Minister im ÖSTERREICH-Interview

Mückstein: "Après-Ski nur für Geimpfte"

© APA/ROLAND SCHLAGER
Interview: Gesundheitsminister will 1-G-Regel ausbauen und deutet Lockdown für Ungeimpfte an.
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ÖSTERREICH: Der Impf-Fortschritt liegt unter dem schlimmsten Szenario, mit dem Experten rechnen. Lässt das bei Ihnen nicht Alarmglocken schrillen?

Wolfgang Mückstein: Etwas über 60 % sind nicht das, was notwendig wäre. Deshalb müssen wir rasch etwas tun. Bürgermeister und Ärzte spielen etwa im ländlichen Bereich eine zentrale Rolle, Menschen zu überzeugen, die noch unsicher sind. Deshalb freut es mich, dass die Ärztekammer eine Info-Kampagne startet.

ÖSTERREICH: Fallen am Mittwoch schon Entscheidungen? Oder haben wir noch Zeit?

Mückstein: Nein, wir haben keine Zeit mehr. Wir brauchen so schnell wie möglich eine Einigung über die weitere Vorgangsweise.

ÖSTERREICH: Was muss denn rasch geschehen?

Mückstein: Die Länder haben hervorragende Arbeit gemacht. Aber wir sehen, dass es nicht leicht war, möglichst viele Leute im Sommer zu impfen. Wir brauchen deshalb Maßnahmen, die die Übertragung des Virus dämpfen. In Kürze werden wir in einzelnen Intensivstationen die Überschreitung von 10 % Covid-19-Patienten haben. Operationen müssen dann verschoben werden.

ÖSTERREICH: 1G wurde für die Nacht-Gastro angekündigt – was kommt noch?

Mückstein: Bei den Jugendlichen ist die Inzidenz von Ungeimpften zehn Mal so hoch wie die der Geimpften. Das bedeutet, dass wir jetzt die Ungeimpften schützen müssen – in Umgebungen, die besonders riskant sind. 1-G-Regel für die Nacht-Gastro. Das ist eine Maßnahme, die ich für sehr sinnvoll halte. Es gibt auch andere Bereiche, etwa Après-Ski, wo wir wissen, dass es leicht zu einer Übertragung kommt, weil viele Menschen auf engem Raum zusammen sind und vielleicht noch singen.

ÖSTERREICH: Wie weit wird das gehen? Bis in die Gastro?

Mückstein: Ich habe dazu auch Vorschläge gemacht. Die steigenden Zahlen haben Folgen für Tourismus, Handel, Kunst, Kultur und Sportveranstaltungen. Weitere Maßnahmen sind jetzt in Abstimmung und es ist mir wichtig, dass sie auch die Ländern mittragen.

ÖSTERREICH: Die Immunologin Dorothee von Laer sagt schon den nächsten Lockdown voraus. Soll es den dann nur für Ungeimpfte geben?

Mückstein: So wie es keinen Sinn macht, dass wir Geimpfte, von denen ein sehr niedriges epidemiologisches Risiko ausgeht, irgendwo nicht hineinlassen, so wichtig ist es, dass wir jene schützen, die nicht geimpft sind. Das ist sachlich gut zu begründen. Wie weit das geht, das besprechen wir gerade.

ÖSTERREICH: Kommt die FFP2-Pflicht wieder?

Mückstein: Die Basismaßnahmen müssen wieder verstärkt werden. Ich sag jetzt: Maskenpflicht indoor. Wir wissen, dass FFP2 da besonders sicher ist. Wir brauchen vor dem Hintergrund steigender Zahlen jetzt die sichersten Regeln.

ÖSTERREICH: Wie wollen Sie die Impfrate steigern. Mit einem Impf-Hunderter, wie das Mahrer und Rendi fordern?

Mückstein: Wenn wir jetzt nach dem Prinzip gehen, dass wir Ungeimpften sagen, sie müssen besonders geschützt werden, weil sie sonst in Spitälern und auf Intensivstationen landen – dann wird das beim Impfen einen Effekt haben. Zum Impf-Hunderter: Was sagen wir denen, die sich bereits impfen ließen? Und denen, die den 3. Stich bekommen? Das halte ich für den falschen Ansatz Schauen Sie die Jungen an: Die meisten sind nicht dagegen. Sondern die haben es einfach nicht auf dem Radar. Wenn ich ihnen vor Diskotheken, am Hauptplatz, am Boot und in Betrieben Impfungen anbiete und sie aufkläre, ohne Termin – dann nehmen sie das auch an. Das wissen wir bereits.

ÖSTERREICH: Was ist mit Tests? Wird die Gültigkeitsdauer verkürzt wie in Wien, wo PCR-Tests 48 und Antigen-Tests nur noch 24 Stunden gelten?

Mückstein: Ja, ich halte das vor allem bei Antigentests für sehr sinnvoll.

ÖSTERREICH: Und die ÖVP will ja auch, dass Tests kostenpflichtig werden.

Mückstein: Das ist auch Teil von Überlegungen. Ich bin als Arzt grundsätzlich dafür, dass Tests, durch die wir die Infektionslage einschätzen können, nichts kosten. Aber es ist natürlich auch zunehmend schwierig, den 60 % Geimpften zu erklären, warum wir so hohe Testkosten für Ungeimpfte haben.

ÖSTERREICH: Haben wir eigentlich genug Impfstoff, um theoretisch alle zu impfen – und um allen den 3. Stich anzubieten?

Mückstein: Es geht sich doppelt und dreifach aus. Wir können dazu noch Impfstoffe spenden. Impfstoffmangel gehört der Vergangenheit an.