Welt-Analyse

Erstes Osterfest für Papst Leo XIV.

04.04.2026

Die Wahl des ersten Amerikaners als Kirchen-Chef vor knapp einem Jahr überraschte alle. Was er bisher brachte.

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Rom/Vatikan. Als Robert Francis Prevost (70) im Mai 2025 im vierten Wahlgang gewählt wurde und weißer Rauch aufstieg, schauten sich Millionen Katholiken weltweit fragend an: Wer ist der Neue? Warum gerade ein Amerikaner als Pontifex?

Die Favoriten als Nachfolger von Franziskus waren damals der Italiener Pietro Parolin, Luis Antonio Tagle von den Philippinen oder Pierbattista Pizzaballa aus Jerusalem. Nur Insider tippten auf den stillen Mann aus Chicago, der 1977 dem Augustinerorden beitrat, Mathematik und Theologie in den USA studiert hatte und nach seiner Priesterweihe viele Jahre als einfacher Missionar und Ausbildner in Peru gearbeitet hat.

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Doch Ex-Papst Franziskus hatte ihn auf seiner Liste. 2023 ernannte er Prevost zum Präfekten der Bischofskongregation, eine Art Personalbüro für die Benennung von Bischöfen und damit eines der wichtigsten Büros im Vatikan. Er vertraute dem Augus­tinerpater mit peruanischer und amerikanischer Staatsbürgerschaft.

Ein neuer Mann auf der Suche nach dem Kurs

Leo der XIV. ist seit fast einem Jahr im Amt. Er kam als Brückenbauer, als „Papst der Mitte“. Körperlich ist er fit (er ist Tennisspieler), sein Führungsstil wird als zielgerichtet, aber freundlich beschrieben. Seine jahrelange Erfahrung als Missionar in Peru machte ihn zum perfekten Vermittler zwischen den extrem konservativen und progressiven Flügeln innerhalb der Weltkirche.

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Gegenpol. Er hat beste Umfragewerte, gilt als Publikumsmagnet, vor allem in den USA, als Gegenpol zu Präsident Donald Trump. Was aber macht Leo anders als Franziskus, der als sehr impulsiv galt und damit viele innerhalb der Kirche irritierte?

„Good to see you!“ Eine klare programmatische Linie, sagen viele Experten, ist noch nicht zu erkennen. Der Neue sucht noch nach seinem Kurs. Auch ist Leo XIV. keine Kopie seines Vorgängers, ebenso ist er kein reiner Anti-Trump, „doch er bietet dem Kriegsherrn Trump die Stirn“, so Vatikan-Experte Andreas Englisch.

Wie ein jung gebliebener Amerikaner

„Dass die Politik Trumps mit seiner Haltung nicht in Einklang zu bringen ist, lässt der Papst klar durchblicken. „Das liegt auch daran, dass er der erste Papst der Geschichte ist, der das Leiden in den ärmsten Ländern der Welt wirklich kennt, auch die Armut der Priester“, so Englisch, der einen Bestseller über den neuen Papst geschrieben hat. Seit seiner Arbeit als Missionar kennt er die „Wunden der Menschen“, ihre Verzweiflung und ihre Armut. Und, so Englisch: „Er sprüht vor Wortwitz, nimmt sich selber auf den Arm. Seine Worte haben überhaupt nichts Frömmelndes. Er spricht wie ein jung gebliebener Amerikaner in einem freundschaftlichen Ton. Es klingt wie: Hey, wir versuchen doch alle, irgendwie gut miteinander auszukommen. Es ist schön, dass du da bist.“

Oster-Rallye. Ähnlich verhält es sich mit den Osterplänen von Leo: Er nimmt an allen Osterfeierlichkeiten teil, wollte sogar als erster Papst seit Jahren das Kreuz am Kolos­seum durch alle 14 Stationen tragen.

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Franziskus konnte dies wegen seiner Gehbehinderung nicht tun. Den Segen „Urbi et orbi“ sprach Franziskus mit schwacher, zittriger Stimme. Das war der letzte symbolische Akt seines zwölfjährigen Pontifikats. 24 Stunden später war Franziskus tot, er starb am Ostermontag.

„Leo bietet dem Kriegsherrn Trump die Stirn“

Urbi et orbi. Jetzt wird Leo XIV. den Segen sprechen. Er wird sich in seiner Rede auch an Trump wenden: „Hoffentlich sucht er nach einem Weg, die Gewalt und die Bombardierungen zu verringern, was wesentlich dazu beitragen würde, den Hass zu beseitigen, der im Nahen Osten und anderswo geschürt wird und stetig zunimmt“, so der neue Papst im Vorfeld seiner Ostersonntagsrede: „Kehren Sie zum Dialog an den Verhandlungstisch zurück“, wird er an die politischen Führer appellieren: „Sie sollen nach Lösungen für die Probleme suchen und den Frieden fördern.“

Hoffentlich wird Leos Osterbotschaft gehört.