Snowboard

Doppelolympiasiegerin Gasser: "Man muss wissen, wenn's genug ist"

10.02.2026

Vom Stadionsprecher als "Queen of Snowboard" gefeiert, ist Doppel-Olympiasiegerin Anna Gasser nach Platz 8 im Big-Air bereit, die Krone abzugeben. Ein Ass hat die 34-Jährige allerdings noch im Ärmel ...

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© gepa
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Erstmals heißt eine Snowboard-Olympiasiegerin im Big Air nicht Anna Gasser. Bei der dritten Auflage auf der größten Sportbühne der Welt waren die jungen Wilden stärker. "Heute habe ich die Big-Air-Krone weitergereicht an die nächste Generation", so die Kärntnerin Montagabend in Livigno. "Das ist ein natürlicher Prozess. Ich wusste, dass dieser Moment irgendwann kommen wird und die Jungen Übermacht kriegen."

Unsere Snowboard-Queen verlässt die Big-Air-Bühne mit erhobenem Kopf: "Das Level war fantastisch. Ich bin einerseits traurig und enttäuscht, andererseits aber auch stolz und freue mich für meinen Sport." Allerdings müsse sie alles "noch verarbeiten."

Schulterverletzung im Sommer war Anfang vom Ende

Nach ihrer Schulterverletzung, zugezogen im Sommer beim Surfen auf einer künstlichen Welle in München, war sie bis zum Höhepunkt keinen einzigen Big Air in diesem Winter gefahren. Dass es nach den zwei Goldmedaillen 2018 und 2022 dieses Mal schwierig werden könnte, hatte sie schon während der ersten Trainings im olympischen Snowpark gespürt: "Ich war nicht gleich so locker. War es die Schulter, oder das Alter, wer weiß?" Gewiss fehlten ihr die zigfachen Wiederholungen am Airbag, einem aufblasbaren Riesenkissen, und auch auf Schnee. Vor allem aber auch die Selbstgewissheit, die allerschwersten Sprünge bereits gelandet zu haben. "Wenn Olympia einen Monat später wäre, wäre es für mich perfekt."

Vor stimmungsvoller Kulisse in den norditalienischen Alpen verpatzte die Kärntnerin am Montag ihre ersten beiden Versuche - haarscharf. Sie kam erst gar nicht mehr dazu, ihr Trumpfass, einen 14er mit "einem Grab, den sonst niemand macht", auszuspielen. Die Neuseeländerin Zoi Sadowski-Synnott, die zu Gassers besten Freundinnen zählt, stand einen solchen Trick mit vier kompletten Rotationen und holte Silber. Gold ging an die 21-jährige Japanerin Kokomo Murase.

"Die Mädels fangen immer früher an, es ist einfach ein professionellerer Sport geworden", so Gasser über den stetigen Fortschritt. Zu ihrer Anfangszeit 2013 habe es nicht einmal Trainer geschweige denn physiotherapeutische Behandlung gegeben. "Ich bin inspiriert von der jungen Generation und stolz, dass ich mich da immer noch halte." Im 12er-Finale war die zweitälteste Athletin neun Jahre jünger als Gasser. Der Altersdurchschnitt betrug gerade einmal 20,6 Jahre.

Gasser ließ sich über die Jahre von den Youngsters mitziehen, während die Nachdränglerinnen zu ihr hoch schauen. "Es ist unglaublich, was die Anna macht", sagte Hanna Karrer. Die 18-jährige Steirerin schaffte es bei ihrem Olympia-Debüt auf Platz zwölf. Sie verkörpert die Freestyle-Zukunft und wird die rot-weiß-rote Fahne hochhalten, wenn Gasser in die Sportpension gewechselt ist. Bis es soweit ist, zapft sie das geballte Wissen ihrer Landsfrau an. "Ich bekomme richtig gute Tipps, wo ich allein noch nicht draufgekommen wäre."

Gasser ist Karrers Mentorin - und früheres Vorbild der aktuellen Weltelite. Murase etwa, die nun amtierende Olympiasiegerin, hatte als Jugendliche ein Snowboard von Gasser in ihrem Zimmer hängen. Sadowski-Synnott (24) sang bei der Sieger-Pressekonferenz gar ein Loblied. "Wenn ich jemanden nennen müsste, der den größten Einfluss auf Freestyle-Snowboarden gehabt hat, dann ist das Anna Gasser."

Letzter Medaillen-Anlauf ab Montag im Slopestyle

Das Olympia-Kapitel in Gassers Paradedisziplin Big Air ist abgeschlossen: "Man muss auch wissen, wann Schluss ist." Über ihren dritten Versuch meint sie: "Es war wirklich in meinem Kopf, dass das mein letzter Sprung ist. Ich wollte ihn genießen, nichts mehr riskieren, einfach noch mal meinen eigenen Style zeigen." In der noch folgenden Disziplin Slopestyle (Montag Quali, Dienstag Finale) wird sie ihren olympischen Abschied geben. "Ich hab noch eine Chance. Ich werde noch einmal versuchen, schönes Snowboarden zu zeigen. Und ich sage es wieder: Es ist alles möglich." Bei den vergangenen beiden Spielen war der Slopestyle-Bewerb jeweils zuerst am Programm gestanden. Quasi zum "Aufwärmen" für Gasser, die dann jeweils im Big-Air zugeschlagen hatte. Gasser: "Vielleicht ist es jetzt umgekehrt, vielleicht liegen mir die zweiten Konkurrenzen einfach besser!"