Freudentaumel
Tiroler Schalke-Coach Muslic lässt "Königsblau" feiern
03.05.2026Der österreichische Trainer formte binnen einer Saison aus dem Krisenclub einen Aufsteiger. Mit Schalke 04 bekommt die Deutsche Bundesliga eine große Attraktion zurück.
Gelsenkirchen. Mehr als 60.000 Menschen in der Arena, Hunderttausende in den Straßen und Kneipen: Gelsenkirchen hat am Samstagabend den Ausnahmezustand ausgerufen und den Aufstieg des FC Schalke 04 gefeiert. Ein 1:0-Erfolg gegen Düsseldorf besiegelte nach drei Jahren bitterer Zweitklassigkeit die Rückkehr von "Königsblau" in die deutsche Fußball-Bundesliga. Schalkes österreichischem Coach Miron Muslic gelang damit das, woran eine Handvoll Trainer vor ihm gescheitert waren.
"Das lassen wir uns von keinem mehr nehmen. Wir lassen uns von keinem mehr aufhalten", hatte Muslic schon vor dem Spieltag angekündigt. Er hielt sein Versprechen und führte den Revierclub 1.071 Tage nach dem bis dato letzten Erstligaspiel wieder ins Oberhaus.
"Mir geht das Herz auf. Wir wissen, wie schwer der Rucksack war", sagte Muslic. Seine Mannschaft habe in den letzten Monaten viele Hürden und Widrigkeiten überwinden müssen und sich nun für "eine überragende Saison" belohnt.
Muslic fehlendes Puzzleteil
Muslic ist ein wesentliches Puzzlestück zum Erfolg, das dem notorischen Krisenverein lange abgegangen war. Als der gebürtige Bosnier und in Tirol aufgewachsene Fußballlehrer Schalke im vergangenen Sommer übernahm, hatte der Zweitligist gerade eine furchtbare Saison hinter sich. Die Gelsenkirchener vermieden damals mit Mühe den Absturz in die Drittklassigkeit. Seit dem Bundesliga-Abstieg 2023 war Schalke quasi von einer Krise in die nächste getaumelt, fünf Trainer wurden verschlissen.
Muslic gelang die Kehrtwende. Der 43-Jährige formte aus einem Team, das von den eigenen Fans verspottet wurde, binnen einer Saison einen überzeugenden Aufsteiger. Er verordnete den Schalkern einen neuen, aggressiven Spielstil mit klaren Prinzipien und einem gewissen Pragmatismus. "Jeder kennt seine Aufgabe, kämpft für den anderen und weiß, was der Plan ist", erklärte Abwehrspieler Mertcan Ayhan.
Baumann als Baumeister
Ein weiterer Glücksgriff war das Engagement von Frank Baumann als Sportvorstand. Der frühere deutsche Nationalspieler tut dem chronisch aufgeregten Traditionsclub mit seiner ruhigen, sachlichen Art spürbar gut. "Nach zwei Jahren Abstiegskampf in der zweiten Liga wäre es vermessen, von großen Zielen zu sprechen", sagte der 50-Jährige nach Amtsantritt. "Wir sollten demütig sein, realistisch sein." Die bescheidene Herangehensweise zahlt sich nun aus.
Baumann hat die Mannschaft mit klugen Transfers unter komplizierten Bedingungen - Schalke ist nach wie vor hoch verschuldet - deutlich besser gemacht. Nach einem guten Herbst wurde im Winter noch einmal nachjustiert und unter anderem der Wiener Mittelfeldspieler Dejan Ljubicic sowie Altstar Edin Dzeko verpflichtet. Der neunfache ÖFB-Teamspieler Ljubicic überzeugte in den letzten Wochen als Torschütze und Assistgeber. Auch die Dzeko-Verpflichtung erwies sich als echter Coup. Der zuletzt verletzte 40-Jährige erzielte in acht Spielen sechs Tore und bereitete drei weitere Treffer vor.
Die Bundesliga bekommt damit eine ihrer größten Attraktionen mit großer Strahlkraft zurück. Mit mehr als 60.000 Zuschauern haben die Gelsenkirchener hinter Borussia Dortmund und dem FC Bayern auch als Zweitligist den dritthöchsten Zuschauerschnitt im deutschen Fußball. Auch bei den Vereinsmitgliedern liegt Schalke hinter den Münchnern und dem BVB auf Rang drei.