damit solle er als „Linker“ dargestellt werden.
Ebenfalls dem bürgerlichen Lager zugerechnet, aber als unsichere Kantonistin angesehen, wird übrigens ORF-Magazin-Chefin Lisa Totzauer. Sie dürfte ebenso wie Pig und König bereits Gespräche mit Stocker geführt haben. Sie hat diese Woche bereits ihre Kandidatur bekannt gegeben.
Pig könnte König ein Angebot machen
Am Freitag folgte dann Ex-Puls4-Chef Markus Breitenecker, der seine Kandidatur per Video verkündete. Ex-Kanzler Karl Nehammer und dessen Frau Katharina gelten als Fan von Breitenecker. Frau Nehammer dementiert aber sich für ihn als ORF-GD einzusetzen, wie viele in der ÖVP berichten. Er dürfte auch Sympathien der Neos haben.
Breitenecker erschien ebenso wie Pig und König und Lisa Totzauer am Dienstagabend beim Wien-Heurigen von Oberösterreichs ÖVP-Landeshauptmann Thomas Stelzer. Dürfte sich aber eher im Hintergrund gehalten haben. Die schwarz-blau regierten Bundesländer Niederösterreich und Oberösterreich dürften übrigens ursprünglich eher zu König tendiert haben. Zuletzt wurde kolportiert, dass König zwar nicht kaufmännischer Direktor werden könne – da dies die Roten wollen – dafür aber den höchst dotierten Job des Enterprise-Chefs erhalten könne. Bestätigt, ist das nicht, aber offenbar ein Friedensangebot des Pig-Lagers.
Totzauer nur mit Außenseiterchancen
Totzauer sagt wiederum, dass sie keine Deals abschließen wolle und erschien im Unterschied von Pig und Breitenecker auch nicht zur inoffiziellen ORF-Castingshow – pardon: Mediengipfel in Seefeld – mit ORF-Chefin Ingrid Thurnher. Dafür erhielt sie Schützenhilfe von den ORF-Korrespondenten.
Derzeit habe sie nur Außenseiterchancen, wenn auch der eine oder andere ORF-Stiftungsrat bereits Sympathien für ihre Kandidatur erhalte.
Zierhut will auch kandidieren
Aber: Auch ORF3-Managerin Kathrin Zierhut dürfte sich noch bewerben, berichten Insider. Sie wird der FPÖ zugerechnet und könnte auch für eine Spaltung im Gremium sorgen. Ebenfalls kandidieren wollte auch Ex-Warner-Brother-Manager Johannes Larcher.
„Pig ist und bleibt der Favorit, aber ich bezweifle, dass er am Ende kandidieren wird“, sagen mehrere ORF-Insider, die davon ausgehen, dass die Schlacht um den ORF-Chefsessel in den finalen Tagen vor der Wahl „noch schmutziger“ werde. Pig wolle sich erst zum Schluss entscheiden, ob er sich wirklich bewerbe.
Ob dann doch wieder König oder ein anderer Überraschungskandidat aus dem Hut gezaubert wird?