Mächtig Aufregung

Wirbel um Doku-Finanzierung im ORF

09.05.2026

Auf ORF III sollen einem "Standard"-Bericht zufolge von ÖBB und Wirtschaftskammer beauftragte Dokumentationen ausgestrahlt worden sein, was aber nicht offengelegt wurde.  

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Die Zeitung schreibt von "brisanter Finanzierung". ORF III habe etwa für die Rechte an der Doku "100 Jahre ÖBB" nur 1.500 Euro an Lizenzgebühren ausgegeben. Produziert wurde sie im Auftrag der Bundesbahnen, wie Verträge zeigen würden, die dem Blatt und dem Investigativpodcast "Die Dunkelkammer" vorliegen.

"Es handelt sich bei der '100 Jahre ÖBB'-Doku um einen klassischen Kauf mit Bearbeitungsrechten", hieß es in einer Stellungnahme des ORF nach APA-Anfrage. "Zuständiger Redakteur war der Leiter der ORF III Zeitgeschichte-Redaktion. Den Erfordernissen des ORF-Gesetzes wurde entsprochen. Gleiches gilt für die anderen genannten Programmankäufe, für die bis Ende 2021 Eva Schindlauer als kaufmännische Geschäftsführerin verantwortlich war."

ÖBB: Ungeschönte Aufarbeitung vertraglich festgehalten

Die ÖBB bestätigten laut "Standard", die Produktionskosten in Höhe von 50.000 Euro getragen zu haben. "Es wurde explizit und vertraglich festgehalten, dass die Geschichte 'ungeschönt' aufgearbeitet werden soll", wurde ein Sprecher des Bahnkonzerns zitiert. Das Drehbuch sei "abgestimmt" worden. Der Film wurde nicht nur auf ORF III, sondern auch auf Krone TV ausgestrahlt und "auf Messen, Veranstaltungen und in den Sozialen Medien" gezeigt.

Ebenso seien bei "Made in Austria: Grenzenlos erfolgreich" laut "Standard" lediglich Lizenzgebühren bezahlt worden. Abrufbar ist die Dokuserie auch auf dem YouTube-Kanal der Außenwirtschaft Austria, die zur Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) ressortiert. Diese hielt auf "Standard"-Anfrage fest, dass eine Produktionsfirma beauftragt wurde, in einer Dokuserie "Bewusstsein für die Leistungen der österreichischen Exportbetriebe und deren Bedeutung für den Standort Österreich zu schaffen". Die Firma habe "diese Produktion im eigenen Namen und auf eigene Rechnung ORF III zur Ausstrahlung angeboten", so ein zitierter Sprecher der WKÖ. Auch hier legt der ORF "nichts offen", heißt es in dem Artikel.

Ebenso soll bei "Wa(h)re Kunst" nur eine Lizenzgebühr bezahlt worden sein. Die Dokureihe zeigt Interviews mit Kunstsammlern, Galeristen oder Künstlern. "Die journalistisch gestalteten Produktionen werden von mir und meinem Team entwickelt, der ORF III Redaktion angeboten und nach Fertigstellung redaktionell durch ORF III abgenommen", wird Geschäftsführer Marc Zimmermann von Pop-Up-Media, die "Wa(h)re Kunst" und den ÖBB-Film produziert hat, zitiert.

Auch andere merkwürdige Finanzierungsformen

Es gebe der Zeitung zufolge "auch andere merkwürdige Finanzierungsformen": Im Jahr 2023 habe der ORF etwa 60.000 Euro beigesteuert, um die Doku "Ganz Wien - 40 Jahre Donauinselfest" mitzufinanzieren, "ohne die redaktionelle Hoheit über die Sendung zu haben". Den Großteil der 200.000 Euro teuren Produktion habe der SPÖ-nahe Verein Pro Event bezahlt. Dieser veranstaltet das Donauinselfest. Außerdem habe der ORF lediglich ein Drittel der Kosten für die Doku "Erwin Pröll von A-Z" finanziert. "Zwei Drittel der Kosten übernahm zunächst die externe Produktionsfirma, anschließend verkaufte sie die Rechte für die DVD-Lizenzierung direkt an den niederösterreichischen Bauernbund, also eine Teilorganisation der ÖVP."

Der ORF verwies laut "Standard" darauf hin, dass es nach einer umfassenden Compliance-Untersuchung gegen ORF III-Programmchef Peter Schöber zu Reformen gekommen sei. Recherchen von "Standard" und "Dunkelkammer" würden aber offenlegen, "dass weiterhin fragwürdige Kooperationspartner ausgewählt werden". So habe der ORF bei der Produktionsfirma big5comm drei Folgen einer Dokuserie mit dem Titel "Wenn Versorgung zur Ware wird" bestellt. Für unabhängige TV-Dokus sei Big5Comm zumindest bisher "nicht bekannt", schreibt "Der Standard".

ORF: Vergabe im Sinne des Bestbieter-Prinzips

"Die Ausstrahlung der Produktion ist für Herbst 2026 geplant; die Vergabe erfolgte nach der Einladung zur Angebotslegung an mehrere Firmen im Sinne des Bestbieter-Prinzips", heißt es in der schriftlichen Stellungnahme des ORF an die APA. "Peter Schöber war in den Auswahl- und Vergabeprozess nicht eingebunden. Die Themenauswahl und die Beurteilung der inhaltlichen Konzepte erfolgte durch die Themenmontag Redaktion. Die Auswahl der einzuladenden Produktionsfirmen wurde von der kaufmännischen Geschäftsführerin getroffen und in weiterer Folge in Abstimmung mit der Themenmontag Redaktion vergeben." Die redaktionelle Verantwortung für diese Koproduktion liege bei der zuständigen Redaktion. "Im gegenständlichen Fall handelt es sich um eine klassische, von Filmfonds Wien, Land NÖ und RTR geförderte Coproduktion; allfällige Kunden der Produktionsfirma sind an der Finanzierung nicht beteiligt."