Über Pandemie und Impfanreize
Rendi-Wagner fordert Impf-Hunderter
Oe24.TV: Sie haben gesagt, dass wir die Fehler vom letzten Sommer wiederholen. Was läuft Ihrer Meinung nach im Pandemie-Management derzeit schief?
Pamela Rendi-Wagner: Der Sommer ist nicht genutzt worden, um die Infektionszahlen zu senken. Man hätte schon vor dem Sommer den Sommer sicher gestalten müssen, Stichwort Reiserückkehrer, und auch die Schulen auf den Herbst vorbereiten müssen. Das Allerwichtigste wäre es gewesen, die Impfquote noch vor dem Sommer zu heben. Viele andere EU-Länder, z.B. Dänemark, haben das geschafft.
Oe24.TV: Es wird an den Grenzen kaum kontrolliert, wer hat da versagt?
Rendi: Das hätte auch eine Lehre aus dem letzten Sommer sein müssen. Ein verpflichtender PCR-Test für alle Rückkehrer wäre am besten gewesen. Damit hätte wir sicher 30 bis 40 Prozent der Infektionen vermeiden können.
Oe24.TV: Was würden Sie jetzt konkret machen, wenn Sie Kanzlerin wären?
Rendi: Ich hätte nicht den Sommer verschlafen, sondern hätte alles getan, um gut vorbereitet in den Herbst zu gehen. Jetzt ist Feuer am Dach. Wir müssen daher den Schulstart so sicher wie möglich machen. Zusätzlich braucht es 1G bei großen Veranstaltungen und eine 3-G-Regel am Arbeitsplatz.
Oe24.TV: Die Impfrate ist im EU-Schnitt sehr niedrig, was muss passieren, damit es schneller geht?
Rendi: Es braucht gezielte Kampagnen, jede Altersgruppe muss einzeln angesprochen werden. Man muss die Menschen in einer klaren Sprache ehrlich informieren. Bei den Jungen braucht es Anreize: Ich bin für einen Impf-Hunderter. Warum nicht? Es gibt viele internationale Beispiele dafür. Wir haben so viel zu verlieren, wenn wir die Impfrate nicht auf 80 % heben.
Oe24.TV: Was halten Sie von dem geplanten degressiven Arbeitslosengeld?
Rendi: Weniger als jetzt halte ich für inakzeptabel. Nach eineinhalb Jahren Krise hat sich die Wirtschaft etwas erholt – Langzeitarbeitslosigkeit jedoch nicht. Diesen jetzt mit noch weniger Geld und der Streichung ihrer Zuverdienste zu drohen, halte ich für sehr zynisch.