Überblick

Das ist der Alternative Nobelpreis

30.09.2010

Philantroph Jakob von Uexküll wollte ein Zeichen für Humanität setzen

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Seit 1980 wird jedes Jahr aufs Neue der Alternative Nobelpreis (Right Livelihood Award) an zumeist vier Preisträger vergeben. Ins Leben gerufen hat ihn der schwedisch-deutsche Philanthrop und Philatelist Jakob von Uexküll. Die Auszeichnung gilt als sozial orientierte Alternative zu den traditionellen Nobelpreisen. Sie wird an jene Einzelpersonen und Organisationen vergeben, die mit praktischen Methoden für ein menschenwürdigeres Leben kämpfen, etwa in den Bereichen Menschenrechte, Abrüstung, Umweltschutz, Entwicklungshilfe, indigene Völker, Konsumentenschutz, Friedensforschung oder auch Wirtschaft, Bildung, Gesundheit.

Menschenfreund
Jakob von Uexküll, wurde 1944 in Uppsala geborenen, wuchs aber in Hamburg auf. Er studierte Politik, Ökonomie und Philosophie. Von 1984 bis 1989 saß er für die Grünen im Europäischen Parlament. 1999 erhielt er den Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung. 2007 rief er gemeinsam mit dem deutschen Umweltaktivisten Herbert Girardet den international besetzten World Future Council (Weltzukunftsrat) aus 50 Mitgliedern ins Leben. Der Rat setzt sich für Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen ein und fördert entsprechende Politikansätze und deren Umsetzung.

Briefmarkensammler
Ihm waren die traditionellen Nobelpreise zu sehr von westlichen und konservativen Preisträgern geprägt. Angesichts zunehmender ökologischer Probleme schlug er der Nobelstiftung in Schweden vor, einen neuen Nobelpreis in dieser Sparte zu vergeben, den er selbst finanzieren wollte. Doch die Nobelstiftung lehnte ab. Daraufhin gründete er eine eigene Stiftung und den Alternativen Nobelpreis. Finanziert wurde das alles aus dem Erlös seiner geerbten Sammlung wertvoller Briefmarken.

Preisträger
Wer den Preis bekommt, entscheidet eine international besetzte Jury. Der Preis ist insgesamt mit zwei Millionen schwedischen Kronen (216.826 Euro) dotiert, die unter den Gewinnern aufgeteilt werden. Häufig war in der Vergangenheit einer der Preise aber ein nicht-dotierter Ehrenpreis. Wie bei den traditionellen Nobelpreisen werden die Ehrungen im Frühherbst im Pressezentrum des schwedischen Außenministeriums bekanntgegeben und im Dezember im Reichstagsgebäude feierlich überreicht.


Einige der Preisträger:

  • 1984 ging ein Preis an die kenianische Umweltschützerin und Frauenpolitikerin Wangari Maathai und ihr Aufforstungsprojekt Green Belt Movement, die 20 Jahre später auch den Friedensnobelpreis bekam.
  • 1987 bekam der Norweger Johan Galtung, einer der Gründerväter der Friedens- und Konfliktforschung den Preis.
  • 1994 wurde die schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren (gestorben 2002) für ihren Einsatz für Kinderrechte mit dem Alternativen Nobelpreis gewürdigt.
  • Ebenfalls 1994 gewann, der ein Jahr später hingerichtete, Ken Saro-Wiwa den Preis. Der Nigerianer versuchte mit seiner Bewegung für das Überleben des Ogoni-Volkes (MOSOP), eine Autonomie für die Ogoni, die Sanierung ihrer durch die Erdölförderung geschädigten Gebiete sowie die Beteiligung der Bevölkerung an den Einnahmen aus der Erdölförderung zu erreichen. 1995 wurde er nach einem Schauprozess mit bestochenen Zeugen erhängt.
  • 1996 wurde das Komitee der Soldatenmütter Russlands für ihren Mut bei der Verteidigung der gemeinsamen Menschenwürde von Russen und Tschetschenen im Tschetschenien-Krieg geehrt.
  • 2004 wurde Bianca Jagger, die Ex-Ehefrau des Rolling-Stones-Sängers Mick Jagger, für ihren Einsatz für soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz und Menschenrechte ausgezeichnet.
  • 2007 wurde das Ehepaar Percy und Louise Schmeiser aus Kanada, die durch ihre juristische Auseinandersetzung mit dem Gensaatgutkonzern Monsanto bekanntgeworden waren, "für ihren Mut bei der Verteidigung der Artenvielfalt und der Rechte der Bauern, und dafür, dass sie die derzeitige ökologisch und moralisch perverse Auslegung des Patentrechts infrage stellen" mit dem Preis gewürdigt.

Heimische Preisträger
Österreichische Empfänger des Alternativen Nobelpreises waren vor Bischof Erwin Kräutler 1983 der in Oberndorf bei Salzburg geborene Leopold Kohr (gestorben 1994), Philosoph, Volks- und Staatswissenschaftler sowie Vordenker der Umweltbewegung, sowie im Jahr 1986 der Zukunftsforscher und Pionier der internationalen Umwelt- und Friedensbewegung, Robert Jungk, der 1992 als Kandidat der Grünen bei der Bundespräsidentenwahl antrat.

Die in der Schweiz geborene und aufgewachsene Ärztin Monika Hauser, die 2008 den Alternativen Nobelpreis für die Gründung der Organisation Medica Mondiale erhielt, welche vergewaltigten Frauen in Kriegs-und Krisengebieten hilft, hatte in Innsbruck Medizin studiert.

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