Erdbeben

Kunstschätze zum Teil völlig zerstört

07.04.2009

Das verheerende Erdbeben in der mittelitalienischen Region Abruzzen hat viele Kunstschätze unwiederbringlich zerstört.

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Ein Großteil der mittelalterlichen Monumente und die Kirchen in der Abruzzen-Hauptstadt L'Aquila wurden schwer beschädigt. Am stärksten betroffen ist die Kirche Santa Maria di Collemaggio aus dem 13. Jahrhundert, sowie die monumentale Basilika des heiligen Bernhardin von Siena aus dem 15. Jahrhundert.

Eine Kuppel der Kirche stürzte bei dem Erdbeben ein und auch die Kathedrale wurde beschädigt.

Teil der spanischen Festung aus dem 16. Jahrhundert, in dem das städtische Museum untergebracht ist, brach wegen des Erdbebens zusammen. Auch das Neapel-Tor, das im Jahr 1548 zu Ehren des Kaisers Karl V. errichtet wurde, meldete schwere Schäden. Die Kuppel der Kirche des Heiligen Augustins, die wegen ihrer Barocken-Gemälden bekannt ist, brach ein.

"Kathedrale wie nach Bombenangriff"
"Es wird unmöglich sein, die Kirchen der Stadt in ihren vorherigen Zustand zurückzuversetzen", klagte der Leiter der nach dem Erdbeben eingesetzten Expertenkommission. "Die Kathedrale sieht wie nach einem Bombentreffer aus, wie in Sarajevo oder Beirut", sagte er.

Expertenteam bestürzt
Das italienische Kulturministerium hat ein Expertenteam nach L'Aquila entsendet, das bereits nach dem schweren Erdbeben in Umbrien im Jahr 1997 die Restaurierung der zerstörten Basilika in Assisi geleitet hatte. "Wir überprüfen die Lage, die Schäden sind enorm", berichtete der Generalsekretär des Kulturministeriums Giuseppe Proietti.

Hilflosigkeit
Die Zerstörung von Kunstschätzen durch das Erdbeben hat den aussichtslos scheinenden Kampf Italiens gegen Zerstörung und Verfall seines überaus reichen kulturellen Erbes erneut ins Bewusstsein gerückt. Gegen Naturkatastrophen ist der Staat machtlos, doch ist er auch so schon kaum noch in der Lage, zumindest die wichtigsten Bauten und Einrichtungen zu erhalten. Zwar kommen alljährlich Millionen von Touristen ins Land, doch landet ihr Geld nur zu einem geringen Teil in den Kassen des Kulturministeriums.

"Es ist ein Problem und großartig zugleich, dass ganz Italien ein einziges riesiges Museum ist", kommentierte Kulturminister Sandro Bondi. Es gebe nicht nur Kirchen und Paläste, die es zu erhalten gelte, sondern ganze Ortschaften und Städte von besonderem architektonischen Wert. Selbst in kleinsten Orten noch seien Kunstschätze von Bedeutung zu finden, die in jedem anderen Land gehegt und gepflegt würden.

Da das Geld zur Pflege der Sehenswürdigkeiten nicht reicht, haben in einigen Fällen private Firmen wie Versicherungsgesellschaften oder Banken diese Aufgabe übernommen. Die Bank Monte dei Paschi aus der toskanischen Stadt Siena meldete bereits ihre Bereitschaft, die Restaurierung der Basilika des heiligen Bernhardin. "Der Heilige Bernhardin stammte aus unserer Stadt Siena, daher wollen wir dafür sorgen, dass die Kirche zu seinem Ehren wieder restauriert wird", sagte die Bankenleitung.

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