Niederösterreich

Wehrdienst: Hoher Militär für Verlängerung

16.03.2026

Niederösterreichs Militärkommandant Georg Härtinger hat sich am Montag bei einem Termin anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums der Stellungskommission in St. Pölten für eine Verlängerung des Wehrdienstes und gegen eine Volksbefragung ausgesprochen.  

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© APA/MAX SLOVENCIK
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Die technologische Entwicklung und die Stellungsstatistik der vergangenen Jahre würden die Notwendigkeit einer zeitlichen Ausweitung und von Übungen unterstreichen, erklärte Härtinger.

Die von Ministerin Klaudia Tanner (ÖVP) eingesetzte Wehrdienstkommission hat eine Variante mit acht Monaten Grundwehrdienst und zwei Monaten verpflichtenden Milizübungen empfohlen. Mit den derzeit sechs Monaten könne das Zusammenwirken nicht trainiert werden, zudem gebe es zunehmend komplexere Einsatzszenarien auch aufgrund technischer Weiterentwicklungen, sagte Härtinger. "Die Kommission empfiehlt eine Verlängerung, und ich sehe keinen Grund, daran zu zweifeln", betonte er. Eine von Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) ins Spiel gebrachte Volksbefragung "halte ich für wenig zweckmäßig", sagte der Militärkommandant zur APA. Die entsprechende Entscheidung sei durch die Politik zu treffen.

Zahl der Stellungspflichtigen gesunken

"Wir waren das erste Bundesland mit einer Stellungsstraße, welche die alte 'fliegende Kommission' abgelöst hat", sagte Härtinger anlässlich der Feier zum 50-jährigen Bestehen. Vorteil sei die "gleichbleibende Qualität" für alle. Der Standort wurde zehn Jahre, bevor St. Pölten Landeshauptstadt wurde, ausgewählt. Für jeden Zweiten sei die Stellung "der erste echte Kontakt mit dem Bundesheer", sprach der Militärkommandant von einer "Visitenkarte".

Alle Stellungspflichtigen in Niederösterreich werden in St. Pölten gemustert. Pro Woche sind es maximal 240 Personen. Die Zahl der Stellungspflichtigen ist im langfristigen Vergleich rückläufig und liegt derzeit bei rund 8.000 bis 10.000 Personen. 2024 wurden 7.845 Personen gemustert. Davon waren 82,4 Prozent tauglich - ähnlich wie 20 Jahre zuvor, informierte Thomas Kranawetter, der Leiter der Stellungsstraße in St. Pölten. Knapp 57 Prozent entschieden sich für den Grundwehr- und rund 43 Prozent für den Zivildienst. 2004 lag der Prozentsatz jener, die sich für das Heer entschieden, mit 78 Prozent noch höher. Seit 2023 werden auch Frauen gemustert, rund 50 sind es pro Jahr.

Eine Umfrage unter Stellungspflichtigen hat ergeben, dass sechs von zehn mit den Wartezeiten, sieben von zehn mit dem Ablauf der eineinhalbtägigen Musterung und acht von zehn mit der medizinischen Untersuchung zufrieden sind. Anregungen für Verbesserungen gab es etwa in Bezug auf Aufenthaltsräume oder Verringerung der Wartezeiten. Vereinzelt wurde die Unterkunft oder Verpflegung kritisiert, so Härtinger. Bei vier von zehn wurde durch die Musterung das Interesse an einer Karriere beim Heer geweckt. Die Studie soll nun auf die anderen Stellungsstraßen in Österreich ausgerollt werden.

Diskussion um Stellungspflicht für Frauen

Für viele Männer sei die Musterung die erste Gesundenuntersuchung nach der letzten Eltern-Kind-Pass-Untersuchung, sagte Kranawetter. Die Wehrdienstkommission hat in ihrem Bericht angeregt, die Möglichkeiten einer verpflichtenden Gesundheitsuntersuchung für Frauen zu prüfen. Alternativ wurde eine entsprechende Ausweitung "unabhängig von einem nachfolgenden Präsenzdienst" angeregt. Während sich Landesrätin Eva Prischl (SPÖ) und FPÖ-Landtagsabgeordneter Christian Brenner für eine Freiwilligkeit aussprachen, kann sich der St. Pöltner Vizebürgermeister und Landtagsabgeordnete Florian Krumböck (ÖVP) eine Stellungspflicht auch für Frauen vorstellen, da junge Menschen eine vollumfängliche Gesundenuntersuchung erhalten. "Im Sinne der Volksgesundheit" plädiert auch Härtinger für eine Ausweitung, sagte er auf APA-Nachfrage.