Spitze des Eisbergs

ORF-Beben: So lief der Rücktritt von Weißmann

09.03.2026

So setzte ORF-Stiftungsratschef Lederer den Rücktritt des ORF-Chefs durch.

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© APA/ROLAND SCHLAGER
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„Das ist erst die Spitze des Eisbergs. Jetzt wird es erst richtig losgehen“, sagen mehrere ORF-Mitarbeiter nach dem spektakulären Rücktritt ihres bisherigen ORF-Generaldirektors. 

Konkret geht es um Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen Roland Weißmann, die der rote ORF-Stiftungsratsvorsitzende Heinz Lederer per Aussendung und via ö1-Interview am Montag publik machte. Wenige Monate vor der ORF-Generalswahl – ursprünglich im August vorgesehen – erschüttert damit ein mutmaßlicher Skandal den ORF. Der blaue ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler fordert via oe24.TV ein „rasches Vorziehen der ORF-Wahl“.  

Lederer: Tonband-Aufnahme von Weißmann & Frau

SPÖ-Medienminister Andreas Babler – ÖVP und SPÖ hatten via Sideletter des Regierungsprogramms ausgemacht, dass die SPÖ den Stiftungsratsvorsitzenden erhalte und die ÖVP den ORF-Generalsjob – will, dass eine Frau künftig ORF-Chefin werde. 

Zumindest interimistisch soll mit Ingrid Thurnher erstmals eine Frau den Küniglberg führen. Abgesegnet muss das freilich erst am Donnerstag in der ORF-Stiftungsratssitzung. 

Hinter dem Rücktritt vom Weißmann verbirgt sich jedenfalls ein Krimi:
Am vergangenen Mittwoch wendet sich – laut mehreren ORF-Insidern – der Anwalt einer ORF-Mitarbeiterin an den ORF-Stiftungsratsvorsitzenden Lederer. Mit Vorwürfen gegen den amtierenden ORF-General, der einst von der ÖVP eingesetzt wurde.

Nicht erste me-too-Vorwürfe

Konkret habe es sich um Dokumente in „Schrift, Ton und Bildmaterial“ gehandelt, berichtet Lederer jetzt.  

Der Rote – mittlerweile ist auch sein Stellvertreter, ÖVP-ORF-Stiftungsrat Gregor Schütze involviert, verspricht „volle Aufklärung“ und „null Toleranz“. Und er stellt dem ORF-Chef ein Ultimatum zurückzutreten. Dessen Anwalt, Oliver Scherbaum, sieht nun wiederum die „Persönlichkeitsrechte“ von Weißmann verletzt und sagt, dass der zurückgetretene ORF-Chef bis jetzt nicht den „genauen Sachverhalt“ kenne. Die Vorwürfe würden aus 2022 stammen und es gebe bereits eine Einigung mit der Frau. Es ist nicht das erste Mal, dass der ORF mit me-too-Vorwürfen konfrontiert ist. Und wenn man den unterschiedlichsten Quellen im ORF glaubt, werde Weißmann auch nicht der letzte Fall sein. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.