Vom Hero zum Loser

Arnies Polit-Stern verglüht

23.05.2009

Schuld soll die Wirtschaftskrise sein. Wie Arnold Schwarzenegger seinen Bonus als Polit-­Komet der USA verspielte – und wie er darunter leidet.

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© Reuters
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Es ist die Stunde der Wahrheit in Kalifornien. Diesmal, bestimmte Gouverneur Arnold Schwarzenegger (61), werde es bei der Schließung des neuen Budgetloches von 21,8 Milliarden Dollar keine „Tricks, faulen Kompromisse oder neues Schuldenmachen geben“. Gnadenlos wie der Terminator zückte er den Rotstift: 928.000 Kinder verlieren die Krankenversicherung, 5.000 Beamte den Job, Unis und Schulen Milliarden an Geldern.

Pleitegefahr
Der Riesenstaat Kalifornien (38 Millionen Einwohner, mit 1,7 Billionen BIP achtgrößte Volkswirtschaft der Erde) steht neuerlich vor der Pleite. Von Arnie per Volksabstimmung anvisierte, langfristige Budgetreformen scheiterten: Die Wähler schmetterten alles von Steuererhöhung bis Umschichtungen innerhalb des Etats ab. „Ich habe den Willen des Volks laut und klar verstanden“, blieb ihm bloß öffentliche Zerknirschtheit. Zwar spenden dem Ex-Bodybuilder und Filmstar Experten Trost: „Kalifornien ist praktisch unregierbar!“ Von einem Lehrbeispiel, „wie direkte Demokratie auch scheitern kann“, schrieb die New York Times. Denn alles muss dort per Referendum goutiert werden. Komödiant Bill Maher spitzte zu: „Wir wünschen uns stets die tollsten Sachen – doch wollen dafür nicht blechen.“

Absturz
Doch der Volkszorn trifft Arnie: Ein Hollywood-Happy-End seiner Politlaufbahn rückt in weite Ferne. Laut Field-Umfrage stürzten seine Popularitätswerte auf 33 Prozent ab. 18 Monate bleiben ihm noch bis zu seinem Abtritt aus dem Gouverneurspalast in Sacramento. Wenig Zeit, sein Politerbe noch zu retten. Noch dazu, wenn unpopuläre Maßnahmen gegen die Budget­misere alles überschatten.

Frage: Was wollen sie machen, wenn Ihre Amtszeit 2011 endet. Es wurde zuletzt spekuliert, dass Sie für den Senat kandidieren könnten?
Schwarzenegger: Nein, das werde ich sicher nicht machen. Doch zur Ruhe setze ich mich auch nicht. Es gibt den Klimaschutz und Herausforderungen an der Umweltfront, die ich weiter propagieren werde, eine Wahlrechtsreform, die ich begonnen habe, und für die ich mich auch nach dem Abtritt weiter einsetzen werden. Dann habe ich auch noch meine alten Verbindungen zur Bodybuilding-Welt. Und wer weiß: Vielleicht hat jemand ein Drehbuch für mich, an dem ich als Schauspieler interessiert sein könnte.

Frage: Sie wollen in allen drei Sparten weiter aktiv bleiben?
Schwarzenegger: So erkläre ich es meiner Frau Maria immer. Ich schlage nach dem Ende eines Kapitels nicht das Buch zu, ich addiere einfach: Jetzt lese ich ­Bodybuilding-Magazine, die Film-Zeitungen und die Polit-Postillen, um überall am Ball bleiben zu können.

Frage: Sind Sie nicht am Ende gescheitert?
Schwarzenegger: Was mich enttäuscht hat und auch überraschte, ist die Tatsache, wie ideologisch hier alles im kalifornischen Politsystem gesehen wird. Aber: Mit meinem Reichtum aus anderen Karrieren und meiner Popularität in ganz Amerika lasse ich mich nicht unterkriegen von gewissen Realitäten in Sacramento.

Frage: Nochmals: Wie wollen Sie Ihre ungebremste Energie künftig nützen?
Schwarzenegger: Ich weiß nicht, was die nächsten 18 Monate als Gouverneur bringen werden. Deshalb möchte ich mir auch noch nicht den Kopf zu ausführlich über das Nachher zerbrechen. Mir macht es Spaß, ohne Sicherheitsnetz zu agieren. Doch eines weiß ich sicher: Ich werde weiter in viele aufregende Projekte involviert sein.

Frage: Sie kamen nach Sacramento, standen mit einem Besen vor dem Kapitol, wollten ausmisten, Kalifornien total umkrempeln. Haben Sie die Realität unterschätzt?
Schwarzenegger: Ich kam hierher, um zu reparieren, was kaputt war. Und wir haben viel erreicht. Doch was mir bisher nicht gelang, ist Kalifornien fiskalisch auf gesunde Beine zu stellen. Aber ich bin ein Kämpfer. Ich gebe niemals auf.

Frage: Doch viele Wähler verweigern Ihnen die Gefolgschaft.
Schwarzenegger: Hier geht es nicht um mein Polit-Erbe, es geht nicht um Politiker in Sacramento, oder Demokraten gegen Republikaner. Die Zukunft unseres Golden States, unseres Kalifornien steht auf dem Spiel.

Frage: Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann Mitglied einer Obama-Regierung zu werden? Und welche Position könnte Sie besonders reizen?
Schwarzenegger: Ich habe den Kaliforniern versprochen, dass ich meine zweite Amtsperiode ausdienen werde, egal welche Angebote ich erhalte. Dieses Versprechen werde ich halten. Meine Periode endet im Jänner 2011. Doch generell: Wenn dich ein US-Präsident bittet, eine Aufgabe zu übernehmen, dann kann man schwer Nein sagen. Ich bin immer bereit zu helfen, dass Amerika weiter dieses großartige Land bleibt, das ich so lieben gelernt habe.

Quellen: New York Times, Wall Street Journal, CNN

Die Ironie: Die Budget-Misere 2003 – als unter Vorgänger Gray Davis ein 42-Milliarden-Loch klaffte – spülte den Österreicher ins Amt. Die leeren Staatskassen ruinieren jetzt auch das Finale der ­Arnie-Ära.

Klimaschützer
Es war eine Achterbahnfahrt zwischen Triumphen und Waterloos: Nach der Weltsensation der „Recall“-Wahl 2003 wurde er dank einer donnernden Rede beim Bush-Parteitag zu Amerikas Politsuperstar. Sogar eine Verfassungsänderung wurde diskutiert, um dem Terminator den Kampf ums Präsidentenamt zu erlauben. Legendär bleibt Arnie als Einsatzleiter bei Kaliforniens Feuerinfernos und als Vor­reiter beim Klimaschutz.

Doch eigentlich wollte er Kalifornien total umkrempeln: „Ich kam hierher, um zu reparieren, was kaputt war“, sagt er. Doch viel früher hätte er seine Popularität einsetzen sollen, „um den Bürgern reinen Wein einzuschenken“, nörgelte die L.A. Times.

Zukunft
Was macht Arnie nach dem Abtritt im Jänner 2011? „Nachdem er sich mit US-Präsident Obama versteht, könnte er doch noch einen Platz im Regierungsteam ergattern“, spekulieren Beobachter. Oder er kehrt ins Filmgeschäft zurück: Sly Stallone (62) habe gezeigt, dass auch alte Actionhelden eine Chance haben.

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