Dies wurde oe24 zumindest von der ÖVP bestätigt, es sei am Nachmittag bei dem Gespräch mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen vereinbart worden, die Verhandlungen weiterzuführen - und zwar im Bundeskanzleramt und klarerweise ohne Neos.
Aus, vorbei der Tag hatte mit dem Verhandlungsausstieg der Neos begonnen. Seit Mitte November hatten ÖVP, SPÖ und Neos eine „Ampel-Koalition“ verhandelt. Am Freitag kurz nach 10.30 Uhr – 96 Tage nach der Nationalratswahl – war Schluss. Nach der Marathon-Verhandlung am Donnerstagabend zog Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger die Notbremse. ÖVP und SPÖ hätten keine Bereitschaft zu Reformen gehabt, etwa bei Pensionen – vor allem in der SPÖ sei der Widerstand zu groß.
Auf falschem Fuß erwischt. Meinl hatte ihr Verhandlungsgegenüber Karl Nehammer (ÖVP) sowie Andreas Babler (SPÖ) erst in der Früh informiert – und damit völlig auf dem falschen Fuß erwischt.
Angst vor pinken Mitgliedern. „Am Donnerstagabend war von Abbruch keine Rede“, erfuhr oe24 aus Verhandlerkreisen. Tatsächlich hatte Meinl das Ampel-Aus erst im Lauf der Nacht intern fixiert – Hauptbeweggrund dürfte die Befürchtung gewesen sein, dass die 3.000 Neos-Mitglieder einen lahmen Koalitionspakt hätten kippen können.
Meinls Angebot. Allerdings: Die Neos-Chefin machte ÖVP und SPÖ das Angebot, bereits ausgemachte Reformen – etwa bei der Bildung – im Parlament mitzutragen. Denn ÖVP und SPÖ könnten ja im Nationalrat mit einer hauchdünnen Mehrheit auch ohne Neos regieren.
ÖVP gegen SPÖ – aber alle beim Präsidenten
Schlammschlacht. Doch danach sah es zunächst gar nicht aus – im Gegenteil: Die ÖVP – die wegen ihrem Nein zu einem Kanzler Kickl eigentlich keine Alternative hat – ging gegen den einzigen möglichen Partner frontal an und machte „Teile der SPÖ“ – gemeint war Babler – für den Neos-Ausstieg verantwortlich. Bablers Parteimanager griff seinerseits die Neos an, die „Angst vor Verantwortung“ gehabt hätten.
Köpferauchen bei VdB. Bundespräsident Alexander Van der Bellen rief die drei Parteichefs zu sich – und bei einem stundenlangen Termin rauchten die Köpfe. Danach folgte längeres Schweigen – bis nach der Reihe Nehammer, Babler und dann VdB Stellung bezogen.
Kanzler Nehammer postete – nachdem er vom ÖVP-Vorstand Rückendeckung bekam – ein Video, in dem er die Neos-Entscheidung „bedauere“. Er wolle weiter Verantwortung übernehmen – aber „nicht um jeden Preis“.
SPÖ-Chef Babler trat am Abend vor die Presse und betonte: „Die Hand ist ausgestreckt“ – daraufhin gab auch die ÖVP grünes Licht: Die Verhandlungen gehen nun zu zweit weiter. Genau das verkündete dann auch der Bundespräsident: ÖVP und SPÖ würden weiter verhandeln – „und das unverzüglich“. Soll wohl heißen: Auch VdB wird schön langsam ungeduldig.