Zugverbot

Erfolgreicher Millionen-Banker fuhr ein Jahr lang schwarz

18.02.2026

Ein Banker aus London war nicht bereit, den Vollpreis für sein Zugticket zu zahlen. Für seine Fahrt von seinem rund 2,3 Millionen Euro teuren Haus zu seinem Job bei der HSBC-Bank trickste er die Bahngesellschaft aus.

 

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Joseph M. (53) sollte eigentlich keine Probleme beim Kauf eines Zugtickets haben. Der Brite arbeitete als Abteilungsleiter im Bereich "Passive Equity" bei der HSBC-Bank. Trotzdem ließ er sich zu einer Straftat verleiten.

Laut mehreren britischen Medien läuft derzeit gegen Joseph M. ein Prozess vor dem Inner London Crown Court. Der 53-Jährige nutzte dabei den sogenannten Donut-Trick.

Einfachen Trick ausgenutzt

Er kaufte sich rund 740 Mal in elf Monaten nur Tickets für die Startstation und Endstation einer Strecke. Die restlichen Stationen ließ der Mann aus. Durch das komplexe britische Bahntarif-System entstand dabei tariflich ein "Loch" in der Mitte, wie bei einem Donut. M. betrog die Bahngesellschaft so um etwa 6700 Euro.

Unbekannt ist, wie er am Ende aufflog. Der Banker gestand seine Straftat der Polizei. Der Staatsanwalt Jack Furness beschrieb sein Vorgehen als "in Planung und Ausführung raffiniert". Joseph M. verwendete stetig falsche Namen und Adressen, um Karten zu kaufen. Darauf lud er zwischen Oktober 2023 und September 2024 seine Zugtickets hoch.

"Sie haben eine Ehefrau und eine liebevolle Familie" 

Sein Anwalt Will Hanson meint: "Er kann nicht erklären, warum er das getan hat." Der Banker habe "eine herausragende Karriere hinter sich, die nun in Gefahr ist". Die leitende Position bei HSBC Global Asset Management hatte er zehn Jahre lang inne. Im vergangenen Jahr ging Joseph M. in die Frühpension.

Laut der "Times" sagte der Richter Alexander Stein bei der Urteilsverkündung: "Sie haben diese Aktivität aus eigenem Antrieb eingestellt, bevor Sie festgenommen (...) wurden. Niemand kann genau erklären, warum Sie sich an dieser Straftat beteiligt haben. Sie haben eine Ehefrau und eine liebevolle Familie."

Der Banker wurde zu zehn Monaten Haft auf Bewährung und 80 Stunden gemeinnützige Arbeit verurteilt. Ebenfalls darf er ein Jahr lang nicht mehr die Southeastern Railway benutzen. Der Prozess hat in Großbritannien derart hohe Wellen geschlagen, dass Joseph M. umziehen und über eine Mauer springen musste, um den wartenden Fotografen zu entkommen.