Politik-Insider von Isabelle Daniel
Rendi-Wagners Schlappe schwächt die SPÖ
Die stehenden Ovationen dauerten minutenlang. Pamela Rendi-Wagner wirkte gestern überrascht. Ihre Rede – neben den sozialen Schwerpunkten vor allem die Absage an „das türkise System“ – schien Balsam für die rote Seele. Aber der Schein trog. Obwohl sie in den vergangenen Wochen versucht hatte, die Partei zu einen, sorgten ihre roten Widersacher gestern für ein peinliches Ergebnis für sie.
„Sie schafft mehr als Werner Faymann damals“, meinten mehrere rote Funktionäre vor dem Parteitag. Dass sie nur 75 Prozent als Parteivorsitzende erhielt, schwächt die Parteichefin nun erneut.
"Doskozil-Kreis" größer als angenommen
Der Kreis um Burgenlands Hans Peter Doskozil hat offenbar doch mehr Gewicht als bisher gedacht. In den vergangenen zwei Wochen, berichten SPÖ-Spitzenfunktionäre, hätten „Vertreter der SPÖ Burgenland versucht, bei uns Stimmung gegen Rendi zu machen“. Das Ergebnis zeigt freilich, dass das nicht nur das Burgenland betrifft.
Wiens SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig hatte gestern hingegen versucht, die Seinen auf Rendi-Wagner einzuschwören. Er weiß, dass das schwache Ergebnis von Rendi-Wagner die SPÖ jetzt insgesamt schwächt.
Vor allem, da ihre Gegner keine Alternative für die jetzige SPÖ-Chefin präsentieren. Der Machtkampf in der SPÖ ist trotzdem eröffnet.