Stadtrat mit Corona-Appell

Hacker: Darum soll man nicht auf Ski-Urlaub fahren

Der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) erklärt, wie er zu den Massentests steht, wie sie abgewickelt werden sollen und warum Ski-Urlaub heuer keine Option sein sollte.
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oe24.TV: Die Massentests in Wien starten schon früher als angenommen, schon am 2. Dezember. Kann sich das überhaupt ausgehen?

Peter Hacker: Es war ein Vorschlag. Wir sind ja im Augenblick in einer Planungsphase. Wir haben sehr, sehr spärlich Informationen bekommen über einen sehr langen Zeitraum. Es gibt dann aber doch den Ministerratsbeschluss vom Dienstag, der einiges an Klarheit geschaffen hat. Auf den kann man jetzt eine Planung aufbauen, was die Aufgabe der Gesundheitsbehörde in Wien ist. Und zunächst sind ja die Vorarlberger mit der Ankündigung vorgeprescht, dass sie die Massentests eine Woche vorziehen wollen, weil ja die Quarantäne zehn Tage dauert und diese nicht über die Weihnachtsfeiertage hinweg gelten soll. Ich finde, das ist ein gutes Argument. Nachvollziehbar. Schlüssig. Es haben sich dann auch gleich die Salzburger und die Tiroler angehängt. Und mit dieser Frage haben auch wir uns beschäftigt und das würde bedeuten, dass wir bis zum 13. Dezember fertig sein müssten. Und für eine Zwei-Millionen-Stadt gibt es für eine solche Testung noch kein Vorbild. Nach Rücksprache mit dem Bundesheer haben wir uns darauf verständigt, dass wir 300 Testlanes brauchen. Wenn wir das zwölf Tage lang machen, dann ist die Zielzahl von 1,2 Millionen Testpersonen erreichbar. Das ist jetzt einfach die Planungsannahme gewesen. Und da stellt sich die Frage: Sind das Bundesheer und die IT-Techniker bis dahin in der Lage alles auf die Beine zu stellen? Das weiß ich einfach nicht. Aus unserer Sicht wäre das eine gute Vorgangsweise, um viele Dinge unter einen Hut zu bekommen. (...) Für die Stadt ist der Zeitplan jedenfalls machbar.

oe24.TV: Wie wird das konkret ablaufen? Ich mach den Antigen-Test, wie schnell bekomme ich das Ergebnis?

Hacker: Das Antigen-Testen gehört dem Bundesheer. Ein Ergebnis ist binnen 10 bis 15 Minuten da. Man wartet vor Ort. Wenn das Ergebnis positiv ist, geht man sofort weiter zur nächsten Station, das ist die Gesundheitsbehörde, und macht dort einen Gurgeltest, gibt den Gurgeltest ab, bekommt eine FFP2-Maske und fährt nach Hause und wartet zuhause auf das Ergebnis des Gurgeltests. Ist der Gurgeltest negativ, kann jeder wieder ganz normal sein Leben leben. Ist das Ergebnis positiv, muss man in Quarantäne.

oe24.TV: Wie lange dauert es bis ich das Ergebnis des Gurgeltests habe?

Hacker: Im Durchschnitt sind wir im Augenblick zwischen 24 und 30 Stunden.

oe24.TV: Wie sehen Sie die Massentests? Von der Bundesregierung wurde indirekt angedeutet, dass die Stadt Wien hier nicht ganz an Bord ist.

Hacker: Mich braucht man überhaupt nicht von in Masse testen und viel testen überzeugen. Ich habe mich viele Monate lang kritisieren lassen müssen, dass wir in Wien so viel getestet haben. Wie sich aber gezeigt hat, ist die Strategie ja nicht ganz falsch. Wir sind jetzt schon seit längerer Zeit das Bundesland mit der niedrigsten 7-Tages-Inzidenz. (...) Das was wir kritisiert haben, war die organisatorische Zusammenarbeit in dem Moment, in dem der Bundeskanzler Massentests ankündigt und wir zehn Tage warten mussten bis Unterlagen da waren. Diese Unterlagen sind jetzt da.

oe24.TV: Mit wie viel Personen rechnen Sie, die an den Tests teilnehmen?

Hacker: Mit 60 Prozent, also 1,2 Millionen Menschen. Mit dieser Kapazitätszahl haben wir jetzt gerechnet und danach die organisatorischen Fragen orientiert.

oe24.TV: Sehen Sie diese Massentests ein bisschen auch als Testlauf für's Impfen?

Hacker: In einigen Aspekten. Jetzt planen wir 150.000 Testungen am Tag. Das wird nicht realistisch sein, dass wir jemals so viel Impfstoff haben, dass wir 150.000 Impfungen an einem Tag durchführen können. Aber was wir schon lernen können: Wie funktionieren diese Terminreservierungen in einer derartig großen Quantität? Wie funktionieren die Ordnungssysteme vor Ort? Aber wahrscheinlich haben wir durch die Teststraßen, die es in Wien ja bereits schon seit Monaten gibt, insgesamt viel gelernt, für das Impfen gegen Covid-19 im Frühjahr oder Sommer nächsten Jahres.

oe24.TV: Die Bundesregierung hat nun auch einen Impfplan vorgelegt. Ist das Ihrer Meinung nach ein gutes Konzept?

Hacker: Da sind wir viel konkreter als bei den Massentests und da gibt es auch eine gute Zusammenarbeit.

oe24.TV: Was rechnen Sie: Lässt sich die breite Masse impfen?

Hacker: Ich glaube, dass es sehr viele Menschen sich impfen lassen. Wir sind nun mal ein Volk von Skeptikern und da sagen viele in Umfragen ''Schauen wir mal''. Das entspricht ja auch unserer Mentalität. Ich bin mir sicher, dass der Zulauf zu dieser Impfung ein großer sein wird.

oe24.TV: Sie haben sich diese Woche gesagt, dass Sie von Ski-Urlaub absehen würden. Warum sind Sie da so vehement dagegen?

Hacker: Wir haben im Augenblick eine um 25 Prozent gestiegene Arbeitslosigkeit. Wir haben eine unfassbare Menge an Menschen in Kurzarbeit. Deren geringste Sorge ist derzeit sich einen Ski-Urlaub leisten zu können. Und daher ist die Politik aufgerufen, sich auch mt den Dingen zu beschäftigen, die die Menschen wirklich bewegt. Hab ich meinen Arbeitsplatz noch? Kann meine Firma wieder in Betrieb gehen? Bei allem Respekt für den Alpentourismus: Die Hotellerie in den Städten ist seit Februar heruntergefahren. Ich verstehe, dass man versucht diesen Tourismus nach oben zu schrauben, aber ich halte das für den falschen Zeitpunkt. Wir haben derzeit andere Fragestellungen, die wir lösen müssen. (...) In anderen Regionen habe ich nicht gehört, dass es jemals mit einem derartigen Aufwand ein Konzept für den Städtetourismus gegeben hätte, der mindestens die gleiche wirtschaftliche Kraft hat wie der Wintertourismus. Daher denke ich ist die Botschaft falsch gesetzt. Der Hotelbetreiber in Wien versteht die Welt schon lange nicht mehr. Der gesamte Bereich der Veranstalter versteht die Welt nicht mehr. Der ganze Kunst- und Kulturbereich ist stillgelegt. Kleine Geschäfte kämpfen ums Überleben und wissen nicht wie das nächste Jahr funktionieren soll und dann beschäftigt sich das Land ausschließlich mit dem Skifahren. Ich halte das für ein falsches Zeichen.

oe24.TV: Sollten die Skigebiete überhaupt öffnen?

Hacker: Ich habe kein Problem damit, wenn die Leute, die dort wohnen Skifahren gehen. Aber es geht um die Frage des Anziehens von Urlaubern, was automatisch zu einer großen Anzahl von Menschen führt. Wir haben nach wie vor eine extrem hohe Infektionsrate in Österreich und wir müssen es jetzt schaffen diese Infektionsrate mit einer langfristigen Perspektive runter zu kriegen. Wenn wir jetzt wieder 14 Tage Halligalli machen, dann werden Ende Jänner die Zahlen noch einmal nach oben schnalzen. Das wuird weder die Wirtschaft noch unser Gesundheitssystem noch einmal aushalten.