Olympia-Bilanz
Herminator-Trainer rechnet mit Alpinen ab: "Fast so schlimm wie in Sarajevo 1984"
20.02.2026Heini Bergmüller, langjähriger Trainer von Ski-Legende Hermann Maier, warnt davor, nach den aus Ski-Alpin-Sicht enttäuschend verlaufenen Winterspielen in Italien zur Tagesordnung überzugehen.
Bei aller Euphorie über 18 rot-weiß-rote Olympia-Medaillen und die Sensations-Gold-Damen Ariane Rädler und Katharina Huber in der Team-Kombi: Bergmüller wundert sich, dass die vier Medaillen der Alpinen hierzulande als Erfolg verkauft werden.
Der ehemalige ÖSV-Konditrainer rechnet mit den Alpinen ab: "Unsere Bilanz ist beschämend. Hätte man nicht die vom ÖSV geforderte neue Kombi-Variante ins Olympia-Programm aufgenommen, würden wir jetzt ganz schlecht dastehen - fast so schlecht wie in Sarajevo 1984 (als Jimmy Steiner die Nation mit Abfahrts-Bronze gerettet hatte, d. Red.): Da wären die Slalom-Silbermedaille von Fabio Gstrein und Super-G-Bronze von Conny Hütter die ganze Ausbeute." Wobei sich unser Kombi-Goldduo, so Bergmüller, beim Kurssetzer aus Österreich bedanken kann: "Der hat genau das gesetzt, was sie trainiert haben ...".
"Wir sind zurück in der Steinzeit"
Was der 73-jährige Fitness-Guru, der in den 1990er-Jahren den Olympiastützpunkt Obertauern zur Goldschmiede für Hermann Maier, Renate Götschl, Mario Reiter, Michael Walchhofer & Co. gemacht hatte, vermisst, ist "ein Konzept mit moderner Trainingssteuerung": "Was die körperlichen Grundlagen betrifft, sind wir zurück in der Steinzeit." In Zeiten vor der Erfolgs-Ära von Hermann Maier, Stephan Eberharter & Co.
Bergmüller: "Ich arbeite jetzt noch immer mit Nachwuchs-Athleten und ich bin über das körperliche Niveau der Jungen schockiert. Auf der anderen Seite werden Europacup-Erfolge gefeiert von Athleten, die bereits 25 Jahre und älter sind." Aber man dürfe sich nicht wundern: "In Zeiten, als wir mit Maier, Walchhofer oder Sykora jede Woche Weltcuprennen gewonnen haben, wurden die Basis dafür in der Vorbereitung gelegt. Es gab jeden Monat Diagnostiken am Laufband und am Radergometer, aufgrund der dort ermittelten Daten wurde das Training nachjustiert - bis in die Rennsaison hinein."
Bergmüller weiter: "Wenn ich mir anhöre, wie heute gearbeitet wird, mit vielleicht einer Diagnostik im Jahr und ohne Rhythmisierung, ist das trainingstechnisch ein Rückfall in die Steinzeit. Da darf ich mich nicht wundern, dass konstanter Erfolg ausbleibt. Das erklärt zum Beispiel, wieso Conny Hütter zu Saisonbeginn noch gewonnen hat oder Vincent Kriechmayr, wo dann nicht mehr viel gegangen ist."
- Unsere Olympia-Helden stellten Peking-Ausbeute ein - was noch möglich ist
- Kombi-Drama: Rettenegger & Lamparter nach Springen weit zurück
- GOLD-WUNDER! Rädler/Huber feiern Sensations-Sieg in Team-Kombi
"Man darf sich nicht wundern ..."
Auf der anderen Seite werde bereits in den Ski-Sportschulen zu viel Wert auf Krafttraining und Übungen wie Hügelsprints gelegt, anstatt über gezielte Ausdauerarbeit entsprechende Grundlagen zu schaffen: "Das grenzt an Körperverletzung. Da darf man sich nicht wundern, wenn Rennläuferinnen mit 18 Jahren schon den zweiten Kreuzbandriss erlitten haben."
Eine interessante Beobachtung machte Bergmüller, der in seiner Praxis in Linz bis vor kurzem mit Kombinierern gearbeitet hat, im olympischen Großschanzen-Bewerb: "Es war eine taktische Dummheit, dass man Lamparter viel zu schnell anlaufen ließ. So war er gleich im roten Bereich und konnte das Tempo nicht durchhalten. Er hätte dosiert anlaufen und auf Rettenegger warten sollen, gemeinsam hätten die beiden Gold und eine zweite Medaille herausfahren können." Zu Johannes Lamparter hat der Herminator-Macher eine eigene Meinung: "Der ist ein Supertalent, der hatte bereits mit 16 Jahren unglaubliche Ausdauerwerte. So viel kann der gar nicht falsch machen, dass er nicht Medaillen holt."