Gruppe F
Paraguays "Albirroja" peilt Großes an
18.05.2010
Südamerikaner mit achter Teilnahme bereits WM-Fixgröße.
Im Schatten der großen Nachbarn Brasilien und Argentinien hat sich das "kleine" Paraguay zu einem echten WM-Dauerbrenner entwickelt. Seit 1998 hat Paraguay, geografisch zwischen den beiden Fußball-Großmächten gelegen, keine Weltmeisterschaft verpasst und steht 2010 zum insgesamt achten Mal in einer Endrunde.
Historie
In der Südamerika-Qualifikation bot die Mannschaft um
den Argentinier Gerardo "Tata" Martino die bis dato beste Vorstellung ihrer
Historie. Zehn Siege in 18 Partien standen am Ende zu Buche, das Ticket
buchte das nach den Trikot-Farben (weiß-rot) "Albirroja" genannte Team mit
einem umjubelten 1:0 gegen Argentinien vorzeitig. Bei Endrunden war für die
oft übervorsichtig agierenden Paraguayer bisher aber wenig zu holen. Jüngste
Erfolge sind die Achtelfinal-Einzüge in Frankreich 1998 und Japan/Südkorea
2002.
Martino
Nach einem weiteren Vorrunden-Aus in Deutschland beerbte
Martino den Uruguayer Anibal Ruiz. Dass er seit 2002 in Paraguay arbeitet,
kommt dem 47-Jährigen auch verbal zugute. So ist die Indio-Sprache Guarani,
neben Spanisch die zweite offizielle Landessprache, bei 90 Prozent der 6,6
Mio. Paraguayer in den täglichen Sprachgebrauch eingeflossen und auch im
Nationalteam Usus.
Die Stars
Paraguay vertraut traditionell auf eine gefestigte
Abwehr, setzt unter Martino aber auch offensive Akzente. Die Stars finden
sich in der Angriffsabteilung. Bekanntester Name ist Roque Santa Cruz, der
bei Manchester City aber nicht über die Reservistenrolle hinauskommt.
Gesetzt scheinen deshalb Nelson Haedo Valdez (Borussia Dortmund) und Oscar
Cardozo (Benfica). In die Schlagzeilen kam in den vergangenen Monaten
Salvador Cabanas, der nach einem Kopfschuss um sein Leben bangen musste. Die
WM erlebt der Mexiko-Legionär deshalb nur vor dem TV-Gerät.
Beste Nationalmannschaft
In Gruppe F treffen die "Guaranis" auf
Weltmeister Italien, Neuseeland und die Slowakei. Ihr Ziel haben die
Südamerikaner hoch geschraubt. "Das ist die beste Nationalmannschaft, die es
je gab. Unser Minimalziel ist das Achtelfinale", sagte Valdez.
"Gauchos"
Eine Kontroverse löste kurz vor der WM auch
die Einbürgerung des argentinischen Angreifers Lucas Barrios aus. Da bereits
drei gebürtige "Gauchos" für Paraguay spielen, vermuteten Kritiker eine
Bevorzugung seiner Landsmänner durch Martino. Dieser konterte auf ironische
Weise: "Man wird mich nicht deshalb aufhängen, weil ich viele eingebürgerte
Spieler einsetze. Sondern nur dann, wenn wir verlieren sollten."