Armin Assinger

"Wie nach einem Box-Fight gegen Mike Tyson"

06.02.2026

Vor dem Abfahrts-Highlight am Samstag (11.30 Uhr, ORF1 live) beobachtete Ski-Experte Armin Assinger das erste Damen-Training und hatte dazu einige kritische Anmerkungen.

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© gepa
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Mamma mia, che incredibile! Ja, das beschreibt das Chaos rund um das erste Damentraining auf der sehr schwierigen und ungemein herausfordernden Tofana zu Cortina wohl am besten!

Klar, am Nebel ist niemand schuld, auch nicht am halben Meter Neuschnee, den es herunterg’haut hat, aber sehr wohl an der Ausformung der Sprünge und Wellen sowie den Rutschkommandos. Gibt es das Wort "Rutschkommando" überhaupt im Italienischen? Zwei Hansln schabten mit Rechen den Zielsprung ab, mit großartiger Körperbeherrschung, denn sie behielten die sperrigen Skier an (!), zwei Verwegene schaufelten vereinzelt Schnee aus der Spur, vier Hartgesottene bildeten das sogenannte Rutschkommando! Mit Ruhm hat sich Renndirektor Peter Gerdol mit seinem Team hier nicht bekleckert.

Hält Vonns Knie auch, wenn es um die Wurscht geht?

Froh können wir Skifans darüber sein, dass das derzeit wichtigste Knie der USA, das von Lindsey, offensichtlich hält. Trotzdem bleibt abzuwarten, wie sie das dann, wenn es um die „Wurscht“ geht, psychisch wird wegstecken können.

Gott sei Dank ist das Daniel Hemetsberger ganz gut gelungen. Gleich nach seinem Crash das Abschlusstraining zu fahren, war enorm wichtig und gab ihm die Gewissheit, zumindest so fit zu sein, um am Samstag attackieren zu können.

Hemi sah aus wie nach einem Fight gegen Mike Tyson

Der Daniel ist von Haus aus schon eine ziemliche „Kantn“, aber jetzt, mit dem malträtierten Gesicht wirkt er schon ziemlich angsteinflößend! Als ob er einen Fight gegen Mike Tyson überstanden hätte.

Brutal gefightet wird auch auf der Stelvio. Diese Abfahrt verlangt einem höchste Konzentration, viel Selbstvertrauen, herausragende Technik und wahnsinnig viel Kraft ab. Das alles bringt Franjo von Allmen ausreichend mit, wenngleich er am Freitag ein ziemliches Massl gehabt hat, als er in der „Curva Hemi“ fast zu Sturz gekommen wäre. Ein Flüchtigkeitsfehler von ihm war das, ganz klar und ein Weckruf obendrein. Easy cheesy geht da nix!

Vinc Kriechmayr schon wieder fast der Alte

Dagegen hochkonzentriert unterwegs war der zweite Oberösterreicher. Abschnittsweise war das schon wieder der Vinc, wie wir ihn schon so oft gesehen haben und wenn es ihm gelingt, ohne Verkrampfung noch 2, 3 Prozenterl aus der Piste heraus zu quetschen, dann ist was drin! Blöderweise gilt das aber für die Odermatts, Franzonis, Monneys und wie die Favoriten alle heißen gleichermaßen.
Nach der Papierform sind die Italiener und die Schweizer die großen Favoriten und alles andere als Gold für eine dieser Nationen wäre für sie eine Niederlage. Ja ja, die Papierform! Ich weiß aber auch genau wie Sie, liebe Leserinnen und Leser, dass Papier geduldig ist!

Daher warten wir einmal ab, drücken dem Team Austria beide Daumen und hoffen auf den Olympiaeffekt. Und pfeifen auf Murphy’s Law, wonach alles, was schiefgehen kann, schiefgeht.

Armin Assinger ist ehemaliger Skirennläufer (4 Weltcupsiege) und langjähriger ORF-Skianalytiker.