Davis Cup
Einziger Top-100-Spieler fehlt: Österreich trifft auf Japan
28.01.2026Bereits am Freitag, und damit eine Woche vor dem Länderkampf, geht es für Österreichs Davis-Cup-Team auf die beschwerliche Reise zur ersten Qualifikationsrunde nach Tokio. Der vermeintlich beste Spieler aktuell wurde von Kapitän Jürgen Melzer aber nicht nominiert.
Das ÖTV-Team, das im Vorjahr das Final 8 in Bologna erreicht hatte, ist im Ariake Coliseum beim ersten Duell mit den Japanern nicht Außenseiter. Am 6. und 7. Februar vertreten Sebastian Ofner, Jurij Rodionov, Lukas Neumayer sowie das Doppel Alexander Erler/Lucas Miedler Rot-weiß-rot.
"Ich gehe mit einem guten Gefühl rein. Wir haben mittlerweile so ein gutes Teamgefüge, dass wir uns dort wirklich gut vorbereiten werden. Die Wahrheit liegt dann am Platz", sagte Melzer am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien-Heiligenstadt. "Wir haben definitiv unsere Chancen. Jetzt würde ich uns eine 50:50-Chance geben", erklärte der Davis-Cup-Rekordspieler vor dem Duell auf Hardcourt.
Melzer zog Neumayer Misolic vor
Die Entscheidung, mit Filip Misolic den derzeit einzigen Top-100-Spieler Österreichs nicht mitzunehmen, hat sich Melzer nicht leicht gemacht. "Es waren ein paar schlaflose Nächte. Es hat sicher auch mit dem Belag zu tun, der ist sicher nicht sein bester", erklärte Melzer auf APA-Nachfrage. Zudem spiele Misolic mit gewissem Selbstvertrauen einfach besser, und dies sei derzeit nicht der Fall. Die Entscheidung fiel daher zugunsten Neumayers. "Er ist in der Vergangenheit im Davis Cup vor allem wirklich einer gewesen, der über sich hinauswachsen kann." Zudem habe sich Misolic sein Ranking hauptsächlich auf Sand erspielt. "Es war eine harte Entscheidung, aber sie war überlegt."
Für Ofner bedeutet es ein Team-Comeback nach zwei Jahren. "Ich freue mich schon sehr. Ich habe doch einige Male absagen müssen, weil ich nicht fit war. Es ist ein guter Einstieg wieder in Japan", meinte der Steirer, der am 12. Mai seinen 30. Geburtstag feiert. Er empfindet Japan als schwierigen Gegner. "Die haben doch einige gute Spieler. In Australien hat ein Junger ziemlich gut aufgezeigt", bezog er sich auf Shintaro Mochizuki, der in der ersten Runde Stefanos Tsitsipas einen Satz abgenommen hat. Mochizuki ist als aktuell 112. im ATP-Ranking auch die Nummer eins der Gastgeber. Als zweiter Einzelspieler wird Yoshihito Nishioka (115.) erwartet.
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Genügend Zeit für Schlafrhythmuswechsel
Ofner kennt die Bedingungen in Tokio, der Davis Cup wird in der gleichen Halle gespielt wie das ATP- und WTA-500-Turnier. In Sachen Jetlag hat das Team dank der frühen Anreise genügend Zeit, sich an den Schlafrhythmuswechsel zu gewöhnen. Das erste Training vor Ort soll am Sonntagnachmittag in Szene gehen, davor steht am Vormittag ein besonderes Erlebnis zum Teambuilding auf dem Programm. "Wir haben eine Samurai-Experience gebucht", verrät Melzer und fügt hinzu: "Ich finde, es ist immer wichtig, wenn man in andere Länder reist, dass man als Team auch etwas macht und sich die Kultur anschaut."
Ofner, der in den vergangenen drei Jahren wegen Verletzungen seine Saison jeweils früher beenden musste, fühlt sich aktuell "sehr gut, alles schmerzfrei". Er wird direkt nach Tokio zu einem Challenger auf Teneriffa reisen, danach sind drei Challenger in Frankreich geplant. "Ich finde, dass ich echt ganz gut spiele. Das Training läuft super, die zwei Matches in Australien waren auf gutem Level. Ich glaube, dass ich auf einem guten Weg bin", stellte Ofner fest.
ÖTV-Präsident Ohneberg mit letzter Mission
Seine letzte Reise als ÖTV-Präsident tritt Martin Ohneberg an. Der Vorarlberger tritt bei der anstehenden Wahl im April nicht mehr an. "Mir hat die Arbeit extrem viel Spaß gemacht. Es war das Gefühl, dass es jetzt der richtige Moment ist." Ohneberg traut dem Team den Auswärtssieg zu. "Wir besitzen gute Karten, um in Japan zu bestehen. Es wäre großartig, wenn wir uns heuer wieder fürs Finalturnier der besten acht qualifizieren könnten." Bis dahin ist der Weg ein weiter. Zumindest hat man sich für den Fall eines Sieges über Japan schon Gedanken gemacht, selbst die neue Sportarena in Wien könnte, bei einer Sondergenehmigung durch den Tennisverband ITF, als Schauplatz zur Verfügung stehen.