Die 75 Neuen
Sturm auf die Mittelschulen
Unterrichtsministerin Claudia Schmied hat 75 neue Standorte genehmigt.
Noch herrscht die Ruhe vor dem Sturm. Doch in acht Tagen startet ein beinharter Wettlauf – die Schul-einschreibungen gehen los. Noch nie haben sich die Kinder so um einen Schulplatz gerissen wie in diesem Schuljahr. Der Grund: Der Run auf die Neue Mittelschule wird von Jahr zu Jahr größer. Aber die Plätze sind begrenzt.
Warum ist die gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen derart beliebt? Unterrichtsministerin Claudia Schmied erklärt es so: „Die bestehenden Standorte entwickeln sich glänzend. An all diesen Schulen stehen Eltern, Schüler und Lehrer hinter dem Projekt. Sie wollen gemeinsam eine bessere Schule für ihre Kinder.“
20.000 Schüler in Mittelschule
245 Standorte existieren
bereits. In dieser Woche wurden vom Unterrichtsministerium 75 Neue
Mittelschulen bewilligt (siehe Liste unten). So gibt es nächstes Schuljahr
320 Neue Mittelschulen mit rund 1.650 Klassen und 35.000 Schülern. Das ist
aber immer noch zu wenig. „Die 75 Standorte können zirka 4.200 Kinder
aufnehmen. Wir hätten aber doppelt so viel gebraucht, weil die Nachfrage
derart groß ist“, analysiert die Unterrichtsministerin.
68 Schulen abgelehnt
Viele Bundesländer wie Vorarlberg sind
allerdings leer ausgegangen. Schuld an der Misere ist vor allem die aktuelle
Gesetzeslage. Da die Neue Mittelschule den Status eines Schulversuchs hat,
dürfen nicht mehr als zehn Prozent aller Pflichtschulen in Österreich das
neue Unterrichtsmodell anbieten.
Um alle Anträge bewilligen zu können, hätte die Regierung einer Gesetzesänderung zustimmen müssen. Ministerin Schmied kämpfte bis zuletzt, allerdings ohne Erfolg. „Die ÖVP hat bisher aus rein ideologischen Gründen die Anhebung der 10-Prozent-Grenze mit aller Vehemenz abgelehnt. Dass jetzt nicht alle Standorte genehmigt werden konnten, ist bedauerlich“, gibt sich die Ministerin enttäuscht. Dadurch würden einige Bundesländer wie eben Vorarlberg leer ausgehen.
Wohlfühlschule
Christine Schiller, Direktorin an der Wiener
Mittelschule Neustiftgasse, weiß um das Dilemma: „Wir boomen so, dass wir
zwei ganz Klassen abweisen mussten.“ Die Gründe für die Attraktivität der
Neuen Mittelschule sind mannigfach: „Ich sehe die Neue Mittelschule als
absolute Chance für die Kinder. Sie werden genau dort abgeholt, wo sie
stehen. Hier wird das Kind als Individuum wahrgenommen“, erklärt Gerda
Stingeder, Direktorin in der Neuen Mittelschule Pressbaum. Auch sie führt
bereits Wartelisten. „Wenn es so weitergeht, werden wir unser großes Ziel
der gemeinsamen Schule der 10- bis 14-Jährigen bald erreicht haben! Dann
wird auch die ÖVP ihre Haltung überdenken“, hofft Schmied.