Wird Montag als Kanzler angelobt
Schallenberg: Ein ›Graf‹ wird jetzt Kanzler
Wien. Mit schwierigen Missionen ist Alexander Schallenberg (52) bestens vertraut – und auch im Vertreten der türkisen Regierungsriege hat er schon Übung. Immerhin war der Karrierediplomat, der in Bern (CH) geboren wurde und an den Botschafterstationen seines Vaters in Indien, Spanien und Paris aufwuchs, schon einmal Interims-Minister: Als Außen- und später auch Kanzleramtsminister fungierte Schallenberg in der Expertenregierung von Brigitte Bierlein.
Freundliches Gesicht der türkisen Hardliner
Karriere. Begonnen hat Schallenbergs Karriere so richtig unter Sebastian Kurz als Außenminister – er wurde Leiter der strategischen außenpolitischen Planung, übernahm dann 2018 die Rolle des EU-Sektionschefs im Kanzlermt – und erwies sich dabei immer wieder als treuer Paladin von Sebastian Kurz.
Wo etwa Karl Nehammer die Rolle des Mannes fürs Grobe einnahm, tauchte Schallenberg mit gewählten Worten, adliger Zurückhaltung und stets freundlichem Gesicht als „Feingeist“ der Regierung auf.
Getreuer Weggefährte von Sebastian Kurz
Treue. Täuschen sollte man sich freilich in Schallenberg nicht – hinter der freundlichen Fassade steht ein konsequent türkiser Kurs, den er etwa in der Auseinandersetzung um das Flüchtlingslager in Moria (Griechenland) oder bei den Abschiebungen nach Afghanistan zwar freundlich, aber immer ganz im Sinne von Sebastian Kurz umsetzte.
Angelobung soll wohl am Montag passieren
Arbeitstier. Der vierfache Vater, der geschieden ist, ist ein Vorzeige-Diplomat wie aus dem Bilderbuch – für seine Arbeit riskierte Schallenberg alles, sogar eine Corona-Infektion, die er sich vor fast genau einem Jahr einfing.
Angelobung am Montag. Jetzt hat er sich eine Aufgabe eingefangen, die sein Karrierehöhepunkt und gleichzeitig auch der schwerstmögliche Job in dieser Republik ist – er muss die Balance zwischen aktiver Kanzlerschaft und Treue zum Boss schaffen. Angelobt wird er dafür laut Präsidentschaftskanzlei wohl schon am Montag.
Die Schallenbergs – seit fast 1.000 Jahren im Dienste Österreichs
Adel. Das Adelsgeschlecht der Schallenbergs stammt aus dem kleinen Ort Sankt Ulrich im Mühlkreis – erstmals wird die Familie im Jahre 1190 erwähnt, ab 1260 benennt sie sich nach der Burg Schallenberg in Kleinzell im Mühlkreis. Das Freiherrendiplom erhielt die Familie im Jahr 1636, 1666 wurden sie in den Reichsgrafenstand erhoben – die Vorfahren von Alexander Schallenberg waren höchstrangige Politiker und Diplomaten, darunter Landeshauptleute von Ober- und Niederösterreich, Freimaurer auf Schloss Rosenau und Kommandanten der Donauflotte. Schallenbergs Vater Wolfgang war Top-Diplomat und selbst Außenminister.