"Tut wirklich weh"
Kombi-Eklat: Lamparter nach Silbermedaille stinksauer
17.02.2026Seine zweite Silbermedaille bei den Winterspielen in Italien hat bei Johannes Lamparter große Freude, aber keinen Überschwang ausgelöst. Großen Unmut äußerte Lamparter über das Verbot, die Emotionen unmittelbar nach dem Zieldurchlauf mit seiner Familie und Freunden zu teilen.
Den Traum vom ersehnten Gold ließ neuerlich der Norweger Jens Luraas Oftebro platzen, der für den Tiroler in der Loipe wieder nicht zu biegen war. Oftebro sei einfach besser gewesen. "Ich muss anerkennen, Jens ist richtig, richtig schnell. Aber ich habe auch richtig gut performt, in beiden Disziplinen, ich kann mir nichts vorwerfen."
Beim entscheidenden Antritt des Norwegers habe er aber einen kurzen Moment zu spät reagiert. "Ich habe das ein bisschen übersehen, so ehrlich muss ich sein." Um Oftebro abhängen zu können, hätte einfach alles zusammenpassen müssen. "Er ist schlagbar, aber Gold muss passieren, das habe ich schon im Vorfeld gesagt", so Lamparter.
"Emotionen werden einem weggerissen"
Gar nicht gepasst hat Lamparter, dass er im Zielraum nicht mit seinen Liebsten und den mitgereisten Fans feiern durfte. "Das tut wirklich weh. Das ist wie, wenn man einem die ganzen Emotionen einfach wegreißt. Man darf nicht einmal hingehen und danke sagen. Es sind so viele Leute, die sich die Reise für mich antun, und dann gewinne ich eine Medaille und ich darf sie nicht in den Arm nehmen. Es ist sehr, sehr schade, wenn einem das genommen wird", bedauerte Lamparter.
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Beim ersten Bewerb vor einer Woche sei das noch möglich gewesen, diesmal habe ihn die FIS-Zuständige aber nicht durchgelassen. Das sei absolut unverständlich. "Ich versteh es nicht. Es wird alles unnötig kompliziert gemacht, mit 15.000 Akkreditierungen. Es ist sinnlos", ärgerte sich Lamparter, der das Schicksal mit dem Sieger teilte. "Jens ist es auch so gegangen, auch seine ganze Family ist da", sagte Lamparter nach einem einstündigen Interview-Marathon. Erst anschließend durfte er sich auf den Weg zu seinen Liebsten machen, die geduldig hinter den vielen Absperrungen gewartet hatten.
Hochachtung vor Lamparter, Respekt vor dem Sieger
Danach ging es für die rot-weiß-rote Abordnung weiter zur Medaillenfeier im Österreich-Hotel in Predazzo. Der letzte Bewerb am Donnerstag, der Teamsprint mit Stefan Rettenegger, werde erst danach in den Fokus rücken. "Jetzt genieße ich einmal den heutigen Tag", betonte Lamparter. Das tat auch ÖSV-Sportdirektor Mario Stecher. "Das war wieder eine coole Leistung, da kann man nur gratulieren, wunderschön", sagte der ehemalige Kombinierer. Dass die Freude bei Lamparter nicht überbordend ausfiel, könne er verstehen. "Es ist ja logisch, dass man Olympiasieger werden will, aber Oftebro ist momentan in einer sensationellen Form, das muss man neidlos anerkennen. Der Jo zweifelsohne auch, aber im Augenblick ist halt einer ein bisschen besser."
ÖSV-Cheftrainer Christoph Bieler streute seinem Musterschüler Rosen. "Diese Leistung war wieder absolut genial, er hat bewiesen, dass er ein ganz Großer ist in unserem Sport", sagte Bieler. Einziger Wermutstropfen sei der kleine taktische Fehler vor dem Antritt von Oftebro gewesen. Ebenfalls schade fand er, dass nur Lamparter in den Medaillenkampf eingreifen konnte. "Ich bin ganz ehrlich, über die erste Medaille habe ich mich mehr gefreut, weil wir uns auf der Großschanze ein bisschen mehr erwartet haben. Ich sage gar nicht medaillenmäßig, sondern, dass wir mit einem Zweiten um das Podest mitkämpfen können", so Bieler. Die Leistung von Lamparter solle das aber keineswegs schmälern, betonte der Coach.